Kommando Skin (Deutschland) aus der #17

Die Vorstellung können wir uns wohl schenken und die Besetzung scheint noch die gleiche wie bei der „Alldeutsch voran“ zu sein. Wenn ich mich irre, dann könnt Ihr hier Änderungen bekannt geben. Ansonsten war es das.

Grüß Dich. Du hast Recht, es hat sich tatsächlich weder hinsichtlich der Besetzung noch sonst irgendetwas geändert.


Euer neuer Tonträger ist ja unlängst erschienen und als erstes fiel mir das schön gestaltete Digipack auf. Wer ist dafür verantwortlich?

Das freut uns sehr, wenn es dir gefällt, denn die Gestaltung kommt zu 99% von uns selbst. Wir haben gemeinsam verschiedene Ideen gesammelt und unser Bassist hat sie dann am Computer umgesetzt. Unser Layouter hat das Ganze dann nur noch in eine professionelle Form transferieren müssen. Wie auch schon bei unserem letzten Album war es unser Wunsch, dass es im Digipack erscheint. Diesmal haben wir uns noch den matten Druck statt dem Hochglanz gewünscht.


Einen Labelwechsel gab es auch, Ihr seid von „Streetfight Records“ zu „Panzerbär Records“ gewechselt. Wie kam es dazu, wart Ihr mit dem anderen Label nicht mehr zufrieden?
Doch, wir waren mit „Streetfight Records“ immer sehr zufrieden, jedoch haben sie inzwischen ihre Tätigkeit eingestellt. Außerdem sind wir mit Alex von „Panzerbär“ recht gut befreundet, deshalb hatten wir uns entschieden, unser neues Album dort verlegen zu lassen, was sich auch als eine gute Wahl herausgestellt hat.


Der Titel „Trotz allem heiter“ paßt wie die Faust auf’s Auge. Allerdings sagt der Titel auch viel über den allgemeinen Zustand aus. Muß man in dieser Zeit einfach nur Humor bewahren, um nicht zu verzweifeln?
Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, wie er mit Repressionen oder verschiedenen Rückschlägen umgeht. Nur wenn man darauf immerzu nur mit Wut, Zorn und Verzweiflung reagiert, gerät einem unter Umständen bald das positive Ziel aus dem Blickfeld.

Also ja, es hilft, wenn man sich etwas Humor bewahrt.


Ihr singt ja auch einige Stücke in Englisch und mir fiel am neuen Album auf, daß die deutschen Lieder durchweg ernste Themen haben, während die englischen Texte zwar kritisch sind aber mehr einen Szenebezug haben. Wieso bringt Ihr szenebezogene Texte eher auf Englisch?

Dem eingefleischten Kommando Skin Hörer ist diese Tatsache nicht erst seit dem aktuellen

Album bekannt, wobei es eigentlich keinen besonderen Grund dafür gibt. Vielleicht liegt es an der vielen englischsprachigen Musik, die wir hören, dass wir überhaupt so viele englische Texte vertonen. Es ist uns aber wichtig, deutsche Anliegen auch auf deutsch zu formulieren.


Habt Ihr schon groß Reaktionen auf Euer neues Album und wie fielen diese aus?

Es gab schon viele und fast durchweg positive Reaktionen aus unserem Umfeld, aus dem Internet und sonst wo, was uns selbstverständlich sehr freut. Es gab aber auch ein paar kritische Stimmen, die natürlich auch immer berechtigt und gern gehört sind, wenn sie halbwegs sachlich begründet sind.


Ich möchte sagen, daß Eure Texte von Album zu Album ausgereifter aber auch politischer wurden. Stimmt Ihr dem zu und warum?

Ja, da hast du Recht. In den Anfangszeiten der Band spielte Politik eine geringere Rolle. Dass sich die Texte dahingehend geändert haben, hängt mit der persönlichen Entwicklung von uns zusammen. Im Laufe der Jahre – vor allem der jungen Jahre – ändern sich immer wieder Sichtweisen, Meinungen und Haltungen. Das spiegelt sich auch in den Texten wider.


Ihr kommt ja aus Schwaben und da muß ich das Thema Winnenden einfach kurz anschneiden. Es kommt ja immer wieder zu solchen traurigen Taten, wobei es vom Täter sicher immer ein Hilfeschrei ist. Nach solchen schockierenden Ereignissen spulen Medien und Politik etwa zwei Wochen lang ein Programm von Forderungen usw. ab, wirklich ändern tut sich aber nichts. Was wären Eurer Meinung nach geeignete Maßnahmen, um solchen Taten vorzubeugen?

Das Thema ist sehr umfassend und wird kaum in ein paar Worten in einem Interview ausreichend diskutiert sein, aber dennoch ein paar Gedanken dazu:

Der Amoklauf von Winnenden, was ja fast vor unserer Haustür liegt, war natürlich schrecklich und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.

Es sind nur viele Menschen in dem Irrglauben, eine solche Tat ließe sich durch Verbote oder Maßnahmen verhindern.

Wenn so eine Tat geschieht, dann ist das öffentliche Interesse natürlich immer groß und die Medien tragen dazu nicht unerheblich bei. Das Interesse der Medien gilt dabei naturgemäß nicht einer sachlichen Berichterstattung, sondern den Sensationen und Schlagzeilen. Und dadurch kommen dann schnell unverhältnismäßige Forderungen nach Verboten auf, die nicht objektiv abgewägt werden. Politiker sehen sich folglich im Zugzwang, da man nicht als untätige Ignoranten gelten möchte. In den meisten Fällen führt das aber zu blindem Aktionismus und das gewünschte Ziel stellt sich nicht ein.

Gesetze, die gewalttätige Computerspiele, großkalibrige Waffen oder sonst was verbieten wären genauso effektiv wie ein Gesetz, welches Jugendlichen verbieten würde, an Schulen Menschen zu erschießen.

Das Waffengesetz der Bundesrepublik gehört bereits zu den strengsten weltweit. Nach dem Vorfall 2002 in Erfurt hatte man das Waffengesetz und das Jugendschutzgesetz deutlich geändert. Vier Jahre später kam es zum Amoklauf in Emsdetten, weitere drei Jahre später zum Amoklauf in Winnenden. Jeder der sich objektiv mit dem Thema auseinandersetzt, wird erkennen, dass sich durch weitere Änderungen der Gesetze eine solche Tat nicht verhindern lässt.

Das Problem ist in seinem Kern ein gesellschaftliches. In einer Gesellschaft, in welcher der Egoismus als negative Seite des Individualismus ein erstrebenswertes Ziel darstellt, ist wenig Platz für Zusammengehörigkeit und Interesse an den Problemen anderer. Das führt zum einen dazu, dass sich viele Menschen nicht als Teil eines Ganzen sehen und unter Umständen eine feindselige Haltung entwickeln. Zum anderen führt es dazu, dass bestimmte Anzeichen von anderen nicht wahrgenommen werden. Allerdings sind solch dramatische Auswirkungen wie bei den Amokläufen Einzelfälle. Wenn sich ein Mensch, der sich so entwickelt hat, aber entscheidet, eine solche Tat zu begehen, dann wird er sich nicht davon abhalten lassen, dass er keinen Zugang zu großkalibrigen Waffen hat.

 

Wieder zur Musik. Auf dem Album „Die Ruhe vor dem Sturm“ covert Ihr das geniale „When the storm breaks“ von Skrewdriver, welches schon ewig zu meinen SD-Favoriten zählt. Eure Version gefällt mir auch sehr gut. Damit covert Ihr mal einen Song der recht wenig abgekupfert wurde, wenn überhaupt. Warum dieser Song und was bedeutet er für Euch?

Von Skrewdriver gibt es sehr viele Lieder, die uns gefallen und potentielle Kandidaten für eine Coverversion wären. Zum einen wollten wir nicht noch mal eines, der schon x mal gecoverten Lieder aufnehmen, zum anderen passt das Lied sowohl inhaltlich als auch musikalisch gut zu uns: kurz, rockig und eine klare Aussage.


Auch wagt Ihr Euch schon mal an Songs von Rose Tattoo. Schon Ideen für weitere Coversongs?

Ja, Ideen gibt es da schon – was dann allerdings wirklich mal umgesetzt wird, steht noch aus. Da dürft ihr euch überraschen lassen.


Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Faustrecht für das Lied „Nie wieder Knecht“?

Wir kennen und schätzen die Jungs von Faustrecht schon seit vielen Jahren und das Thema Zusammenarbeit stand immer wieder im Raum. Zuerst hatten wir beim aktuellen Album von Faustrecht mitgewirkt. Als dann das Lied „Nie wieder Knecht“ stand, waren wir uns ziemlich schnell einig, dass sich das Thema für eine Revanche geradezu anbot.


Soviel für heute. Nun dürft Ihr noch was loswerden.

Vielen Dank für das interessante Interview, viele Grüße an die Leser und macht weiter so!

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Kommando Skin (Deutschland) aus der #13

Hallo Jungs, stellt Euch doch bitte den Lesern einmal vor und gebt einen kurzen Abriß über Eure Bandgeschichte.

Hallo Mädels. Also wer uns noch nicht kennt: wir sind Kommando Skin aus dem Schwabenland und die Band existiert seit 1996. Seit 1999 spielen wir in der aktuellen Besetzung. Wir haben bisher drei Alben veröffentlicht, zuletzt „Alldeutsch voran" (ja, alldeutsch, nicht altdeutsch). Ansonsten existieren einige Beiträge auf diversen Samplern. Besonders erwähnenswert wäre da „The Skinheads come back". Auf kommandoskin.com findet ihr die komplette Diskographie.

 

Eure Beiträge auf dem Sampler „The Skinheads come back!" und Eure CD „Alldeutsch voran" gefallen mir sehr gut. Auch seid Ihr nicht vom Hatecorevirus infiziert, was bei vielen deutschen Bands leider so ist. Woran orientiert sich Euer Stil?

Das freut uns erstmal sehr, daß sie dir gefallen. Wie du es ja ansprichst, bevorzugen viele heutzutage eher die „härtere Schiene". Bei uns konnten diese Arten von Musik jedoch bisher nicht viel Eindruck schinden. Und unser Stil orientiert sich eigentlich an niemandem, wir versuchen einfach Musik zu machen, die uns gefällt und rockt.

 

Auch textlich schlagt Ihr einen Weg ein, der ja nicht mehr so oft üblich ist. Ihr mischt Patriotismus mit Themen aus dem Alltag und des Skinheadlebens. Was für PC-Bands eine Sünde ist, scheint für Euch möglich zu sein. Kann man Eurer Meinung nach zu Deutschland stehen und dennoch der Skinheadsubkultur angehören?

Die Frage nach der Verbindung von Nationalismus und Skinheadsubkultur ist etwas irritierend. Zumindest bis vor ein paar Jahren waren Skinheads ein großer Teil derer, die sich öffentlich zu Deutschland bekannt haben. Also ist das selbstverständlich vereinbar. Die Frisur, die Kleidung oder der Musikgeschmack bestimmen ja nicht die politischen Ansichten eines Menschen.

 

Wurdet Ihr aufgrund dieser Einstellung schon von PC-Polizisten o.ä. ausgegrenzt bzw. angefeindet?

Was auch immer PC-Polizisten sein sollen, es wäre uns nicht bekannt, daß sich solche Personen in unserem Bekanntenkreis bewegen. Wer ein Problem mit unseren Liedern oder unserer Einstellung hat, braucht weder mit uns rumhängen, noch unsere Lieder hören.

 

Was haltet Ihr denn von so tollen Aussagen wie „Wer den Ursprung der Skinheads kennt, dem muß klar sein, daß ein Skin nur Antirassist sein kann", welche immer wieder die Runde machen?

Auch Subkulturen ändern sich. Und wie vorhin schon erwähnt gibt es keine zwingende Bindung zwischen Subkultur und politischer Einstellung. Damit müssen die Vögel einfach leben. Und die Vorstellung, daß „damals, früher…" schwarze und weiße Skinheads in bedingungsloser Einigkeit ska-tanzend durch England gehüpft sind, ist auch nur eine verklärte Wunschvorstellung.

 

Mir fällt auf, daß Ihr ziemlich viele Lieder auf Englisch singt, was mir gut gefällt. Wollt Ihr damit Leute auf Euch aufmerksam machen, die kein Deutsch können, oder was für einen Beweggrund hat das?

Natürlich erreicht man dadurch Menschen die kein Deutsch sprechen – vor allem die aus englischsprachigen Ländern – viel besser, aber ehrlich gesagt gibt es eigentlich keinen Grund dafür, daß wir auch auf Englisch singen. Meistens ergibt sich das von selbst. Wir kennen einen Haufen Leute aus Großbritannien und den USA, hören viel englischsprachige Musik, da kommen einem automatisch auch Ideen für englische Texte.

 

Das Stück „The Skinheads come back!" ist eins meiner Lieblingsstücke von Euch und spricht mir aus der Seele. Gab es erst die Idee zu dem Sampler, oder wurde das Lied vorher geboren? Welche Aussage wollt Ihr damit rüber bringen?

„Streetfight Records" kam auf uns zu und fragte, ob wir Lust hätten Beiträge zu einem Sampler zu machen, der diesen Titel tragen soll. Wir hatten eingewilligt und im gleichen Zuge hat unser Sänger gleich gesagt, daß er eine Idee für ein Titellied habe. Kurz darauf stand das Lied in seinen groben Zügen fest. Und was es aussagen soll? Die Skinheads kommen zurück!

 

`Ne zeitlang war ja alles vom Hatecore besetzt und Skinheads scheinen immer mehr eine untergeordnete Rolle auf Veranstaltungen zu spielen und auch viele Bands sprangen auf diesen Zug auf. Denkt Ihr, daß das Skinheadding in der brd noch mal die Rolle spielen könnte, wie es Ende der 80er und in den 90ern war? „The Skinheads come back!"?

Sei mir nicht böse, aber ich frag mich warum man immer wieder diese Frage stellt, das Thema wird völlig überbewertet. Ist doch scheißegal, ob jemand Skinhead ist oder nicht. Klar, wir sind Skinheads – und das auch gern, aber wenn ein anderer sich dafür nicht begeistern kann, dann eben nicht. Wichtig ist, daß man für unsere Sache gerade steht, aufrecht und ehrlich. Uns steht es nicht zu darüber zu urteilen, wie sich jemand kleidet oder was für Musik ihm gefällt. Lächerlich ist es nur, daß manche sich scheinbar zu rechten Spiegelbildern der autonomen Linken machen.

 

Wie sieht es mit der Skinheadszene in Eurer Gegend aus?

Die Skinheads an sich werden auch bei uns weniger, aber ein unbeugsamer Kern hört nicht auf dem Rückgang Widerstand zu leisten…

 

Was treibt Ihr so, wenn Ihr nicht malochen geht, oder Eure Instrumente quält? Wo treibt Ihr Euch rum?

In der Kneipe neben dem Obstladen.

 

Was kann man von Euch in naher Zukunft erwarten und wann?

Wir haben sehr konkrete Pläne für neue Aufnahmen, ist aber natürlich alles streng geheim.

Ihr werdet von uns hören…

 

So Jungs, nun habt Ihr Zeit für Grüße, Hetze, oder anderen Kram.

Schönen Dank fürs Interview und Grüße an alle Leser von „Meinungsfreiheit".

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