„Oi! The Nische“ (Deutschland)

Stelle Dich doch bitte unseren Lesern erst einmal vor!

Ahoi lieber Meik mit „E I“, Ahoi liebe Leser.

Ich bin der Mäx aus dem schönen Örtchen Schmachtenhagen, bin 26 Jahre alt und genau die Hälfte meiner Lebensjahre Skinhead. Des Weiteren bin ich ein großer Freund alkoholischer Getränke und Oi! bzw. Punk-Musike!


Das „Oi! The Nische“-Festival gibt es ja nun schon einige Jährchen, da stellt sich die Frage, wie man auf die Idee kommt, nicht nur eine Party oder ein Konzert zu organisieren, sondern gleich etwas Festes und Wiederkehrendes auf die Beine zu stellen?

Der Hauptgrund ist eigentlich, daß hier bei uns im Umkreis für sämtliche Subkulturen rein gar nichts los ist. Wenn man was erleben will, muß man immer ins olle Berlin fahren. Teilweise sind dann die Konzerte, die dort stattfinden vollkommen für’n Arsch, weil’s immer mindestens 10 „Konkurrenz-Veranstaltungen“ gibt. Dadurch hat man immer viele Konzerte, die nur mäßig gefüllt sind. Und den Besuchern, die anwesend sind, merkt man auch total an, daß sie vollkommen gesättigt sind.

Bei Leuten, die auch mal bereit sind einige Kilometer Fahrt in Kauf zu nehmen merkt man jedoch, daß sie den Spaß am Feiern nicht verlernt haben. Ähnlich sieht’s mit Leuten aus, die in Landstrichen wohnen in denen sonst nix los ist. Da meine Kumpels und ich in beide Kategorien fallen, haben wir uns überlegt, einmal im Jahr eine große Geburtstagsparty zusammen zu feiern, die dann auch zu einem Teil von den jeweiligen Geburtstagskindern finanziert wird. Dadurch kann man sich’s leisten, vernünftige Live-Musike zu ordern und Freibier zu kredenzen.

Du siehst also: der Grund ist einzig und allein Egoismus! Wir wollen auch mal „zu Hause“ einen richtig coolen Gig erleben, alle unsere Freunde treffen und richtig einen Saufen ;-)


Du organisierst ja sicher nicht alles alleine. Wie viel Leute wirken gewöhnlich noch im Hintergrund mit und sind es von Anfang an immer die gleichen Kollegen?

Die Gruppe an Leuten, die mit mir zusammen ihren Geburtstag feiert, ist in der Regel 10 Mann stark. Von den 10 Leuten übernimmt dann auch jeder eine kleine Aufgabe. Die einen mehr und die anderen weniger. Dadurch kommen wir eigentlich gut zurecht.

Um auf den zweiten Teil deiner Frage zu kommen: Ja, die meisten der Mitveranstalter halten seit Jahren die „Nische“-Fahne in den Wind!


Bei vielen festen Sachen taucht das Wort „Oi!“ auf und man fragt sich, ob dieser Begriff nicht oft einfach nur genommen wird, um damit Leute zu locken. Warum also „Oi! The Nische“, hast Du nicht Angst, daß es irgendwann mal den Umkehreffekt gibt und die Leute fragen „Warum jetzt auch noch ‚Oi! The Nische’?“?

Oi! bedeutet für mich – unter anderem- Zusammenhalt zwischen Glatzköpfen, Punks, Billies usw.! Dabei kommt es nicht darauf an, in jedem Punkt dieselbe Meinung zu vertreten, sondern gemeinsam eine gute Zeit zu erleben, seinem Gegenüber trotz einiger Ungleichheiten zu respektieren und zu mögen und gemeinsam gegen die immer stärker werdende Kommerzialisierung anzukämpfen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist dabei oft die Musik bzw. Konzerte. (Daher finde ich auch, daß es bei einer Oi! Band nicht unbedingt auf die Frisur sondern auf den Inhalt derer Lieder ankommt!)

Aufgrund dieser Ansicht haben wir einen sehr gemischten Freundeskreis. Und da ja all unsere Freunde immer recht herzlich in Schmachtenhagen willkommen sind, versuchen wir bei der Bandauswahl auf eine gesunde Mischung zu achten, um keine der erwähnten Sparten auszuschließen. Das gelingt uns, meiner Meinung nach, meist recht gut!

Das ist also der Grund, warum so oft bei unserem Veranstaltungen der Begriff „Oi!“ auftaucht.

Ich hoffe, daß unsere Gäste einen ähnlichen Standpunkt vertreten. Auf engstirniges Publikum, das schon vom Namen abgeschreckt wird, können wir sehr gerne verzichten!!!


Über „Oi! The Nische“ hinaus gibt es ja auch noch andere Veranstaltungen bei Euch, die aber nicht unter „Oi! The Nische“ laufen. Warum das? Wäre es nicht einfacher, alles unter „Oi! The Nische“ laufen zu lassen, zumal der Name in der Szene bereits ein Begriff ist?

Das hat den Grund, daß bei „Oi! The Nische“ immer ein Shuttle-Service vom Oranienburger Bahnhof und zurück angeboten wird und außerdem, weil’s da immer Freibier gibt. Bei den Konzerten, die sonst bei uns stattfinden können wir diese Leistungen nicht anbieten, da zu diesem Anlaß niemand seinen Geburtstag feiert und daher einfach die Kohle fehlt. Würde man das unter diesem Banner laufen lassen, kämen garantiert Beschwerden im Nachhinein…


Wonach suchst Du im Allgemeinen die Bands aus?

Zum einen nach meinem persönlichen Geschmack und zum anderen nach Sympathie. Es haben schon einige Bands bei uns gespielt, dessen Musik ich nicht so prall finde, da es sich jedoch um Freunde handelte bzw. handelt, war für mich klar, daß da mal was zusammen passiert. Außerdem versuchen wir immer wieder, kleineren Bands die Chance zu geben sich zu beweisen. Besonders cool find ich, wenn auch mal ne regionale Band auftritt. Besonders, weil dadurch ne Menge Spritgeld eingespart wird ;-)


Gibt es auch Bands die sagen, mit dieser oder jener Band möchte ich nicht zusammen spielen; oder Bands die fragen, ob Ihr nicht die eine oder andere Band mit ins Programm nehmen könnt?

Bis jetzt gab’s nur einen Vorfall in diese Richtung. „Die Roudies“ aus der Nähe von Potsdam haben damals mal zu einem Gig zugesagt und später über einen Spruch in ihrem eigenen Gästebuch (!!!!!!) alles wieder gecancelt. Scheinbar hatten sie keinen Bock mit Test A zusammen zu spielen. Wäre auch gar nicht so tragisch gewesen. Ich fand nur die Art und Weise etwas eigenartig. Ansonsten hat sich noch nie irgendeine Band beschwert!

Einige Anfragen kamen auch schon. Teilweise ist dann daraus tatsächlich was geworden.


Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Bands in der Regel? Gibt es häufig Absagen, oder erst Zusagen und kurz vorher dann `ne Absage?

Da bei uns zu 99 % Oi! oder Punkbands aufspielen habe ich’s immer vermieden mit Verträgen zu arbeiten. Das gehört in meinen Augen überhaupt nicht zusammen. Ich zähle auf Versprechen, oder einen vernünftigen Handschlag! Wenn eine Band ihre Zusage nicht einhält sind sie für mich nicht in derselben Szene zu Hause wie ich und daher völlig uninteressant (geworden)!!! Bis jetzt hatten wir aber das Glück, daß alle Bands ihr Wort hielten. Es gab nur einmal 'nen kleinen Vorfall zu „Oi! The Nische“ 6. Da hat der Headliner (berühmte Band aus Berlin) ein paar Tage vorher abgesagt, weil sie lieber einen Mainstream-Gig mit Broilers angenommen haben. War nicht schön, aber wir haben’s überlebt und trotzdem schön gefeiert!


Was bietet Ihr den Bands, damit sie bei Euch spielen?

Zu „Oi! The Nische“ gibt’s ausschließlich Spritkohle, Essen und Getränke (in Hülle und Fülle), sowie einen Übernachtungsplatz. Sonst wäre die Geschichte mit dem Shuttle und dem Freibier finanziell gar nicht realisierbar. Bei Konzerten außer der Reihe gibt’s für manche Bands auch ein bißchen Gage. Blieb aber bis jetzt immer im Rahmen.


Ich war ja erst einmal bei Euch (aber mit Sicherheit nicht das letzte Mal!) und stellte fest, daß das Publikum sehr gemischt war, es aber keinerlei Ärger gab. Ist das der Normalfall, oder gab es auch schon schlechte Erfahrungen?

Auf Festen wo massig Alkohol konsumiert wird, gibt’s immer mal kleine Rangeleien. Ernsthafteres ist bis jetzt jedoch noch nicht passiert. Ich hoffe das auch später von zukünftigen Veranstaltungen behaupten zu können!


Bei Euch feiern Punx und Skins gemeinsam zu tollen Bands ab, denen es auch nur um Spaß und Musik und nicht um Politik geht. Die Antifa scheint dies anders zu sehen. Hast Du eine Ahnung, wie gerade das Punkerpublikum über diese falschen Anschuldigungen der Antifa denkt?

Bisher hat ja die Antifa „nur“ einmal versucht, Stimmung gegen uns zu machen. Dies war dann auch im Nachhinein gesehen eines der bestbesuchtesten Konzerte, die wir je veranstaltet haben J

Ich glaube, daß allein spricht für sich! Diese Pappnasen haben auch versucht die Band Klartext aus Eberswalde dazu zu überreden, den Gig abzusagen, aber sie sind bei den Junx auf taube Ohren gestoßen. Wie du ja weißt, waren an diesem Abend auch einige Punks anwesend, also wird’s wohl keinem wirklich gejuckt haben.

Viele der Besucher bei uns, sieht man ja auch bei Folge-Veranstaltungen wieder. Daher denke ich, daß die meisten wissen, daß an diese Anschuldigungen nix dran war/ist. Politik-Vorwürfe seitens der Antifa können eh nur von Leuten stammen, die weder in der Oi!- noch in der Punk(rock)szene zu Hause sind. Sonst würde man einige, für Außenstehende, Mißverständnisse aus einer ganz anderen Sicht sehen. Also sollten sie sich einfach aus Sachen raushalten, von denen sie keine Ahnung haben.


Versuchst Du diese Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen, oder läßt Du einfach die stattfindenden Konzerte für sich sprechen?

„Oi! The Nische“ stand (und steht) schon immer 100 %ig gegen Rassismus/Faschismus! Dennoch geben wir einen Scheißdreck auf PC-Gehabe, Halbwahrheiten und anderem Gehetze. Jeder von uns hat seinen Kopf zum Denken und nutzt diesen auch. Mir kann keiner diktieren, was gut und was schlecht ist. Deswegen kann jeder über uns und unsere Konzerte behaupten was er will. Das geht hier echt jeden am Arsch vorbei. Wer wissen will, wie’s hier wirklich zugeht, ist jederzeit herzlich eingeladen. Also wird’s nirgendwo Entschuldigungen für etwas geben, was keiner Entschuldigung bedarf.

Die Bandauswahl geht in unseren Augen immer völlig klar. Wer das anders sieht, brauch ja nicht herkommen.

Das einzige was Schade wäre, ist wenn der Ruf vom Gasthof durch irgendwelche Maulhelden leidet. Aber ich appelliere da einfach mal an den gesunden Menschenverstand der Presse usw. Selbst die Bullen haben ja mittlerweile festgestellt, daß es sich bei „Oi! The Nische“ nicht um die Reichskristallnacht Vol. 2 handelt.

Sobald man anfängt, sich für jede Scheiße zu entschuldigen und/oder zu allem Ja und Amen sagt, ist man’s nicht mehr wert einen Crop No. 1 zu tragen und sollte lieber einer Kommune beitreten!!!


Gab es neben der Netzhetze schon Drohungen gegen Dich persönlich, oder versuchte man durch Gewalttaten Konzerte bei Euch zu verhindern?

Auf mich persönlich oder auf meine Mutter als Kneipenbesitzerin kam nie jemand zu. Weder im Guten noch im Schlechten. Und das ihre Gewaltaufrufe keinen Anklang finden war mir eh klar. Wer hat schon Bock, sich mit 250 besoffenen Punks und Skins anzulegen??? Auf solche Art von Aktionen braucht man bei den heutigen Revoluzzern eh nicht zu warten. Das läuft doch alles nur virtuell, weil man nicht so schnell eine in die Schnauze kriegt!


Ihr nehmt bei Euren Veranstaltungen nicht gerade viel Eintritt, was lobenswert ist. Lassen sich dadurch dennoch alle Kosten decken?

Bei uns zählt noch der Gedanke: Von der Szene, für die Szene. Von dem Eintrittsgeld fließt nicht ein Cent in die Tasche der Veranstalter. Bei „Oi! The Nische“ wird jeder Taler, der übrig bleibt in Freibier umgesetzt und bei den anderen Veranstaltungen wird der Eintritt dafür genutzt, Technik, Techniker, Bands usw. zu bezahlen. Sollte dabei noch ein wenig übrig bleiben, dann erhält meine Mutter diese Summe. Das ist jedoch nur ein geringer Lohn für ihre Nerven aus Stahl! Außerdem sollte es sich ja auch für sie lohnen, so daß sie für zukünftige Veranstaltungen immer freudig mit dem Kopf nickt, anstatt die Nase zu rümpfen ;-)

Hohe Eintrittspreise für Anti-Mainstream-Mucke ist doch ein bißchen widersprüchlich, oder? Außerdem muß es ja auch immer einen kleinen Anreiz geben, eine Reise in die Provinz zu wagen!

Falls nicht alle Kosten gedeckt werden können, muß die Wirtin eben noch was vom Getränkeverkauf drauflegen. Ist aber bis jetzt noch nicht passiert.


Was war Deiner Ansicht nach das beste und was das schlechteste Konzert, welches Ihr auf die Beine gestellt habt?

Ohne großartig angeben zu wollen, kann man behaupten, daß jedes Fest seinen Charme hatte. Deswegen will ich mich nicht festlegen. Persönliche Highlights waren natürlich Konzerte mit meinen musikalischen Favoriten, wie z.B. Oxo 86, Telekoma, Oderflut, Schusterjungs, Roimungstrupp, Pflanzer, Ruhestöhrunk, Eight Balls, Gerbenok, Bombecks,…


Mit welchem Event hattet Ihr die meisten Probleme, alles zu organisieren und welcher Gig organisierte sich am einfachsten, wenn man davon reden kann, da ja eigentlich jedes Konzert eine logistische Herausforderung ist?

Die ersten Veranstaltungen waren noch ein bißchen chaotisch, aber man hat von Jahr zu Jahr immer dazu gelernt, und heutzutage läuft eigentlich alles ganz gut.


Was steht in nächster Zeit an und was sind Zukunftsträume, die Du irgendwann verwirklichen willst?

Eigentlich war einer meiner Träume, mal ein kleines Label zu gründen und Tonträger zu veröffentlichen. Dies ist allerdings schon geschafft. Also Augen und Ohren offen halten und öfter mal unsere Page besuchen: www.oi-thenische.de! Wenn dieses Interview erscheint, dürfte unsere neueste Veröffentlichung bereits in den Startlöchern stehen. Man darf gespannt sein.


So, genuch genervt. Nun hast Du noch Zeit für kommende Events zu werben, Leute zu grüßen, oder einfach das zu sagen, was Dir auf dem Herzen liegt.

Erst einmal besten Dank für dein Interesse. Die Vorbereitungen für „Oi! The Nische“ 8 laufen bereits auf Hochtouren. Wie es aussieht, werden wir wieder am ersten März-Samstag für brennende Luft sorgen. Wenn alles so läuft, wie ich mir das denke, dann wird wieder ein fantastisches Line Up geboten werden. Checkt einfach mal unsere Homepage!

Danken möchte ich auch allen Gästen und Mitveranstaltern für ihre Treue. Außerdem möchte ich dieses Interview nutzen, um den Langen in der Nische-Firm willkommen zu heißen!

Still fuckin’ Oi!

Mäx Stil

 

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