|
Aus dem „Oi!kanuba" #14 Hier stand ich (Meik) dem Oikanuba Rede und Antwort. Stellt ihr euch und euer Fanzine meiner Leserschaft einmal bitte vor ? Hallo, mein Name ist Meik, bin jetzt 35 Jahre alt und gebe seit 1994 das Zine „Meinungsfreiheit" („MF") heraus. Anfangs hieß das Ganze noch „Aufbruch", doch nach `ner Hausdurchsuchung wegen der ersten Ausgabe, und ein nach sich ziehendes Verfahren, änderte ich das Ganze in „Meinungsfreiheit" um und so schimpft sich das Zine heute noch. Inhaltlich lag der Schwerpunkt anfangs sehr bei der Politik, was sich im Laufe der Jahre immer weiter änderte, bis die Politik in der Nummer 13 ganz aus der Printausgabe verschwand. Zum einen ändert bzw. entwickelt man sich ja im Laufe der Zeit weiter und zum anderen passt politisches Zeugs nicht mehr in das Heft. Was nun nicht heißen soll, dass ich dadurch nun unpolitisch geworden bin. Es nimmt einfach einen anderen Stellenwert für mich ein und inzwischen kann ich Szene und Politik ganz gut auseinander halten... Das Zine nun in eine bestimmte Schublade zu stecken, dürfte schwer sein, da eigentlich alles rein kommt, was mich interessiert und da halte ich mich nicht an bestimmte Vorgaben oder Schubladen. Diese Einteilung nehmen sowieso andere vor...
Wieviele feste Mitschreiber und Gastschreiber habt ihr pro Ausgabe ? Die Redaxbesetzung wechselte eigentlich ständig und seit zwei Ausgaben werkel ich wieder allein an den Ausgaben, was ja auch Vorteile hat, da man auf nichts und keinen Rücksicht nehmen muß. Feste Gastschreiber gibt es bei mir so eigentlich auch nicht. Für jede Ausgabe gibt es den einen oder anderen Beitrag, der in der Regel auch mit veröffentlicht wird.
Mit wie vielen Seiten habt ihr euch Anfangs zu frieden gegeben and wieviel müssen es jetzt sein ? Anfangs waren es wohl nicht viel mehr als um die 30, dann gab es in den 90ern mit der #5 die bis dato fetteste Ausgabe mit über 80 Seiten, ließ dann aber auch wieder nach. Inzwischen sehe ich zu, dass es wenigstens 60 Seiten sind. Das konnte in den letzten Ausgaben auch immer gehalten werden.
Was lest ihr am liebsten in anderen Fanzines ? Ich lese eigentlich so ziemlich alles, was in den jeweiligen Gazetten zu finden ist. Gerne natürlich die Reviews, um auf dem Laufenden zu bleiben, oder zu sehen, ob andere Schreiber die besprochene Platte, CD oder das vorgestellte Zine auch so sehen wie ich. Intis von Bands, die ich gerne höre. Sachen, die nicht jedes Zine hat.
Was sollte ein Fanzine haben als auch nicht haben ? Zines vertreten ja immer eine subjektive Meinung des oder der Herausgeber und das ist auch gut so...;-) Sobald sich jemand da reinreden lässt, ist es doch nicht mehr sein Blatt. Jeder sollte das schreiben, was er für richtig hält. Gerade diese Vielfalt ist doch sehr positiv für die Szene, man sollte das nicht immer gleich negativ bewerten. Allerdings sollte das jeweilige Zine auch das halten, was es verspricht. Damit meine ich, dass ein Skinheadzine auch über Sachen aus der Skinheadszene berichten sollte, wenn es sich so schimpft, da es dem Ruf sonst wohl nicht gerecht wird... Welche Richtung ist dabei dann egal, da die Skinheadszene ja schon immer sehr vielseitig war. Wem das eine oder andere net passt, der braucht es ja nicht zu lesen, oder sich gerade das Zine besorgen.
Tips für Newcomer die die Fanzine Welt erobern wollen ? Nur so wird man „reich & sexy"...;-) Nein, wer das denkt und aus dem Grunde mit dem Schreiben anfangen will, der kann es vergessen. Auch ist der Anfang nicht einfach und man sollte nicht denken, dass nach der ersten Ausgabe Anfragen ohne Ende kommen. Durch das Internet ist es zwar leichter, an Informationen und Interviews für die Ausgaben zu kommen, doch dadurch kaufen sich auch weniger Leute Druckausgaben von Zines. Wer jetzt noch Lust darauf hat, ein eigenes Zine heraus zu bringen, sollte auch daran denken, dass das Ganze viel Zeit und auch Geld kostet. Man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn die ersten Ausgaben noch nicht so gut laufen. Jeder sollte immer nur das schreiben, was einem selbst gefällt und sich nicht von anderen in eine Richtung drängen lassen. Gut sind auch immer Sachen, die nicht in allen anderen Zines zu lesen sind, das macht das eigene Heft interessanter.
Habt ihr ein redaktionelles Konzept oder nehmt ihr einfach alles rein ? Es gab immer wieder Versuche meinerseits, Konzeptausgaben rauszubringen, das scheiterte bisher aber immer und ich habe es aufgegeben...;-) Alles nehme ich deswegen aber trotzdem nicht ins Heft, es muß zum Gesamtinhalt passen und ich muß den Inhalt vertreten können. Wie bereits in Frage 1 erläutert, war mein Blatt mal ziemlich politisch und derzeit kann ich mir nicht vorstellen, wieder politische Sachen mit ins Heft zu nehmen. Allerdings werden weiterhin auch politische Bands zu Wort kommen, es werden solche Hefte und CDs besprochen. Wenn es vielen auch nicht passt, auch diese Bands und Sachen gehören zur Szene.
Und was bringt Euch persönlich die Arbeit an dem Zine ? „Wein, Weiber und Gesang" leider weniger, haha. Es macht einfach Spaß, über Sachen, Musik und Bands zu schreiben, die man selber hört und gut findet. Musiker mit Fragen zu löchern, die einen selbst auch interessieren, Fanzinekollegen über ihre Motivation auszufragen. Und man lernt ja auch eine Menge Leute durch das Zine kennen. Aber es bringt auch Zeitaufwand, finanzielle Investitionen und Streß mit sich.
Was für eine Bedeutung haben Zines für die Szene ? Zines gehörten ja schon immer zu den verschiedenen Subkulturen und so ist das heute auch noch, wenn leider auch nicht mehr in dem Maße, wie es früher war. Mit zunehmender Bedeutung des Internets lesen leider auch immer weniger Leute die Druckausgaben der Zines. Dennoch sehe ich Zines als wichtiges Informationsmedium für die Szene, wo sonst sollte man groß was über die Bands, gute oder schlechte Platten und allgemeinen Szenetratsch erfahren, es hat ja auch nicht jeder Internet?!?
Können Fanzines die Skinhead Szene beeinflussen ? Grundsätzlich erst einmal ja. Allerdings ist ja gerade unsere Szene sehr facettenreich und so dürfte immer auch nur ein Teil der Zinewelt die Meinung bestimmter Leser treffen, schließlich sind Zines ja immer ein Spiegel des Herausgebers und nicht der gesamten Szene. Musik und Zines aller Art dürften im Großen und Ganzen aber das aussprechen, was viele von uns denken, da die Macher ja Teil der Subkultur sind. Ob und wie weit Zines nun wirklich die Szene beeinflussen, dürfte eher durch eine Umfrage geklärt werden. Eine Anfrage beim Guido Knopp der Subkulturen, Klaus Farin, hingegen dürfte nischt bringen...;-)
Wie beurteilt ihr die Qualität der deutschen Skinhead Musik Szene ? Nachdem ich jahrelang fast ausschließlich Musik von ausländischen Bands hörte und an deutscher Musik nur bekannte Bands sluschte, muß ich sagen, dass sich gerade auf dem Oi!-Sektor derzeit wirklich viel tut und es wieder viele gute deutsche Bands gibt. Was RAC betrifft, so gibt es hier zwar nicht so viele gute Newcomer, aber es gibt gute alte Bands und einige neue, die hoffen lassen...
Welche Wirkung hat Musik eurer Meinung nach sind Rechtsrock Bands mit verantwortlich für die Gewalttat in letzter Zeit ? Sicher kann Musik positive und negative Stimmungen mit beeinflussen. Das aber gleich zum Motiv für Gewalttaten zu machen, dürfte übertrieben sein. Ich finde es schon schlimm, wenn die Medien gleich von „Rechten" oder „Skinheads" reden, nur weil diese sich am Rand solcher Szenen bewegen, oder solche Musik hören. Eine feste Überzeugung dürften die wenigsten haben., auch wenn sie durch irgendwelche „eindeutige" Delikte bereits aufgefallen sind. In ein paar Jahren hört man von den Spinnern nichts mehr. Aber zurück zur Frage. Musik ist mit Sicherheit ein Meinungsverstärker, wie auch Alkohol und Drogen Stimmungen verstärken können. Allerdings muß die Gewaltbereitschaft schon vorher vorhanden sein, Alkohol und Musik geben dann wahrscheinlich den letzten Anstoß. Jetzt aber irgendwelche Musikrichtungen zu verteufeln, weil diese auch von Kriminellen gehört werden, wäre sicher ein falsches Zeichen. In den 80ern waren gerade deutsche Bands und deren Musik wesentlich krasser und radikaler als jetzt und da waren die Gewalttaten, vermeintlicher Rechter oder Skinheads, längst nicht so hoch.
Was zeichnet euer Fanzine aus - hier könnt ihr Schleichwerbung für Wenn ich das wüsste, da müßte man wohl eher die Leser fragen. Aber ich denke, dass es die Mischung des Inhalts macht und dass ich mir nie irgendwo reinreden ließ.
Musikalische Schwerpunkte in euerm Fanzine ! Bei Interviews liegt der Schwerpunkt in erster Linie auf RAC und Oi!. Was nun Bandreviews und Musikerbiografien betrifft, so muß es mich auch interessieren, dadurch kommt schon `ne nette Bandbreite zusammen. Ähnlich sieht es mit CD- und Plattenkritiken aus, es wird besprochen, was ich höre, außer totale Mainstreamsachen. An anderen Blättern bespreche ich alles, was ich in die Griffel kriege. Dadurch dürfte eigentlich fast jeder was im Heft finden, oder was zu meckern haben.
Was haltet ihr von Politik in Fanzine wie sieht es damit bei euch aus Wie ja bereits aus Frage 1 zu entnehmen ist, war die "MF" ja mal sehr politisch und bei einigen steht die Gazette sicher auf der roten Liste..., dennoch vertrat ich immer eine eigene kritische Meinung und scheute mich nicht davor, auch Leute aus den eigenen Reihen anzugreifen, wenn es Not tat... Doch inzwischen ist Politik weitestgehend aus dem Heft verschwunden, wenn auch Politik immer noch eine Rolle in meinem Leben spielt. Zum „MF"-Inhalt passt es aber inzwischen nicht mehr und das wird wohl auch so bleiben. Ich habe selbst nichts gegen Politik in Zines, wenn es nicht Überhand nimmt und es zum Inhalt passt. Das passt jetzt sicher vielen nicht, es geht ja aber um meinen Standpunkt.
In welchen Zeitabständen erscheint eure Gazette ? In Planung waren immer 4 Ausgaben pro Jahr, dies wurde nie erreicht. Ich brachte es ja in dreizehn Jahren gerade Mal auf 13 Ausgaben...;-( Inzwischen bin ich froh, wenn pro Jahr 2 Ausgaben erscheinen. Es liegt ja auch nicht unbedingt daran, dass zu wenig Material vorhanden ist, es ist ja auch immer eine finanzielle Frage. Vielleicht auch ein anderer wichtiger Punkt: Viele Interviewanfragen werden nicht beantwortet, oder es dauert eine ganze Zeit, bis das Interview zurück kommt und das verzögert den Erscheinungstermin dann auch noch, da ein Fanzine ohne Interviews langweilig ist...
Welche Fanzines lest ihr persönlich gerne ? Eigentlich alles, was mir in die Finger kommt. Natürlich gibt es da auch viel Licht und Schatten. Am liebsten lese ich Zines aus den Bereichen Streetpunk, Oi! und RAC, schön ist, wenn alles in einem Heft beisammen ist...;-) Auch lese ich lieber selbst gestaltete Oldschool-Zines, als irgendwelche Hochglanzgazetten, denen der Zinecharakter fehlt, da verzichte ich dann auch gerne auf gute Fotoqualität.
Wird sich die Skinhead Szene in den nächsten Jahren weiter entwickeln ? Trotz vieler negativer Erfahrungen bin ich ein durchaus positiv denkender Mensch und so sehe ich die Entwicklung unserer Szene durchaus positiv. Es gibt viele gute Bands, viele tolle Zines, nette Loi!te, was will man mehr?!?
Die letzte Worte gehören euch. Zuerst einmal möchte ich mich bei Dir/Euch bedanken, mein Zine hier vorstellen zu dürfen. Unterstützt nicht nur die Bands durch den Kauf ihrer Platten, sondern auch die zahlreichen Fanzines in der Szene. Wir schreiben für Euch! Wer nun neugierig geworden ist, der bekommt das Zine unter Mf-zine@web.de bestellt. Auch lohnt ein Blick auf www.myspace.com/mfzine. Oi! & Cheers! Meik („MF"-Zine) |