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Gewohnheitstrinker (Deutschland) Prost, Ihr Säcke...;-) Eigentlich muß man Oi!ch ja nicht mehr großartig vorstellen. Tut es der Form halber aber doch mal. Tomme: Bass, Chor, Fabrikarbeiter Ole: Trommeln, Chor, Weiterbilder Schnoh: Sänger, Friteur Valter: Gitarre, Chor, Schüler Koppe: Gitarre, Gesang
Es gab ja einen Besetzungswechsel bei Euch, wie, warum und wieso dieses. Wer ist neu bei Euch? Valter ist jetzt bei uns eingestiegen. Er ist für Patte gekommen, der aus den verschiedensten Gründen keine Zeit mehr für die Band hat (familiäre, persönliche, berufliche Gründe). Wir bedauern seinen Ausstieg zwar sehr, respektieren seine Entscheidung aber und haben mit dem Neuen auch wirklich guten Ersatz gefunden.
Da drängt sich die Frage auf, wie Ihr Euch kennen gelernt habt. Kanntet Ihr Euch bereits, oder wie kamt Ihr zusammen? Valter kannten wir bis dahin nur von Konzerten. Er stand also anfangs VOR der Bühne und OHNE Gitarre. Jetzt ist es halt umgekehrt. Angeschleppt wurde er im Übrigen von Tomme, ich wäre nicht auf die Idee gekommen so einen jungen Kerl ins Boot zu holen ;-).
Du, Schnorres (das Inti beantwortete Koppe, aber da es erst an Schnorres ging, wurde er noch persönlich angeranzt...;-) -Meik), wohnst ja in Freiburg und ein anderer Virtuose wohnt in Stuttgart. Wo wohnt der Rest der Bande? Zumindest Freiburg und Stuttgart sind ja nicht unbedingt zusammen liegend. Wie regelt Ihr das mit den Proben und wie oft probt Ihr? Alle wohnen sonst in Freiburg. Es gibt also nur einen, der weiter weg wohnt. Geprobt wird deswegen auch nur alle 14 Tage bis drei Wochen. Ziel ist es aber, dass es im Schnitt möglichst alle zwei Wochen sein sollte. Wenn wir uns dann treffen, proben wir meistens ein paar neue Stücke und vielleicht so den einen oder anderen „Problemfall“, der beim letzten Konzert daneben war.
Habt Ihr einen eigenen Proberaum, oder seid Ihr auf das Wohlwollen anderer angewiesen? Wir haben einen eigenen Probenraum. Aber es ist bei uns mit den Probenräumen so eine Sache. Ursprünglich waren wir mal in Emmendingen. Das lief auch ein paar Jahre gut, bis wir ein paar Punker mit dazu nahmen. Diese überwinterten bald darauf in den vier Wänden (Obdachlose), samt ihrer gefühlten 300 Hunde. Gestank, Hundehaare und kaputte Verstärker waren die Folge. Bald wechselten wir nach Waldkirch in ein Provisorium und von dort in einen nassen Industrie-Keller. Jetzt sind wir gerade auf dem alten Güterbahnhofs-Gelände. Der Nachteil dort: Ein wirklich unglaublich unfreundlicher Vermieter, bei dem wir nicht pinkeln dürfen...
Wie kamt Ihr eigentlich auf diesen glorreichen Bandnamen? Und sagt jetzt nicht „Namen sind Schall und Rauch“, oder „Es war eine Sufflaune“... Also Mike, Namen sind doch Schall und Rauch! Es war halt eine Sufflaune...(hihhihi). Nein, es war Tommes Idee und ist sozusagen die Realität in einer Gesellschaft, in der Alkohol zum Ersatz für Glück geworden ist. Das passt aber auch deswegen, weil die Szene ja nicht immer nur Tee und Fruchtsäfte trinkt und auf Konzerten mit Cola anstößt.
Textlich geht es ja meist sehr ernst und kritisch zu. So passen Bandname und Texte nicht unbedingt gleich zueinander. Da fragt man sich, ob alles von Anfang an so geplant war, oder ob unter dem Namen nicht so bierernste Texte gemacht werden sollten und dann mit der Zeit doch eher ernste Themen mit ins Set kamen? Nee, da gab es bei uns nie eine frühe „Stumpf-Oi!“-Phase. Und wir haben den Namen auch nicht nach programmatischen Gesichtspunkten ausgewählt, so nach dem Motto „wir wollen einen bestimmten Stil machen und deswegen muss der Name so oder so lauten“. Wie oben aber ja schon erwähnt, stellt der Name auch durchaus einen kritischen Bezug zu unserer Gesellschaft her.
Wie kam es denn zu der Split mit Wiens No 1 und wie zufrieden seid Ihr mit der Split? Die Wiener sind seit unseren Anfangstagen mit uns befreundet. Das fing 2002 mit unserem ersten gemeinsamen Konzert in Höfingen an (damals noch mit der richtigen Oi!-Band Broilers). Kurz darauf lud uns Herr Putnik nach Wien ein usw. Wir blieben jedenfalls über die Jahre in Kontakt und als dann die Männer mal in Freiburg waren, haben wir das Projekt beschlossen. Und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden! Auch, dass wir bei Randale Records sind, gefällt uns sehr. Nette Leute, die hier im tiefen Schwarzwald wirklich großartige Sachen machen und meiner Meinung nach mittlerweile das beste Label für gute Skinhead-Musik sind.
Kann man dieses Jahr noch mit einer neuen Platte rechnen? Was darf der Hörer erwarten und habt Ihr schon ein passendes Label gefunden, oder bleibt Ihr bei „Scumfuck“ oder „Randale“? Ja, wenn alles klappt, wird dieses Jahr die Platte erscheinen. Und wir werden sie bei „Randale“ veröffentlichen. Willi tritt ja bekanntlich seit seinem Herzinfarkt labeltechnisch kürzer. Deswegen geht die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen den Trinkern und Scumfuck zu Ende. Außerdem sind wir mit Oli und Diana von „Randale“ befreundet, sie sind mehr in unserer Nähe und haben einen Skinhead-Pub, in dem man spielen kann. Das sind natürlich alles Dinge, die für Randale gesprochen haben!
Wie ich in Erfahrung brachte, kommt unlängst Euer neuestes Werk raus, auf dem auch alte Aufnahmen Eurer Vorgängerband Braunes Glas drauf sind. Was dürfen wir auf der Platte erwarten? Die Band heißt Braunglas, Meik J! (Sorry die Herren, das war dann ein Recherchefehler und ich gelobe Besserung! -Meik) Was könnt ihr erwarten...hmmm. Natürlich scheiß Probenraum-Aufnahmen, die sich fürchterlich anhören, dass man sie nicht mal mit 2,1 Promille auffem Kessel anhören kann. Das Ganze machen wir aus rein wirtschaftlichem Interesse und mangels Kreativität, denn uns sind keine eigenen Lieder mehr eingefallen.
War Spaß, natürlich. Nun, es sind alte 90er-Jahre-Aufnahmen, die rau aber geil sind. Klar, die Aufnahmen sind mit den heutigen „fetten Produktionen“(das Unwort der letzten 10 Jahre) nicht vergleichbar. Und auch irgendwelche graumelierten Oldschool-England-Oi!-Traditionalisten wird das Zeug nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Aber das macht ja nichts.
Wer von Euch war bei Braunes Glas vertreten und warum gibt es diese Band nicht mehr? Bei Braunglas hatten Tomme und Patte mitgemacht. Außerdem waren noch Broiner und Oli am Start. Dann kam Mehreres zusammen. Zum einen wurde der Sänger krank, dann konzentrierte sich ein Teil der Band stärker auf Crop No1 (Oli und Broiner) und schließlich hatten Tomme und Patte auch einfach Bock, mal was richtig Neues zu machen.
In welche Richtung ging die Band? Stilmäßig war es im Prinzip typisch deutsche Oi!-Musik: melodisch aber hart, mit einem Mix aus Spaß und kritischen Texten. Ähnlich eigentlich den Gewohnheitstrinkern, zumal ja auch die Haupttexter und Musiker die gleichen waren. Insgesamt war die Band aber rauer und ungehobelter, die einzelnen Mitglieder sicher auch gewalttätiger. Die Jungs waren halt vor 10,15 Jahren eher in der Sturm&Drang-Phase als heute, haben extremer gelebt, mit allem Spaß aber auch allen negativen Erfahrungen, die das mit sich brachte.
Habt Ihr das Material nochmal neu eingespielt, oder sind es alte Aufnahmen? Nein, es sind die alten Aufnahmen. Jedoch musste teilweise die Bassdrum neu eingespielt werden, weil man von ihr gar nichts gehört hat. Und auch an den Höhen und Tiefen wurde etwas gedreht. Einige Stücke schließlich wurden nochmal von den Originalmitgliedern neu eingesungen, da man bei den Originalen rein gar nichts verstand oder auch Gesangsstellen ganz fehlten.
Wie kamt Ihr auf die Idee das ZOi!gs mit zu veröffentlichen? Broiner hatte das Zoig wieder ausgegraben. Er ist auch unser neuer Studio-Mann und hatte auch die Jahre immer wieder Kontakt zu uns (unter anderem spielten wir mit ihm das Konzert in Hameln auf Einladung von Vortex). Als wir jetzt an die neuen Aufnahmen gingen, reifte die Idee aus. Zuvor geisterte sowas nämlich auch schon in unseren Köpfen, denn uns gefielen so einige Lieder von Braunglas schon immer. Es war schade, dass die einfach so rumlagen, ohne gespielt und verwendet zu werden. Deswegen sind auch immer wieder auf Platten alte Braunglas-Stücke neu eingespielt worden (Es ist vorbei auf der 1984, Parole Spaß auf der Schöne Musik für hässliche Menschen, Skinhead-Formation auf der 7“ Geteiltes Leid). Dann hatten wir auch mal überlegt, so ne Art Tribute der Trinker an Braunglas zu machen. Das hätte aber vom Charme her nicht den alten Aufnahmen das Wasser gereicht. Tja und als dann Broiner mit den alten Aufnahmen aufwartete, war der Entschluss schnell gefasst.
Ihr habt ja nun auch schon mit Vortex gespielt. Für viele ist diese Band Kult, einige lasten ihnen Jugendsünden an und für andere ist diese Band nicht erwähnenswert. Was bedeutet die Band Vortex für Euch? Vortex sind Kult. Aber nicht nur das - die Mitglieder sind prima Männer, insbesondere Thomas und Bernd. Wir haben uns bei unseren Treffen immer sehr gut verstanden und sogar mal angedacht, eine Single zusammen zu machen. Hat sich dann aber im Sande verlaufen...aber wer weiß, vielleicht kommt da ja noch irgendwann was. Und was die Jugendsünden angeht – davon abgesehen, dass solche „Anlastungen“ meistens zweifelhaften Charakter haben, ist mir, im Gegensatz zu andern heute schöngeredeten Bands, kein rassistischer Dreck bekannt, weder in den Texten noch in den Köpfen der Band.
Inzwischen gibt es ja einige beachtenswerte „Wiederauferstehungen“ von Oi!-Legenden (Indecent Exposure, 4 Skins). Was haltet Ihr davon? Vor ein paar Jahren habe ich noch gesagt: Geil, ich sehe nochmal die Helden meiner Babytage. Und bei Live-Konzerten von den Adicts, den Vibrators oder Argy Bargy trifft diese Freude auch noch zu. Bei einem Gutteil der anderen Bands schüttelt es mich aber mittlerweile, allen voran Business. Aber auch Major Accident, die Upstarts oder Exploited (sofern das was mit Oi! zu tun hat) finde ich live schon fast ne Zumutung! Auf Konzerten von Indecent Exposure und 4Skins war ich nicht. Erstere sollen ja fabelhaft gewesen sein, letztere dafür wiederrum eher gruselig. Eine andere Sache sind die Gagen. Da für mich Oi!-Musik immer noch Szenemusik und auch Szenebezug haben sollte, finde ich die Gagenforderungen schon problematisch, zumal dann, wenn die Darbietungen das Niveau einer 5-€-Band haben. Nix gegen besoffene Musiker und schlecht abgemischten Pogo-Oi!. Dann aber nicht für 15 €. Und da liegt auch der Unterschied zu den alten Ska-Größen. Die sind auch teuer, musikalisch bin ich da aber wirklich nie enttäuscht worden (dafür aber vom anwesenden Publikum J)!
Der Skinheadkult wird 40, Euer Statement dazu. Ahoi! Und auf weitere gute Jahre ohne Rückfall in Zeiten von politischem Mist, aus welcher Ecke auch immer.
Was dreht sich immer mal wieder auf Euren Plattenteller, was zur Zeit und was gar nicht, oder so gut wie gar nicht? Kann jetzt nur für mich sprechen. Immer mal wieder dreht sich: Ska und Skinhead-Reggae Zur Zeit dreht sich: Aires and Graces (prima Ami-Oi!), Produzenten der Froi!de, Testosteron, Daily Terror (gerade wieder ein Schub), sowie die Bombecks-LPs. Gar nicht oder so gut wie gar nicht: Deutsch-Rock im Stile von den Onkelz,
So denn mal Zack Zack Günther Strack und ein paar abschließende Worte von Oi!ch. Danke für die Fragen und beste Grüße an alle ungezogenen Skins und Punx aus Deutschland!
Interview von Meik
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