„Trojan Records“ (England)

 

Die Subkulturengeschichte fällt in dieser Ausgabe (#17) erstmal raus, da wir uns ausführlicher mit skinheadrelevanten Sachen befassen wollen, schließlich existiert die Szene jetzt bereits seit 1914. Nein, das stimmt so ja net, sie besteht natürlich seit 1988 und aus dem Grunde befassen wir uns hier mit dem traditionellem Label für Early Reggae. Auch das nur eine Halbwahrheit und so kann man es mit den Ärzten sagen: „Das ist nicht die ganze Wahrheit“. Der Kult entstand natürlich 1969 und wir befassen uns trotzdem mit dem „Trojan“-Label. Daß der Trojanhelm nicht das Symbol der Linken und Sharps ist, sollte jedem klar sein. Das Symbol war schon in der Skinheadgeschichte verankert, wo von Antifa und Sharps in der Skinheadszene noch nichts zu sehen war...;-)

 

1968 wurde „Trojan Records“ als Tochterfirma von „Island Records“ ins Leben gerufen. Das neu gegründete britische Label legte das Hauptaugenmerk auf Ska, Rocksteady und Early Reggae.

 

Unter den vielen Musikern, die sich in der Skinheadszene großer Beliebtheit erfreuten und erfreuen, waren dann auch etliche, die den Sprung in den Mainstream schafften und heute noch im Radio gespielt werden. Wichtige und bekannte Namen, die „Trojan“ für sich verpflichten konnte, sind z.B. Bob Marley & The Wailers, Inner Circle, Boris Gardiner, Jimmy Cliff, Desmond Dekker, The Ethiopians, Toots & The Maytals, The Pioneers, The Upsetters, Symarip, Ken Boothe, Judge Dread, Dandy Livingstone, Rico Rodriguez, The Skatalites und viele weitere.

 

Das Label sollte dafür sorgen, daß jamaikanische Musik den Triumpfzug um die ganze Welt bestieg. Auch der Trojanhelm sollte von nun an zum Symbol des traditionellen Skinhead-Reggae und Ska werden. Im Ursprung war es das Logo von Duke Reids Soundsystem, welches aus einem 7 Tonner „Trojan“-Truck mit aufgebauter Anlage bestand. An den Seiten stand: „Duke Reid, The Trojan King Of Sounds“. Damit bereiste Arthur „Duke“ Reid Jamaika in den 50ern und bereicherte die Massen mit seiner Musik.

 

Tatsache ist, daß Reid lange vor „Island“ schon 78er Platten seines Könnens unter dem Namen „Trojan“ veröffentlichte. Und es kam zu Streitereien um die Rechte, die dann aber beigelegt wurden.

 

„Island“ war anfangs noch der Ansicht, daß sich das Unternehmen „Trojan“ nicht lohne und bevor sich richtiger Erfolg einstellen sollte, schien das Projekt schon wieder beerdigt werden zu sollen. Glücklicherweise war dem nicht so. Nach 7monatiger Pause wurde dem Komapatienten wieder Leben eingehaucht. Und schon nach kurzer Zeit der Wiederbelebung war auch „Island“ vom Erfolg des Sublabels überzeugt. „Trojan“ sollte „das“ Label in Sachen jamaikanischer Musik in Großbritannien werden. Und das über Jahre hinweg.

In den 60er und 70er Jahren bemühte „Trojan“ sich, das Majorlabel für Early Reggae im Vereinten Königreich zu werden. Neben der Veröffentlichung eigener Produktionen wurden lizensierte Nachpressungen jamaikanischer Originale auf den Markt gebracht.

 

1969 stellte sich dann der erste große Mainstreamerfolg ein. Tony Tribes Version des Neil Diamond Klassikers „Red red wine“ stieg in die UK-Single-Charts ein. Am bekanntesten ist der Song wohl in der Mainstream-Reggaeversion von UB 40. Kurz darauf folgten die Upsetters unter Mitwirkung des Saxophonisten Val Bennett mit der Single „Return of Django/Dollar in the teeth“. Mit Platz 5 zählte die Single damit auch zu einem wahren Chartstürmer. Die Pioneers gelangten auf Nummer 21 mit „Long shot kick de bucket“ und Jimmy Cliff brachte mit „Wonderful world, beautiful people“ einen Klassiker auf den Markt, der heute immer noch erkannt wird.

 

Die Erfolgsgeschichte ging weiter mit Desmond Dekker, The Melodians, Toots & The Maytals u.a. Jimmy Cliff war weiterhin auf vollem Erfolgskurs. „Double Barrel“ von Dave Barker & Ansel Collins wurde der erste Nummer 1 Hit in England, den das Label verbuchte. Weitere Chartplatzierungen brachten Gruppen wie Bruce Ruffin, Greyhound und The Pioneers.

 

Neben diesen ganzen Hitparadenerfolgen wurde das Augenmerk aber auch auf weniger bekannte Sachen gelegt. Andere wie z.B. Bob Marley und Jimmy Cliff wurden weltberühmt.

 

Den größten Zuspruch bekam das Label allerdings von Leuten, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben wollten. Nämlich den Skinheads. Diese haben ihre Wurzeln ja nicht nur in der britischen Working Class, sondern auch in der Rudeboy-Bewegung in Jamaika. Und die Liebe zur jamaikanischen Musik wurde den Kurzhaarigen von den Rudeboys vererbt. Somit war es nur logisch, daß die aufkeimende Skinheadbewegung diese Musik für sich vereinnahmte. Die angesagte Trendmusik war nichts für die Jugend und war Schrott aus der Mittelklasse; da kam der Rudeboy-Sound gerade recht.

 

Als der Early Reggae immer mehr zum Mainstream verkam sah „Trojan“ zu, weiterhin traditionelle Sachen zu veröffentlichen und die Skinheads dankten es dem Label. So wurde nach und nach aus dem Early Reggae der Skinheadreggae.

 

In den frühen 70ern ging der Erfolg von „Trojan Records“ weiter und weiter. Große Zugpferde waren 1972 Greyhound, The Pioneers, Dandy Livingstone und Judge Dread und die Firma legte nun einen Schwerpunkt auf die Produktion britischer Künstler.

 

In den Jahren danach folgten weitere Platzierungen in den Charts. Darunter von Livingstone, Judge Dread und das „Everything I own“ von Ken Boothe, welches später durch Boy George zu einem Welthit wurde. Ken Boothe schaffte es mit der Nummer in England bis auf Platz 1. Es war der zweite Nummer 1-Hit von “Trojan“.

 

Mit zunehmenden Einfluß der Rastafari-Bewegung auf den Reggae schien der Erfolg „Trojans“ zu sinken. Und so wurde „Trojan“ 1975 an „Saga Records“ abgestoßen. Trotz einiger guter Veröffentlichungen war es den neuen Besitzern des „Trojan“-Labels nicht genug und das Traditionslabel wechselte ständig die Besitzer. Man versuchte aus Wiederveröffentlichungen alter Klassiker nochmal richtig Kapital zu schlagen.

 

Der gesamte Back-Katalog wurde dann 2001 von „Sanctuary Records“ erworben, sodaß die Rechte nun hier liegen. Diese erhalten die Traditionsmarke am Leben und auch die Zukunft des Labels scheint einigermaßen sicher, da die Nachfrage nach Material alter Klassiker immens ist.

 

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