The Specials (England)

 

...und nochmal Ska. Hier befassen wir uns mit den Specials, die zur 2. Skawelle gehörten und mit Bands wie Bad Manners oder Madness nochmal gehörig für Aufruhr sorgten und den sog. Two-Tone mitbegründeten.

 

 

Im Gegensatz zu den Urvätern des Ska waren die Specials eine von Beginn an englische Band. Zum Ende der 70er gründete sich die Gruppe unter den Namen The Coventry Automatics, 1978 benannten sie sich dann in The Specials um. Großbritannien erlebte zu dieser Zeit ein Wiedererstarken der Skinheadszene. Konnte man unter den Skins der ersten Stunde rassistisch eingestellte Skins noch kaum ausmachen, so war das bei der neuen Welle wesentlich verbreiteter und dem wollten Bands wie The Specials etwas entgegen setzen und so bestand das Lineup bewußt nicht nur aus weißen Musikern.

 

Erste Demos wurden aufgenommen und durch den Ausstieg von Johnny Rotten bei den Sex Pistols wollte Kopf Dammers ihn für die Specials gewinnen doch es kam Thomas, nee Anders... Man lernte den Clash-Manager kennen und dieser brachte die Spaßtruppe ins Vorprogramm der Punkband um Joe Strummer. Der Clash-Sänger war so begeistert, daß er die Gruppe für die ganze Tour verpflichten wollte, obwohl längst ein Support feststand.

 

Allerdings kamen die Specials beim Publikum weniger an, da dieses mit der damals noch obskuren Mischung aus Ska und Punk nichts anfangen konnten.

 

1979 erschien dann die erste Single, diese wurde in Eigenregie aufgenommen, da sich kein passendes Label fand. Der Song „Gangsters“ ist eine Neuinterpretation des Stückes „Al Capone“ von Prince Buster und richtete sich gegen die Musikindustrie. Nicht zuletzt sorgte Radio DJ John Peel (Bio auch hier im Heft) dafür, daß The Specials mit dem Lied in den Charts landeten.

 

Bandmitglied Jerry Dammers gründete eigens hierfür das „2 Tone“-Label. Bands wie The Selecter und Madness kamen dazu und machten das Label blitzartig bekannt in der Szene und auch darüber hinaus. Als Markenzeichen wurde ein schwarz-weißes Schachbrettmuster gewählt, welches das Miteinander von schwarz und weiß unterstreichen sollte. Inzwischen ist es das typische Symbol für Ska.

 

Daß mit dieser neuen Musikrichtung doch mehr geht, bemerkten auch die großen Majorlabel und wollten was von dem noch frischen Kuchen abhaben. Allerdings rannten diese bei Dammers nun gegen verschlossene Türen. Laut Gerüchten soll selbst Mick Jagger sich die großen Lippen eingerannt haben, als er vergeblich versuchte, die Specials für sein Label zu gewinnen.

 

Aber auch live waren die Specials sehr gefragt und spielten u.a. zusammen mit Bands wie den U.K. Subs vor ausverkauften Häusern. Auf einem Konzert sah auch der spätere Produzent Elvis Costello die Jungs live und war begeistert von deren energiegeladener Show. So war er auch an der Produktion des Debuts beteiligt. Auf der ersten LP waren vier Top Ten Hits.

 

Mit der Single „Ghost Town“, die von Massenarbeitslosigkeit und dem daraus resultierenden Rassismus in Großbritannien handelt, hatten sie ihren größten Erfolg. BBC setzte das Lied auf den Index, dennoch landet der Song auf Platz 1 der Hitparade.

 

Die zweite LP zielte dann schon mehr auf das Mainstreampublikum ab und einstige Fans wendeten sich ab.

 

Aber auch ein neuer-alter Kleidungsstil wurde von Dammers wieder eingeführt. Modlike wurde sich in smarte Anzüge geschmissen, dazu kam der Pork Pie für den Kopf und Loafers als Fußbekleidung. Dies in Anlehnung an die westindischen Einwandererkids, den Rude Boys, und den englischen Arbeiterkids, den Modernists.

 

Mit dieser neuen Skawelle kamen auch andere Stile wie Punk und Rock mit in die Musik und peppten den Ska so etwas auf und es wurde mehr Lebensfreude darin vermittelt. Dieser Stil wurde dann weiter entwickelt und etliche Funska-Kapellen entstanden durch diesen Background. Allerdings konnte die Musik nicht über zunehmende Gewalttätigkeiten der Skinheads und auch den immer populärer werdenden Rassismus in der Szene hinwegtäuschen. Auch die immer schlimmer werdende Kommerzialisierung war der Band ein Dorn im Auge. So lösten sich die Specials bereits 1981 auf.

 

Dammers reformierte unter dem Namen The Special AKA seine alte Band wieder und konnte mit dem Song „Free Nelson Mandela“ einen Welterfolg verbuchen. Andere Mitglieder blieben der Musik ebenfalls treu und landeten mehr oder minder im Haifischbecken des Mainstream. 1995 wurden die Specials neu gegründet. Allerdings ohne Dammers und Sänger Hall, dennoch konnten die neuen Specials Erfolge feiern.

 

2004 griff auch Sänger Hall wieder zum Mikro, um live einen Specials Song zum Besten zu geben.

 

2006 konnten Jerry Dammers und Neville Staples überredet werden, im Zuge einer Antirassismus-Kampagne das Stück „Ghost Town“ mit Newcomern live zu intonieren.

 

Welchen Einfluß die Specials hatten bzw. haben zeigt sich ja, wenn selbst Mainstreamopfer wie Amy Winehouse die Specials als Einfluß nennen.

 

Meik

 

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