Zur Geschichte der MF

In der #13 erschien 2004 zum 13jährigen Jubiläum des Zines eine kleine History. Für die Netzseite wurde sie nochmal überarbeitet und aktualisiert.

Die MF hat ja nun auch schon einige Jahre auf dem Buckel und so sollen hier mal ein paar Anekdoten vom Beginn bis jetzt niedergeschrieben werden…

Bis die MF das heutige Erscheinungsbild hatte, war es ein weiter Weg. Auch fand vieles Platz, was heute so nicht mehr in das Zine kommen würde. Es waren andere Zeiten, aber es waren unsere… Das liegt nun weniger daran, daß sich meine Einstellung geändert hat, sondern viel eher daran, daß im Zine dafür kein Platz mehr ist und ich einen Trennstrich zwischen Szene und Einstellung mache.

Es kamen und gingen Mitschreiber, das Aussehen änderte sich desöfteren. Und auch der Erscheinungsort wechselte einige Male, so begann es in meiner Heimat Niedersachsen, es gab eine Nummer aus Mecklenburg und vorerst war ich nun in Sachsen-Anhalt „angehalten". Seit Anfang 2009 bin ich nun wieder im heimatlichen Niedersachsen wohnhaft, zwar nicht mehr im Wendland, sondern in, dem Wendland benachbarten, Uelzen.

Es ergab sich auch eine über zweijährige Zwangspause, da ich für zwei Jahre in Haft war. Trotz des gehegten Wunsches, die MF auch während der Haft herauszugeben, wurde daraus leider nichts, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... Was sich nun zum Guten oder Schlechten geändert hat, das lasse ich mal dahingestellt, denn ich denke, daß Ihr das besser beurteilen könnt.

Wie begann alles? Das ist eine gute Frage und so versuche ich hier den Faden mal aufzugreifen... Nicht zu Beginn der 90er aber auch noch nicht in der Mitte der 90er, es war nicht 1993 und auch nicht 1995, also es war 4 Uhr neunzig, ähm 94, machte ich mir Gedanken, in welcher Form ich etwas für die Szene machen kann, da ich nicht länger nur Konsument sein wollte. Ich wollte dieser Szene einfach etwas zurück geben, da sie mir ja auch viel, wenn nicht gar alles, gibt. Nun gut, ich konnte weder singen, noch hatte ich das Talent irgendeinem Instrument hörbare Töne abzugewinnen. Bereits in der Schule wurde mir das Singen von den Lehrkörpern untersagt...;-( So fielen diese beiden Dinge also schonmal weg und sicher danken es mir einige. Andere Möglichkeiten gab es ja aber auch noch. Da ich in der Vergangenheit, mehr oder minder erfolgreich, öfter Leserbriefe an Regionalzeitungen schickte, oder Texte für andere Publikationen verfaßte, brauchte ich nicht lange zu überlegen. Die Idee war also geboren. Bereits zu Beginn der 90er verschlang ich massenhaft Zines und Bücher, also war auch die Richtung klar: „Ich schreib ein Buch...!". Nee, das ist Unsinn, denn das würde später sicher nur unter zu kurzen Tischbeinen liegen, damit dieser nicht wackelt, man würde es im Streit mit dem Partner als Wurfgeschoß nutzen, oder es dient kleinen Kindern als Unterlage, damit sie an die Süßigkeiten kommen, oder ich könnte eine eigene Bücherverbrennung inszenieren, weil ich auf meinen lausigen Büchern sitzen bleibe... Also war auch das nicht so der Bringer. Von daher versuchte ich mich daran, ein Zine zu veröffentlichen.

Die Idee war also geboren, ich befand mich ja auch schon länger unter den Lebenden; zwei nicht unwichtige Faktoren, die ja nun vorhanden waren. Es konnte also losgehen. Ein genaues Konzept war noch nicht vorhanden und auch ein Name mußte noch her, aber das sind ja wahrlich „unwichtige" Dinge, in meinem jugendlichem Leichtsinn (etwas älter war ich da aber doch schon, aber was soll´s?!?) sollte mich nichts mehr bremsen können. Da ich den zukünftigen Lesern meine Sauklaue nicht zumuten wollte und konnte, mußte eine Schreibmaschine her und ich investierte 150 DM (R.i.p.!) in eine mechanische Schreibmaschine mit dem wunderschönen Namen Erika. Neu ausgerüstet konnte ich mich jetzt voll und ganz der Arbeit des Schreibtischtäters widmen. Was den Namen des Heftes betraf, so wollte ich es erstmal mit Aufbruch versuchen, denn es war ja letzten Endes auch ein Aufbruch für mich, auch die politische Sicht des Namens fand bei mir Anklang...

Inhaltlich setzte ich in der ersten Ausgabe erstmal nur politische und geschichtliche Themen um. Das lag zum einen daran, daß ich noch zu wenig Erfahrungen und Kontakte hatte, um groß Interviews mit Bands zu machen, oder über diese zu berichten. Zu dieser Zeit war es ja noch wesentlich schwerer, was das alles betraf, da das Internet noch nicht den heutigen Stellenwert hatte und alles lief über die Post und da kam dann auch vieles „abhanden". Heute ist durch den Fortschritt zwar alles etwas leichter und einfacher, aber man denkt auch gerne an die alten Zeiten zurück. Aber zurück zum eigentlichen Text... Zum anderen lag es natürlich auch daran, daß Politik noch einen ganz anderen Stellenwert für einen selbst spielte. Man mußte alles mitmachen und überall dabei sein und so wurde natürlich vorwiegend über solche Sachen berichtet. Heute denke ich nicht anders, doch vieles sehe ich heute etwas anders und beurteile es auch anders. Man denkt einfach mehr nach und so sollte es ja auch sein. Ich schweife schon wieder ab, also „rechts um und Kommando `Zurück zum Thema´"... So war in der ersten Ausgabe also kaum was zu finden, was in der jetzigen MF immer zu finden ist und es gab fast ausschließlich Politik und Geschichte.

Die Auflage lag zu Beginn noch weit unter den heutigen. Zahlen werde ich nicht nennen, da bestimmte Leute ja auf so was nur warten... Damals sollte das Heft erstmal im engsten Freundeskreis verteilt werden und ich wollte die Reaktionen abwarten. Trotz alledem gelangte eine Ausgabe in die Finger der Staatsanwaltschaft und dieser mokierte sich über mein Treiben und rebellierte gegen mein Schreiben... Er war anscheinend nicht so begeistert, von dem, was ich da von mir gab, hähä, ich schon...;-) So kam es, daß eines schönen Morgens an der Klingel geklopft und an der Tür geschellt wurde. Ihr könnt es Euch denken: Es war weder ein begeisterter Leser, der nach weiteren Heften fragen wollte und es war auch kein enttäuschter Leser, der sein Geld wiederhaben wollte. Es waren die Herren vom grün-weißen Trachtenverein, die zu früher Morgenstunde Einlaß begehrten und doch nur die Verwüstung meiner 4 Wände im Sinn hatten.

So wurden die Trüffelschweine dann auch fündig, sie wissen ja, wo sie suchen müssen...;-) Aber auch mein Besuch wurde fündig und fand noch einen kleinen Restbestand der ersten Ausgabe und die Kopierfahne der, inzwischen fertig gestellten, zweiten Ausgabe. Dies freute die Schnüffler natürlich und mir ging es wie Angie, als sie ihren Arsch in der Zeitung sah, ich war also „not amused"... Ich wollte schreiben und das sollte mir auch der Staat nicht verbieten können, also war an Aufgeben nicht zu denken. Ich überlegte also, wie es denn nun weiter gehen sollte. Ich konnte doch nach einer Ausgabe und einen Schuß vor dem Bug nicht gleich wieder aufgeben... Bereits zu dem Zeitpunkt wurde ja schon viel von den Rechten gequatscht, die man als brd-Bürger so hat, doch auch schon damals waren vieles nur Floskeln. Aber mir kam die Idee, daß ich mein Geschmiere in Zukunft einfach anders nenne und schon müßte es doch weiter gehen können. Dazu aber gleich mehr. Gegen mich wurde nun ein Ermittlungsverfahren wegen Vergehens gegen die üblichen Meinungsparagraphen eingeleitet und irgendwann schrieb mir auch der zinelesende Staatsanwalt. Das Verfahren gegen mich sollte eingestellt werden, wenn ich auf die Herausgabe der geklauten Unterlagen verzichtete. Da ich bereits an neuen Sachen schrieb, ging ich auf diesen Kuhhandel ein. Man kannte sich ja auch noch nicht so mit den Gesetzen und Gummiparagraphen aus und so ging man lieber den Weg des kleinstmöglichen Widerstands. Heute würde ich da wohl anders handeln.

So wurde also mein Aufbruch bereits nach der ersten Ausgabe zu Grabe getragen und aus dieser Asche sollte die Meinungsfreiheit (MF) entstehen und diese bereichert auch heute noch den Zinemarkt und wird es hoffentlich noch lange tun. Doch bis zu den heutigen Ausgaben (was Inhalt, Aufmachung und andere Dinge betrifft) war es noch ein weiter und steiniger Weg. Auch soll das nun nicht heißen, daß die MF sich nun nicht mehr verändert. Wie sich Menschen im Laufe der Zeit verändern bzw. weiter entwickeln, so wird sich auch die MF stets und ständig weiter entwickeln, denn nur was in Bewegung bleibt, kann etwas bewegen. So weit ist es aber an dieser Stelle noch nicht, zumindest wird darüber noch nichts geschrieben.

Mit Beginn der MF wollte ich auch weg vom starren politischen Konzept des Aufbruch. So sollte das Ganze mehr Zinecharakter bekommen. Also machte ich mich dran, erste Interviews abzufassen, um Bands und Musikern dann dämliche Fragen stellen zu können. Fortan berichtete ich auch von Konzerten und Partys, nervte die Leser mit Urlaubsberichten und Kochrezepten, es wurden in jeder Ausgabe Platten und CDs reviewt, etliche Zines wurden getauscht und bequatscht. Für alle veröffentlichten Themen schien es Leser zu geben und so blieben auch die beklopptesten Dinge ein Teil der MF. Politik und Geschichtliches gab es aber auch in der MF immer wieder, da man in der heutigen Zeit nicht „unpolitisch" sein kann!

Zum jetzigen Zeitpunkt allerdings ist es unumgänglich, daß das Politische zum Großteil aus der Printausgabe der MF und auch von der Seite verschwindet, da es einfach nicht mehr zum anderen Inhalt paßt, der größtenteils aus Musik und Szenekram besteht. Vielleicht ändert sich das in Zukunft nochmal, aber vorerst ist nichts geplant. Dies besagt nicht, daß sich meine Weltanschauung, oder meine Ansichten geändert haben.

Was Interviews betrifft, so denke ich, daß doch immer wieder interessante Bands und Musiker zu Wort kamen und der Leser meist auf seine Kosten kam. Auch andere Zinemacher standen Rede und Antwort, Inhaftierte wurden befragt und Gruppen und Organisationen kamen zu Wort. In der vieljährigen Geschichte des Zines kamen u.a. Frank Rennicke, 08/15, HKL, Freikorps, Nordwind, Zensur, Schlachthaus, Foierstoss, Madkorps, Alex (Spirit of 88 und Spreegeschwader), Saccara, Halgadom, Faustrecht, Carpe Diem, Mistreat, White Wash, Totenkopf, Odium, Brigade M, Battle Scarred, Injustice Side, Strikeforce UK, Civico 88, Kommando Skin, Lion‘s Pride, Kill Baby, Kill!, Antipati, Iron Fist, Bombecks, Lammkotze, Gerbenok, Prolligans, Misandao, On The Job zu Wort. Auch kramte man einige alte Interviews aus anderen Zines wieder raus und veröffentlichte diese. Einige Bands segneten das Zeitliche und andere sind immer noch fester Teil unserer Szene, was mich freut. Leider gibt es aber auch hier nicht nur Licht, sondern auch Schatten... So denken einige Bands inzwischen, sie wären was Besseres und haben es nicht nötig, mal ein Interview zu beantworten. Bedenkt doch mal, woher Ihr kommt! Ohne Käufer Eurer Platten und CDs und den Support der Zines hättet Ihr wohl kaum den jetzigen Bekanntheitsgrad! Diese „Jet Set Skinheads" sind aber eher die Ausnahme, die meisten Interviewanfragen wurden beantwortet. All diesen Leuten, den Bands, Musikern, Labels, Zinemachern und Einzelpersonen sei an dieser Stelle mal mein Dank ausgesprochen.

Die Redaktionsbesetzung wechselte in den Bestandsjahren der MF auch öfter und außer mir ist keiner mehr mit von der Partie, aber einige sind wenigstens noch in der Szene; andere wiederum kehrten auch der Szene den Rücken. Aber so ist das nunmal, in den Jahren, in denen ich mich nun schon in der Szene rumtreibe, sah und sieht man etliche Leute kommen und gehen und dann freut man sich immer wieder, wenn man bei Veranstaltungen Leuten über den Weg läuft, die bereits vor Jahren auch schon dabei waren und immer noch dabei sind. Was die jetzige Redaktion betrifft, so ist der Dennis seit der #16 fest mit dabei und er wird das Geschreibe hoffentlich bereichern. An dieser Stelle möchte ich dann auch gleich noch einen Dank an all die „freien Mitarbeiter" loswerden, die über die Jahre hinweg immer mal wieder das eine oder andere zu der MF beisteuerten.

Mit Veränderung des Zines wechselten auch die Leser immer wieder. Einigen sagte dies nicht zu und den anderen das nicht, aber man kann in Zines ja glücklicherweise blättern und so findet hoffentlich jeder was Passendes... Dennoch freue ich mich, daß auch noch Leser dabei sind, die die MF schon aus „Urzeiten" kennen. Auch allen Lesern muß hier mal gesagt sein, daß die MF durch Euch am Leben erhalten wird.

Was die Aufmachung angeht, so machte das Zine auch hier viele Irrungen und Wirrungen durch. Angefangen hat alles mit dem Layout einer mechanischen Schreibmaschine und die Fotos und Bilder wurden noch von Hand eingeklebt, später das selbe Prozedere, nur daß ich inzwischen eine elektrische Maschine hatte. Durch Redaktionszuwachs gab es dann auch immer wieder gemischte Ausgaben, sprich einen Teil mit Maschine und der andere mit PC erstellt. Inzwischen wurde alles auf Computer umgestellt und das wird auch so bleiben. Das Format wechselte ab und an auch mal und es wurden Versuche gestartet, die MF in A4 rauszugeben, was aber mir und anderen nicht zusagte und nun bleibt es beim klassischen A5-Format. Auch bin ich inzwischen so weit mit dem PC vertraut, daß ich mir das Gestalterische selbst zutraue, das Ergebnis mute ich dann Euch zu...;-)

In das Computerzeitalter schaffte es die MF erst ziemlich spät, aber man kann sich der Moderne ja nicht ganz verschließen. So war es eigentlich auch nur eine Frage der Zeit, wann es die MF ins Internet schafft. Vor etwa 4 Jahren sollte es dann so weit sein und ich wagte es, die Meinungsfreiheit ins Netz zu stellen. Zu dem Zeitpunkt kannte ich mich noch wenig mit der Materie aus und auch der Anbieter ließ zu wünschen übrig und so war das Ergebnis ziemlich dürftig. Inzwischen wurde der Server gewechselt und das Outfit hat sich ein wenig verbessern können. Doch der Fachmann bin ich immer noch nicht und so wird es bis zu einer ordentlichen Seite noch eine Weile dauern, aber „Warte, warte nur ein Weilchen...". Allerdings wird diese Seite nun regelmäßig aktualisiert und von den Berichten dürfte sie wesentlich interessanter gestaltet sein.

So Freunde, nun wären wir auch schon fast am Ende unserer Reise in die Vergangenheit bis in die heutige Zeit. Was könnt Ihr in Zukunft von der MF erwarten? Nun ja, ich hoffe, daß wir in Zukunft wieder häufiger eine Ausgabe rausbringen. Auch soll es nicht an interessanten Intis und Berichten mangeln. In den kommenden Ausgaben soll dann auch das Zine immer mehr englischsprachige Beiträge enthalten, bis letzten Endes alles zweisprachig ist, damit unsere Leser aus dem Ausland auch was zum Lesen und nicht nur zum Angucken haben. Inhaltlich wird die MF auch weiterhin eine Mischung aus Szene, Musik, Bewegung und Patriotismus sein. Genaues kann man aber hier noch nicht absehen, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

In den letzten Ausgaben wurde immer weiter versucht, das Zine zu verbessern und thematisch war es immer ein bunter Strauß Melodien. Ideen sind immer noch vorhanden und so kann es munter weiter gehen!

Ich freue mich, auch weiterhin die MF rausbringen zu können und wenn ich in der nächsten Zeit nur annähernd so viel Zuspruch wie in den vergangenen Jahren erhalte, dann wird es das Zine auch in 13 Jahren noch geben. Mit diesen Worten dürfte ich auch im Sinne von Dennis reden.

 

Oi! und cheers!

Meik