Johnny Cash (Amerika)

Sänger, Rebell, Gesetzloser, Held, Akkorde, die stampfen wie eine Dampflock... Wenn man über Johnny Cash spricht, kann man wohl ohne Übertreibung sagen, daß er nicht nur die Countrymusik, sondern in den frühen Jahren auch den Rock'n'Roll und Rockabilly maßgeblich mit beeinflußt hat. Darüber hinaus machte ihn sein Image als Outlaw und sein Einsatz für die Schwachen, Benachteiligten, Randgruppen und Ausgestoßenen (hier vor allem Minderheiten wie die Indianer oder aber Gefangene) zu einer charismatischen Persönlichkeit.

Da Cash auch in unserer Szene sehr beliebt ist und viele Bands seine Stücke covern und ich selbst großer Anhänger von Johnny Cash bin, lag es nahe, sich mal näher mit Johnny Cash zu befassen. Das Ergebnis lest Ihr hier.

Johnny Cash wurde am 26. Februar 1932 unter dem Namen J.R. Cash in Kingsland, Amerika, geboren. Seine Eltern waren arm und das sollte ihn auch zeitlebens in Erinnerung bleiben. Der Vorname J.R. wurde erst mit Eintritt in die Army in Johnny umbenannt. In Amerika war es zu der Zeit nicht unüblich seinen Kindern Buchstabenkürzel als Namen zu geben.

3 Jahre nach der Geburt führte es die Familie auf eine runtergekommene Farm in Dyess, Arkansas. Der damalige Präsident Roosevelt bot arbeitswilligen Familien in Dyess günstig Ländereien zur Bewirtschaftung an. Johnnys Vater begriff die Gelegenheit als Chance, der Familie so etwas mehr bescheidenen Wohlstand zu erwirtschaften. J.R. wurde bereits im frühen Kindesalter schon mit zur Arbeit auf den Baumwollfeldern heran gezogen. Die schwere Arbeit versuchte man sich durch Singen von Gospelstücken zu erleichtern. Cash's Mutter stimmte die Lieder an und die Kinder sangen mit. So wurde der junge Johnny bereits früh mit christlicher Musik konfrontiert, was ihn zeitlebens nicht los ließ.

Familie Cash war sehr kinderreich und neben J.R. Gab es noch sechs weitere Kinder. Sein zwei Jahre älterer Bruder, der einmal Pfarrer werden wollte, starb im Alter von 14 Jahren im Jahr 1944 bei einem Unfall mit einer Kreissäge. Da Johnny vor seinem Bruder den Arbeitsplatz verließ und so bei dem Unglück nicht dabei war, oder dies verhindern konnte, machte er sich immer wieder Vorwürfe wegen des Todes seines Lieblingsbruders.

Nicht nur durch das Singen auf den Baumwollfeldern wurde Johnnys Liebe zur Musik geweckt. Das Größte war für ihn, nach der Arbeit noch Radio hören zu dürfen. Manchmal übertrieb er dies und hörte selbst Nachts noch Radio und das so laut, daß es sein strenger Vater hörte und ihn dafür bestrafte. Im Radio hörte er auch immer wieder die Carter-Family, die in den USA zu jener Zeit sehr bekannt und beliebt waren. Zu der Carter-Family gehörte auch June, die später Cashs Frau wurde und immer seine große Liebe war. Schon in seiner High School-Zeit bekam J.R. die Möglichkeit, sein Talent in einem lokalen Radiosender unter Beweis zu stellen.

1950 kam Cash zur Air Force und war im Nachkriegsdeutschland, in Landsberg am Lech, stationiert. Hier gründete er seine erste Band und neben dem Gitarre spielen kam hier auch das bekannte „Folsom Prison Blues" zustande. Die Inspiration zum Text kam durch den Film „Inside the walls of Folsom Prison" zustande.

Die Landsberger Zeit brachte dann auch die Legende zutage, daß Cash der erste Mensch im Westen war, der vom Tod des kommunistischen Diktators Stalin erfuhr. Fakt ist, daß Cash als Funker auch die russischen Funksprüche aufzuzeichnen hatte und somit wohl auch den Funkspruch mit der Todesnachricht wahr nahm. Allerdings waren die Funksprüche alle auf Russisch und zudem verschlüsselt, so wird es unwahrscheinlich sein, daß Cash mit der Botschaft etwas anfangen konnte.

Seine Militärzeit in Westdeutschland beendete J.R. im Rang eines Oberfeldwebels.

1954 zog er nach Memphis und heiratete Vivian Liberto, die italienische Wurzeln hatte. Aus der Ehe stammen seine Töchter Rosanne, Kathleen, Cindy und Tara. Was die Herkunft seiner Frau betrifft, so kam es später noch zu üblen Anfeindungen des Ku Klux Klans, der Cashs Einsatz für Minderheiten, im speziellen die indianischen Ureinwohner Amerikas, nicht gut hieß. So warf man Cash aufgrund eines Fotos seiner Frau vor, daß er mit einer Schwarzen verheiratet sei. In der Tat läßt das Foto diesen Verdacht entstehen, dennoch ist dies nur üble Verleumdung der christlichen Klansmen.

Cash wollte auf eigenen Beinen stehen und jobbte mit mäßigem Erfolg als Vertreter für Elektrogeräte und schlug ein Angebot seines Schwiegervaters aus, einen gutbezahlten Job zu erhalten. Der Vertreterjob dürfte auch der Ursprung für den legendären Satz „Hello, I am Johnny Cash" sein, da er als Vertreter immer wieder diesen einen Satz vor sich hin sagen mußte... In jeder freien Minute probte er mit seinen Kumpels Luther Perkins, an der Gitarre, und Marshall Grant, am Baß, um endlich richtig Musik machen zu können. Auftreten zu können und Platten aufzunehmen. Hieraus entstand dann auch der Name Johnny Cash and The Tennessee Two, aus denen später durch die Unterstützung des Schlagzeugers W.S. Holland die Tennessee Three wurden. In verschiedenen Clubs kamen erste Auftritte zustande.

Um das fehlende Schlagzeug zu ersetzen, klemmte Luther Perkins ein Stück Papier hinter die Saiten, was das berühmte "Boom-chicka-boom" erzeugte und zum Markenzeichen der Cash-Musik wurde. Nicht ohne Grund ist von Akkorden, die stampfen wie eine Dampflock die Rede.

Züge übten auf Cash auch eine besondere Faszination aus und so thematisierte er auch immer wieder in seinen Liedern Züge und das Drumherum. Verantwortlich hierfür sind wohl seine Kindheitserinnerungen an seinen Vater. Um seine Familie zu ernähren, war ihm jede Arbeit recht und wenn sie noch so weit weg war. Es war damals üblich auf Züge auf- und abzuspringen, um in Gegenden zu kommen, wo man Arbeit findet. Da die Familie in der Nähe von Bahngleisen lebte, hörte der junge J.R. immer wieder das Pfeiffen der vorüberfahrenden Züge und hoffte mit jedem Zug auf die Rückkehr des Vaters.

Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, daß Sam Phillips von „Sun Reords" sich seiner annahm und Cash erst die ihm bevorstehende Karriere ermöglichte. Neben Cash hatte Phillips noch andere Musiker unter Vertrag, denen ebenfalls eine große Karriere bevorstand, so z.B. den jungen Elvis Presley.

Die erste Single „Cry cry cry" von Johnny und seinen beiden Freunden erreichte Platz 14 der Countrycharts, obwohl die Musik der drei damals noch nicht unbedingt vorherrschend Country, sondern eher Rock'n'Roll oder Rockabilly war. Cash sagte einmal zu seinem Musikstil: „Ich mache Musik von Johnny Cash". Das bringt es wohl am ehesten auf den Punkt. Auf der B-Seite der Single befand sich übrigens das auch nicht unbekannte „Hey Porter".

Im Sommer des Jahres 1955 hatten Johnny Cash und die Tennessee Two ihren ersten großen Auftritt als Vorgruppe von Elvis Presley. Die nächste Veröffentlichung „Folsom Prison Blues" konnte sich noch besser in der Countryhitparade plazieren. Die Single erreichte Platz 4. Mit "I walk the line" und der B-Seite „Get Rythm" gelang der endgültige Erfolg. 1956 wurde die Platte Platz 1 in den Countrycharts, darüber hinaus landete die Single auch unter den Top 20 der Popcharts. Dies machte Cash auch über die Rock- und Countryszene hinaus bekannt. In diesem Jahr kam es auch zu den Aufnahmen des sog. „Million Dollar Quartetts" mit damaligen Rock'n'Roll-Größen wie Carl Perkins (dieser begleitete Cash später immer wieder), Jerry Lee Lewis und Elvis Presley. Alle waren damals bei „Sun" unter Vertrag.

1956 lernte Cash auch endlich June Carter der berühmten Carter-Family persönlich kennen. Dies geschah hinter der Bühne der „Grand Ole Opry" in Nashville, wo beide zu Aufzeichnungen waren. Hier soll Cash auch angefangen haben, seine Konzerte mit "Hello, I am Johnny Cash" zu beginnen.

Ende der 50er Jahre war die Karriere von Johnny Cash auf seinen ersten Höhepunkt. Doch dies bedeutet nicht nur Ruhm, Tourneen, Spaß usw. sondern auch Trennung von der Familie, Streß, ewig neue Hotels und andere Belastungen. Da Cash, Perkins, Lewis, Presley und andere nicht von der Erfahrung anderer zehren konnten, wie es bei heutigen Stars üblich ist, mußten diese viel Lehrgeld zahlen. Sie waren nunmal die ersten Stars und wußten noch nicht, wie man mit so plötzlicher Berühmtheit umgeht... So versuchte Johnny den ganzen Streß und die dunklen Seiten des Tourneelebens mit Alkohol und verschiedensten Tabletten in allen möglichen Variationen und Dosierungen zu bewältigen. Es gab Tage, da schluckte er über 100 Tabletten. Daß dies nicht gut gehen konnte, dürfte klar sein.

1958 zog er mit seiner Familie nach Kalifornien und wechselte zu „Columbia Records", diese versprachen Cash mehr Freiheiten in Bezug auf seine Songs, die ihm Sam Phillipps bei „Sun" nicht zugestehen wollte. Cash wollte immer auch religiöse Lieder aufnehmen, doch Phillipps sah darin keine Aussicht auf Erfolg bzw. genügenden Absatz solcher Platten.

Bei „Columbia" erschien im November des Jahres 1958 das Album „The fabulous Johnny Cash" mit dem Nr. 1 Hit „Don't take your guns to town". Bei „Columbia" erweiterte Cash auch das stilistische Spektrum seiner Songs auf Pop, Folk und Gospel. Dies rief geteilte Meinungen hervor und das Abweichen des ursprünglichen Cash-Sounds sollte immer wieder Anlaß verschiedenster Kritik sein. Cash hingegen bewies damit, wie vielseitig und wandlungsfähig er war. Gerade dies dürfte doch Cash erst zu Cash gemacht haben. Offen zugeben muß man doch, daß er dadurch weit über die Country- und Rock'n'Roll-Szene bekannt wurde.

Auf dem 59er Album „Songs of our soil" war dann der bekannte Song „Five feet high and rising". Hierin beschreibt Cash seine Erinnerungen an das Hochwasser von 1930, welches das Haus der Familie Cash beinahe in die Fluten des Mississippi gerissen hätte. Zwischen den Jahren 1959 und 1965 spielte Johnny Cash auch Lieder in Deutsch und Spanisch ein.

1963 vertonte Cash das von Mel Kilgore und June Carter geschriebene Stück „Ring of fire". Hierin beschreibt June Carter die frühe und verbotene Liebe zu Johnny Cash, beide waren da noch mit anderen Partnern verheiratet. Längst aber war die Liebe und Zuneigung der beiden nicht mehr groß zu verheimlichen. Seit 1961 war June, zusammen mit ihrer berühmten Familie, mit der Cash-Truppe auf Tournee. J.R. machte aus dem Lied, untermalt mit den eingängigen Bläsereinsätzen, einen Welthit, der nicht nur immer noch im Radio zu hören ist, sondern auch das am meisten gecoverte Stück von Johnny Cash ist. Die Bandbreite der Musiker, die sich an diesem Hit versuchten geht durch alle Stile bestehender Musikarten.

In den 60er Jahren veröffentlichte „Columbia" einige Konzeptalben von Cash, so auch das den Indianern gewidmete „Bitter tears". Hier geht Cash kritisch gegen die zunehmende Unterdrückung der amerikanischen Ureinwohner an. Er verwendet auf dem Album nicht nur indianische Stammestrommeln, sondern identifiziert sich mit den Unterdrückten und spricht offen den Betrug des damaligen US-Präsidenten an den Indianern aus. Genau dies brachte Cash viele Anfeindungen von Seiten der konservativen Kräfte in Amerika ein. Ein Höhepunkt der Platte dürfte ohne Zweifel das „The Ballad of Ira Hayes" sein. Es ist eine Huldigung an den geehrten Soldaten Ira Hayes, der nachdem er seine Pflicht für sein Land getan hatte, vergessen wurde und als einsamer Alkoholiker starb. Kommerziell war das Album sehr gewagt, aber es brachte Cash Anerkennung als ernstzunehmenden Sänger ein, der nicht über belangloses Zeug singt, sondern auch ernste Themen aufgreift und sich für die Underdogs einsetzt. Die Besungenen (Indianer und später immer öfter Inhaftierte) schätzten an Cash seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, auch wenn er nie wirklich einer von ihnen war, so verstand er doch deren Probleme und machte diese zu Themen in seinen Liedern und war letzten Endes doch mehr als einer von ihnen...

Entgegen allen Gerüchten war J.R. nie für eine längere Zeit in Haft. Er befand sich immer wieder mal kurzzeitig in Haft und dies half ihn bei seinen Anhängern unter den Outlaws noch glaubwürdiger zu erscheinen. 1965 verursachte er durch einen kaputten Auspuff an seinem Fahrzeug ein Großfeuer in einem Nationalpark, das 205 Hektar Wald vernichtete. Sein Humor machte ihn vor Gericht und Umweltschützern nicht gerade beliebt. Er war der Meinung, daß sein Wohnwagen für den Brand verantwortlich war und da das Fahrzeug nicht mehr lebte, sollte es auch nicht zur Rechenschaft gezogen werden können... Er wurde zur Zahlung von 82.000 Dollar Schadensersatz verurteilt, eine damals nicht unbeträchtliche Summe für Cash. Im Oktober 1965 wurde er dann mit tausenden von Amphetaminpillen am Flughafen von El Parso, Texas, verhaftet. Dies war ein trauriger Höhepunkt seiner Tablettensucht.

Nicht zuletzt seine Sucht waren der Grund für die Scheidung von seiner Frau Vivian. Die wenige Zeit, die er daheim war, waren geprägt durch Gewaltausbrüche und den Drogen zuzuschreibende geistige Abwesenheit. Nebenerscheinungen seiner Sucht waren, daß er immer wieder seine Stimme zeitweise verlor, oder diese total brüchig war. Auch magerte der 1,87 m große Cash auf 70 Kilo ab. Immer öfter mußten Konzerte abgesagt werden. Daß er sich '67 gemeinsam eine Bude mit dem Sänger Waylon Jennings teilte, war nicht gerade das beste für den nötigen Entzug. Jennings war ebenfalls tablettensüchtig. Letztendlich kaufte Johnny Cash am Old Hickory Lake in Hendersonville, nahe Nashville, ein Haus.

Ein weiterer Tiefpunkt seiner Sucht und des Selbstzerstörungswahns brachte ihn an den Rand eines Selbstmordes. Dies war im Herbst 1967, Cash hatte bereits mehrere Tage weder etwas Eßbares gesehen, noch hatte er in den letzten Tagen geschlafen. Diese unbrauchbare Mischung brachte ihn auf die aberwitzige Idee sich in eine Höhle in der Gegend von Chattanooga zum Sterben zurück zu ziehen. Als seine Taschenlampe den Geist aufgab, legte er sich einfach in der Höhle nieder, um zu sterben. Laut eigenen Aussagen kam er aber zu der Erkenntnis, daß nicht er, sondern Gott bestimme, wann es Zeit zum Sterben sei. Irgendwie fand er im Dunkeln aus der Höhle und wurde dort bereits von June Carter und deren Mutter erwartet. Ohne Zweifel dürfte dies der Wendepunkt in J.R.s Drogenlaufbahn gewesen sein.

Während des schweren Entzugs mußte Johnny von einigen Freunden, die selber den Tabletten verfallen waren, und seinen Dealern, die immer gute Geschäfte bei Johnny machten, abgeschirmt werden. June und ihre Familie schafften dies nicht nur mit Bravour, sondern zeigten dabei auch immer wieder energischen Einsatz. Am 11. November des Jahres 1967 gab Johnny Cash an der Highschool von Hendersonville sein erstes Konzert in nüchternen Zustand seit über zehn Jahren.

Der Wandel war geschafft und Cash sprühte nur so vor Ideen, die nicht immer gleich auf Zustimmung bei seiner Plattenfirma trafen. Er wollte unbedingt ein Livealbum in einer Haftanstalt vor Gefangenen einspielen. Die Plattenfirma lehnte dies ab, da die Fans, die sich ja zumeist aus konservativen Countryliebhabern zusammen setzten, Cash dies nicht verzeihen könnten, wenn er vor einem Haufen von „Mördern und Verbrechern" auftritt. Er solle lieber wieder etwas Religiöses veröffentlichen, oder so eine Liveplatte einspielen. Doch seine Unnachgiebigkeit trug doch noch Früchte. So konnte „Johnny Cash at Folsom Prison" aufgenommen werden.

Hier sang Johnny auch das erste Mal einen Titel, den ein Gefangener aus Folsom geschrieben hatte. Cash bekam den Text erst einen Tag zuvor. Er wußte auch nicht, ob es gut war, den Gefangenen während des Auftritts zu sagen, daß es der Song eines unter ihnen war, da der inhaftierte Glen Sherley ja durchaus mit Repressalien von den anderen Gefangenen rechnen mußte. Dennoch brachte er in der Einleitung zu dem Song „The grey stone chapel" zum Ausdruck, daß das Lied von einem aus Folsom geschrieben wurde. Später setzte sich Cash für die vorzeitige Entlassung von Sherley ein und griff ihn bei seiner eigenen Musikkarriere unter die Arme. Cash ist sich nicht bewußt, ob es Sherley genutzt oder geschadet hatte. Sherley starb früh und über die Todesursache gibt es zwei Versionen. Die eine besagt, daß er an Krebs starb und die andere besagt, daß er mit einem Gewehr Selbstmord begang... Das Livealbum aus Folsom hingegen war ein voller Erfolg und bewies, daß Johnny immer noch den richtigen Riecher hatte, was Erfolg betraf. In den Countrycharts kletterte das Album auf Platz 1.

Ein großer Tiefschlag ereilte Cash einige Zeit nach dem Auftritt in Folsom. Sein langjähriger Freund und Mitglied der Tennessee Two bzw. Tennessee Three, Luther Perkins, verbrannte in seinem Haus, das in der Nähe des Cash Hauses war. Seine Frau war gerade mit den Kindern unterwegs, als es geschah. Sie bemerkte Rauch und verschaffte sich Zutritt ins brennende Haus, Luther war bereits schwer verletzt und hatte eine schwere Rauchvergiftung. Obwohl er umgehend ins Krankenhaus kam und es zeitweise etwas Hoffnung gab, erlag er seinen schweren Verbrennungen. Er verstarb am 5. August des Jahres 1968. Später widmete Johnny viel Zeit und 2.000.000 Dollar für den Aufbau einer teuren Spezialabteilung für Brandverletzte im Vanderbilt Hospital in Nashville. Zu Luthers Tod war die nächste in Cincinnatti und zu weit weg, um Luther retten zu können. Cash betonte auch, daß diese Einrichtung jedermann offen stehen sollte, auch den Ärmeren, die sich keine Behandlung leisten können. Dies unterstrich einmal mehr sein selbstloses und soziales Engagement, was ihn so beliebt machte.

Die musikalische Lücke hingegen, die Perkins hinterließ, war nur schwer, wenn überhaupt, zu schließen. Denn gerade er sorgte mit seinem kreierten „Boom-chicka-boom"-Sound für den unverwechselbaren Cash-Sound.

J.R. konnte aber auch glückliche Momente in dieser Zeit verbuchen. Nachdem er etliche Male ergebnislos und auf die verschiedensten Weisen versucht hatte, erfolgreich mit einem Heiratsantrag bei seiner großen Liebe June Carter zu landen schaffte er es auf recht ungewöhnliche Weise. Während eines Konzertes in Ontario, Kanada, machte er ihr kurz entschlossen auf der Bühne einen erneuten Antrag. Dieses Mal lehnte June nicht ab und das Publikum wurde Zeuge dieser außergewöhnlichen Liebeserklärung in aller Öffentlichkeit. So hatte quasi die ganze Welt Teil an seinem Glück... Die anfänglichen Ablehnungen hingen auch mit der Tablettensucht Cashs zusammen. Am 1. März 1968 ehelichte J.R. endlich seine June.

Nachdem das erste Gefängnisalbum ein voller Erfolg war, wollte „Columbia" noch eins drauf legen und Cash konnte es nur recht sein. So kam das Album „Johnny Cash at San Quentin" zustande. Der verstorbene Luther Perkins wurde durch Bob Wootton ersetzt, dieser sollte Cash bis zu seinem Tod begleiten. Kurz vor dem Auftritt schrieb Cash den Klassiker „San Quentin" (auf dem Sampler „An international underground tribute to the man in black" von Gunter Gabriel und Emscherkurve 77 gecovert), welcher mit Aussagen wie „San Quentin du warst die Hölle für mich" und „San Quentin du sollst verrotten und in der Hölle verbrennen" gerade von den Gefangenen mehr als gut aufgenommen wurde. Sprach das Lied doch alles über die Hölle dieses Knastes aus. Die ausgekoppelte Single „A boy named Sue", ein Stück über einen Jungen, der von seinem Vater den Namen „Sue" bekam, damit dieser sich in der Welt behaupten mußte, ist heute noch ein Cash-Klassiker. Dieser humorvolle aber auch ernste Titel schaffte es auf Platz 1 der Country- sowie Popcharts. Der Verkauf des Albums übertraf alle Erwartungen und verkaufte sich derzeit besser als Platten der Beatles.

Neben den Audioaufzeichnungen zeichnete auch der britische Sender „Granada Television" das Geschehen auf. Doch die Ausstrahlung wurde von den großen Sendern lange Zeit boykottiert, da Cash zu gesellschaftskritische Aussagen zwischen den Liedern von sich gab. Einmal mehr Zeichen dafür, daß Johnny Cashs Herz am richtigen Fleck schlug!

Im Dezember 1969 spielte Cash im ausverkauften Madison Square Garden in New York vor 21.000 Zuschauern. Die Aufnahmen wurden erst im Jahre 2002 veröffentlicht. Begleitet wurde Cash von Carl Perkins, den Statler Brothers, der Carter-Family, ohne June, da diese schwanger war, und von seinem Bruder Tommy. Am 3. März gebar June Carter Cash den Sohn John, welches das einzige gemeinsame Kind des Paares Cash Carter sein sollte.

Neben diversen Konzerten, einige Filmrollen und diversen anderen Verpflichtungen gab es von Johnny Cash auch eine eigene Fernsehshow auf ABC zu sehen. Unter dem Titel „The Johnny Cash Show" waren immer wieder berühmte Musiker zu sehen und zu hören, die auch gemeinsam mit Cash musizierten. Die Statler Brothers bekamen einen festen Platz in der Sendung als Hausband und wurden so berühmt. Die aufgezeichnete Sendung wurde Sonnabends zur besten Sendezeit ausgestrahlt und war sehr beliebt.

In den frühen 70ern sah man Johnny Cash bei Auftritten nur noch in schwarzer Kleidung. Dies brachte ihn den Zunamen „Man in black" ein, den er bis heute innehat. Dies war ein totaler Affront gegen die derzeit vorherrschende Country- und Westernmode der Musiker dieser Zeit, die üblicherweise farbenfroh und kitschig gekleidet waren. Im Juni 1971 erklärte sich Cash über den Song „Man in black" seinen Fans, warum er diesen Weg beschritt.

 

„I wear the black for the poor and the beaten down

Livin' in the hopeless, hungry side of town

I wear it for the prisoner who as long paid for his crime

But is there because he's a victim of the time

 

Ich trage Schwarz für die Armen und Unterdrückten,

die im Elendsviertel der Stadt leben und hungern und keine Hoffnung mehr haben

ich trage es für den Häftling, der längst für sein Verbrechen gebüßt hat,

aber immer noch einsitzt, weil er ein Opfer dieser Zeit ist."

Auszug aus dem Lied „Man in black". Wieder kommt hier Cashs sozialkritisches Wesen zutage. Das gleichnamige Album errang Platz 1 in den Charts. Es war das achte und zugleich letzte Album, welches dies zu Cashs Lebzeiten schaffte, welches von Cash alleine war.

 

Mitte der 70er sank Johnnys Bekanntheit langsam. Allerdings verkaufte sich seine Autobiographie 1,3 Millionen Mal. Auch tauchte er immer wieder in Fernsehrollen auf. So in der Krimireihe "Columbo" und in der Serie „Unsere kleine Farm" in einer Folge an der Seite seiner Frau June. Ende der 70er errichtete er ein Blockhaus gegenüber seines Wohnhauses, welches eigentlich als Rückzugsort gedacht war, letzten Endes aber als Studio diente.

1980 erhielt J.R. Cash die höchste Auszeichnung in der Countrymusik. Er wurde in die Country Music Hall of Fame aufgenommen und war mit 48 Jahren der jüngste Musiker, dem diese Ehre zuteil wurde.

In diesem Jahr erschien auch das Album „Rockabilly Blues", hier wurde Cash von dem New Wave Musiker Nick Lowe, dem Ehemann von Johnnys Stieftochter Carlene Carter, begleitet. Ähnlich war auch das nächste Album von Cash gestaltet. Auf dem Album „Johnny 99" waren zwei Coverversionen von Bruce Springsteen zu finden. Da Cash desöfteren Lieder anderer neu intonierte kam bald die Weisheit auf, daß nicht jeder Cash aber Cash jeden spielen kann...

Wer einmal drogenabhängig ist, der ist es zeitlebens und so mußte kommen, was kommen mußte. Cash hatte Ende der 1970er nochmal einen heftigen Rückfall und griff wieder zu Tabletten. '83 konnte er von seiner Familie zu einer Entziehung in einer Klinik überredet werden. Nach sechs Wochen war er wieder clean und wurde nicht mehr rückfällig.

Es folgten weitere Fernsehrollen, so in der Bürgerkriegsreihe „Fackeln im Sturm", in den 90ern war er zusammen mit June Carter in der Westernserie „Dr. Quinn" zu sehen. Selbst in Kinofilmen konnte man Cash bewundern, so z.B. in „Die letzten Tage von Frank und Jesse James".

Durch seine rebellische Art und seine auflehnenden Lieder wurde Cash selbst zum Outlaw in der Countryszene, die meist nur von der heilen Welt sangen. Aber einige taten es Cash gleich und zusammen mit Waylon Jennings, Willie Nelson und Kris Kristofferson entstanden The Highwaymen. Das Album und der gleichnamige Titel erreichten nach über 10 Jahren wieder Platz 1 in den Charts.

1988 mußte sich Johnny Cash einer schweren doppelten Bypass-Operation unterziehen. Zeitgleich erlebte seine Karriere einen totalen Tiefstand. Dies lag auch an der Umstrukturierung der rein auf Mainstream bedachten Countrymusik. Die alten Stars schienen nicht mehr gefragt zu sein. Auch sein Vertrag mit „Columbia" lief aus. Und unter den gegebenen Umständen war das Label auch zu keiner Verlängerung bereit. Auf „Mercury/PolyGram" erschienen neue Veröffentlichungen von Cash, die aber keine große Beachtung fanden. Eine Veröffentlichung heißt „Wells of Home" und beinhaltet Duette mit Paul Mc Cartney, den Everley Brothers und Emmylou Harris, sowie seinen Kindern Rosanne und John.

Cash wollte es aber nochmal wissen und arbeitete mit Nachdruck immer weiter an neuen Stücken und Projektideen. 1992 wurde Johnny in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und galt längst für viele jüngere Rockmusiker als Ikone und das obwohl seit Beginn der 90er nichts mehr von ihm veröffentlicht wurde. Die irische Rockband U2 um Dritte Welt-Aktivist und Weltverbesserer Bono schrieb für Cash den Song „The Wanderer".

Der Hip-Hop- und Metalbands produzierende Rick Rubin bot Cash im Jahr 1994 einen Plattenvertrag an. Vorher hatte Rubin nur mit Bands wie Run DMC, den Beastie Boys oder Slayer zu tun. Es war also ein Experiment von beiden Seiten. Diese Versuche liefen unter den Namen „American Recordings". Textlich ging es bei „American Recordings" wieder um Außenseiter. Für das Video zu „Delia's gone" konnte das Model Kate Moss in der Hauptrolle verpflichtet werden. Durch die Ausstrahlung bei MTV wurde Cash nun auch jüngeren Musikfans ein Begriff. Johnny Cash war wieder da und das ohne zu übertreiben „back with a bang".

Das zweite Album dieser Reihe hatte den Titel „Unchained" und Cash bekam dieses Mal Begleitung von Tom Petty, den Red Hot Chilli Peppers und Fleetwood Mac. Gesundheitlich ging es Cash während den Aufnahmen sehr schlecht und es kam immer wieder zu Pausen.

2000 erschien das Album „American III – Solidarity man" und seine Stimme klingt ab und an schonmal recht brüchig. Einer der ungewöhnlichsten Titel auf diesem Album ist wohl das von Nick Cave stammende „The mercy seat". Es handelt von einem Monolog eines zum Tode Verurteilten, der auf seine Hinrichtung wartet. Laut Cash sein Lieblingsstück.

„American IV – The man comes around" war das letzte zu Lebzeiten von Cash veröffentlichte Album und es erreichte Platz 2 in den Countrycharts. Man hört diesem Album schon die schwere Krankheit Cashs an. Textlich handelt das Album von Liebe, Tod und dem Leben danach. Das Lied „The man comes around" zeigte, daß Johnny nach wie vor zu den besten Musikern seines Genre gehörte. Die „American Recordings"-Reihe machte Cash weit über die Countrygrenzen hinaus bekannt.

Neben den ganzen Mainstream-Musikern, mit denen Cash zeitlebens zusammen arbeitete, kam es auch zu einer Zusammenarbeit mit Joe Strummer der Punklegende The Clash.

Im Oktober 97 brach Cash ohnmächtig auf der Bühne zusammen, als er ein Plektrum aufheben wollte. Erst vermutete man Parkinson. Dann war die Diagnose, daß Johnny am Shy-Drager-Syndrom, einer Parkinson ähnlichen Krankheit, litt. Später eröffnete man J.R. Cash, daß er an autonomer Neuropathie, einer Erkrankung des Nervensystems, litt. Wahrscheinlich infolge von Diabetes. Cash wollte leben und kämpfte gegen seine Krankheit. Er hatte so viel überstanden, warum nicht auch die Krankheit besiegen?

Im April 1999 wurde ihm zu Ehren das „An All Star Tribute To Johnny Cash" aufgezeichnet. Cash selbst trat zur Verwunderung aller auch auf. Er war stark geschwächt und es sollte sein letzter Auftritt auf großer Bühne sein.

Cash kam mehrmals mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus. Im Oktober 2001 mußte er in künstliches Koma versetzt werden. Durch sein starkes Asthma litt er ständig unter akuter Atemnot. Auch seine Sehkraft war schon sehr beeinträchtigt.

Im Mai 2003 ereilte Cash sein wohl größter Schicksalsschlag, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Im Alter von 73 Jahren verstarb June an den Folgen einer Herzklappenoperation. Sie waren 35 Jahre miteinander verheiratet. 10 Tage nach Junes Tod wollte er zurück ins Studio und weiter arbeiten, um die Trauer so zu bewältigen. Laut John Carter war das letzte aufgenommene Stück von Johnny das „Traditional Engine 143".

Im September 2003 telefonierte Rick Rubin das letzte Mal mit Johnny Cash. Es ging um die „Unearthed"-Abmischungen. Cash hörte sie nicht mehr. Am 12. September verstarb Johnny Cash im Alter von 71 Jahren im Baptist Hospital an Lungenversagen. Er wurde neben June Carter Cash, auf dem Friedhof Hendersonville Memory Gardens, nahe seinem Wohnhaus beerdigt.

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