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Brutal Attack (England)
40 Jahre Skinheads und auch die RAC-Legende Brutal Attack hat einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Grund genug diese Band mal mit einer Bio zu ehren. Irgendwie spielte diese Band neben Skrewdriver ja immer nur die zweite Geige, obwohl keine Band je eine Geige verwendete...;-)Das BA aber nicht zu den zweitklassigen Bands gehören, zeigen ihre unzähligen Veröffentlichungen, wo etliche Klassiker drunter sind. Lagen die Wurzeln, wie bei Skrewdriver auch, noch klar im Punk entwickelten sich die Jungs um Ken McLellan immer weiter zum klassischen RAC mit eindeutiger Aussage. Genau das dürfte einigen Lesern wieder nicht passen, aber wer Toleranz für Bands wie Stage Bottles und Loikämie aufbringt, sollte mal überlegen, ob nicht gerade Uraltbands wie eben Brutal Attack nicht auch ihre Daseinsberechtigung haben.
Die Ursprünge von Brutal Attack gehen auf das Jahr 1980 zurück. Der spätere und jetzige Kopf, Ken McLellan, wurde von Mitschülern gefragt, ob er als Sänger in der gerade gegründeten Punkband Brutal Attack mitmachen möchte. Dies war der Anfang einer bisher nicht beendeten Geschichte.
Anfangs waren sie inspiriert von Bands wie den Sex Pistols. Und auf der Aufnahme „Live for kicks“ ist dann auch noch die pure Aggressivität des Punk zu hören. Nach und nach wurde BA dann eine führende Band des RAC, die diesen Stil bis heute beibehalten hat. Trotz des klassischen RACs versuchte Ken sich auch immer wieder an großartigen Balladen, brachte Rockballaden, oder coverte Rockklassiker. Aber auch als Sänger beweist er Können und trifft die Töne auf den Punkt. Ohne groß auf die Texte einzugehen, muß man zugestehen, daß unter den zahlreichen Liedern etliche Stücke mit nachdenklich machenden Liedtexten sind und da ist es egal, wie man darüber denkt, oder wie man dazu steht.
Zum ersten Konzert sollte es aber erst im frühen Sommer des Folgejahres kommen. Dies fand mit den Bands Savage Six und Nauseau statt. Einen Monat später, im Juli 1981, fand bereits der nächste Gig statt. Zur Urbesetzung gehörten neben Ken noch Scrome, George Grimes und John Whittington. Es folgte nun Konzert auf Konzert. Anfang 1982 spielten Brutal Attack als Vorband der UK Subs, Erazerhead und Long Tall Shorty im legendären „100 Club“. Long Tall Shorty gaben an dem Tag ihr letztes Konzert. Hier entstand die erste Aufnahme von BA, welche als Kassette im Eigenvertrieb unter die Leute gebracht wurde. Inzwischen gibt es den „Live for kicks“-Mitschnitt auch auf CD inkl. fettem Booklet mit Bandstory. Da die Bandstory vom „Resistance“-Zine entnommen und übersetzt ist, wird hier leider vieles ins Politische geredet und einiges zu sehr verherrlicht bzw. niedergeredet...;-( Schade, hätte mir einiges an Arbeit gespart...;-) Ihr könnt Euch denken, daß die Aufnahmequalität zu wünschen übrig läßt. Dennoch ist der Mitschnitt ein Stück Zeitgeschichte! Auf LP ist das Ganze dann auch noch zu haben („4U Vinyl“) und da macht das Ganze wieder Sinn, gelle... Bereits hier vertritt Ken eine distantive Einstellung gegenüber Zuwanderung und gegenüber des Kommunismus. So ist wenig verwunderlich, daß Anfragen bzgl. eines Plattenvertrages bei Gary Bushell nichts brachten. Skrewdriver hatten zu dieser Zeit ja schon ihren Ruf weg und Bushell stellte BA auf eben diese Stufe. Auch Roi Pearce empfahl Brutal Attack sich textlich angepaßter zu geben, um dann musikalisch erfolgreicher zu werden. Damit sollte der weitere Weg der Band vorgezeichnet sein, da sich Ken und Co im Gegensatz zu anderen Bands nicht vorschreiben lassen wollten, was sie singen und sagen dürfen und was nicht. Würde man jetzt im Kaffeesatz lesen und mutmaßen, wo diese Band jetzt stände, wenn sie sich den Regeln der Musikindustrie unterworfen hätten, würde man in den Tiefen der Filtertüte wohl lesen, daß diese Band eine angesagte Rockband ist, so ist sie halt „nur“ eine großartige RAC-Band.
Trotz der, im Punk eigentlich nicht unüblichen, provokativen Texte konnten Brutal Attack weiterhin auf etlichen Konzerten spielen. Sie spielten als Vorgruppe zahlreicher namhafter Punkbands wie z.B. Special Duties, The Addicts, Vice Squad usw. und dies in angesagten Clubs wie beispielsweise dem „Skunx“.
Im Oktober 1982 war Brutal Attack als Vorband der bereits verrufenen Skrewdriver gebucht. Dies kam durch Ian Stuart zustande, der die Band eine Woche zuvor im „Skunx“ gesehen hatte. Ian war begeistert von ihnen und wollte sie für das Konzert im „100 Club“ haben. Es sollte eines von unzähligen Konzerten sein, die Brutal Attack zusammen mit Skrewdriver gaben und es entstand eine gute Freundschaft zwischen Ken und Ian, die bis zum Tode Ians hielt. Das Treffen bzw. Kennenlernen war wohl auch der Anlaß, daß Ken zum Skinhead wurde und die Band somit auch. Diese Wandlung, oder Weiterentwicklung, wollten aber nicht alle Mitglieder mitmachen und eine Umbesetzung fand statt. Kens Einstellung wurde nun immer mehr auch Standpunkt der Band.
So stießen nun der ehemalige Combat 84 Schlagzeuger Brownie und das ehemalige BA-Mit-Gründungsmitglied Whittington zu Brutal Attack. Neben seiner Arbeit auf dem Bau war McLellan auch im Headquarter der BNP tätig. Allerdings unterschlug diese saubere Partei Gelder, die der Band gehörten und so kam es zum Bruch. Parteien sind nunmal Scheiße! Durch Ian Stuart kam ein Deal mit „Rock-o-Rama“ zustande. Aber auch hier stellten BA schnell fest, daß Verträge nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Diese bittere Erfahrung sollten aber zahlreiche andere Bands auch machen.
Neben Skrewdriver war auch Brutal Attack ein starkes Zugpferd des Kölner Labels und es erschien nun fast jedes Jahr eine Platte. Von einer konstant bestehenden Band konnte indes keiner mehr reden, da es ständige Umbesetzungen bei der Band gab. So entwickelte sich Brutal Attack mehr und mehr zur Band von Ken McLellan und stets wechselnden Gastmusikern. Was aber nicht unbedingt ein Nachteil zulasten der Band war und ist, da die Band trotzdem immer wieder Klassiker des RAC abliefert(e). In den vielen Besetzungen waren unter anderem so bekannte Musiker wie Martin Cross (u.a. bei Skrewdriver und Razors Edge) und Stinko (R.i.p., Celtic Warrior). Bei Auftritten griffen dann immer wieder Musiker bekannter anderer RAC-Bands Ken unter die Arme, um Brutal Attack auch live leben zu lassen.
Neben der Konstante in mehr oder minder regelmäßigen Abständen Alben und etliche Samplerbeiträge, oder Scheiben mit befreundeten Musikern auf den Markt zu werfen, wurden Brutal Attack nimmer müde zu touren und erfreuten Jahr um Jahr aufs neue die „Fans“ auf der ganzen Welt mit ihren Auftritten.
Im Hinblick auf das 30 jährige Bestehen im kommenden Jahr, kann man nur hoffen, daß uns Ken noch weiter unter dem Namen Brutal Attack erhalten bleibt, mit was für Musikern auch immer. Diese Band hat sich zwar musikalisch immer weiterentwickelt, blieb sich aber immer selbst treu.
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