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Truck Stop (Deutschland)
Aus der #20: Der deutschen Countrymusik haftet das Etikett „nicht ernsthaft“ oder „Ulkversion des Originals“ u.ä. zu sein an und die Bands werden meist nur belächelt. Dennoch steckt hinter den meisten Texten eine Menge Ernsthaftigkeit. Truck Stop sind in Deutschland als Band eine langlebige Legende und wohl jeder kennt einen ihrer Songs, oder?!?
Aus Schröder Goes Country wurde irgendwann Truck Stop und die Elbestadt Hamburg geriet in den Fokus des Country. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Rainer Bach, Cisco Berndt, Erich Doll, Eckart Hofmann, Teddy Ibing und Lucius Reichling und sie gründeten sich 1973. Zum Ende der 70er schied Hofmann aufgrund verschiedener Ansichten aus der Band aus und Rudolf Steinmetz kam zu Truck Stop. 1978 wurde er aber schon durch Uwe Lost ersetzt, der fortan den Baß spielte und das auch noch heute macht. Rainer Bach ging 1983 und Knut Bewersdorff kam in die Truppe. Aus gesundheitlichen Gründen stieg Gründungsmitglied Erich Doll 2003 aus und wurde durch Dirk Schlag ersetzt, der einer der besten Gitarristen Europas ist. Er ist mit Jahrgang 1971 auch der Jüngste in der Truppe.
Zu Beginn spielten Truck Stop ausschließlich englischsprachige Countrysongs und veröffentlichten 4 Platten. Diese verkauften sich aber von Veröffentlichung zu Veröffentlichung schlechter. 1976 standen Truck Stop nur 3 Jahre nach dem Start kurz vor der Auflösung und sie mußten sehen, wie sie das Ruder nochmal rumreißen konnten. So wollten es die Jungs mal mit deutschen Texten, und dies natürlich im Countrygewand, versuchen und das war es. Sonst würde wohl heute keiner mehr eine Band namens Truck Stop kennen...
1977 wurde der Klassiker „Ich möcht so gern Dave Dudley hör'n“ aufgenommen. Dies war ein so einschlagender Erfolg, sodaß Truck Stop fortan hauptsächlich deutsche Stücke mach(t)en. Der Titel „Die Frau mit dem Gurt“ wurde vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat sogar für Kampagnen zum Anschnallen genommen, da schnallt man ab, oder?!? Das erste deutschsprachige Truck Stop-Album hatte dann auch den lokalpatriotischen Titel „Zu Hause“. Hierauf befanden sich beide eben genannte Hits.
Nachdem 1978 der Saxophonist und Flötist, Hofmann, ausstieg, übernahm Uwe Lost in der Band den Baß, den bisher Cisco spielte. Etwas später gastierten die Jungs von der Waterkant im Geburtsland des Country, in Amerika, und gaben in Chicago ein viel umjubeltes Konzert.
1979 erreichten die norddeutschen Countrystars Platz 2 beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Songcontest und das mit dem Lied „Take it easy altes Haus“. Die Band war und ist seitdem gern gesehener Gast in etlichen Fernseh- und Rundfunksendungen und für die norddeutsche Erfolgsserie „Großstadtrevier“ lieferten sie sogar die Titelmelodie ab. Auch touren sie seit zig Jahren unermüdlich, lieferten über 40 Alben ab und kassierten etliche Auszeichnungen der Countrymusik. Die Musik zum Klamauk-Song „Maschen-Draht-Zaun“ (der Song brachte 4x Gold und eine Platinauszeichnung) lieferten Truck Stop und Stefan Raab ließ es sich später nicht nehmen, als Gastsänger auf einem Jubiläumsalbum von Truck Stop aufzutreten.
In den Jahren 80 und 81 waren Truck Stop Dauergäste in der „ZDF Hitparade“ von Dieter Thomas Heck und da die Mannen auch bei den Zuschauern immer sehr beliebt waren, hieß es desöfteren „Truck Stop – 3x dabei gewesen, bitte nicht wieder wählen!“ Schmu, oder?!?
In den Wirren des Jahreswechsels von 1983 auf 1984 ist auch irgendwann ein weiterer Musikerwechsel anzusiedeln...;-) Rainer Bach ging und Knut Bewersdorf kam. Den Erfolg von Truck Stop tat das keinen Abbruch.
1990 kam dann der Titel „Arizona Arizona“ und das Stück wurde sogar in amerikanischen Radiostationen gespielt und belegte in Arizona die vordersten Chartpositionen.
1993 begingen Truck Stop das „kleine“ Jubiläum von 20 Jahren Bandgeschichte. Das Geburtstagsalbum hieß „1000 Meilen Staub“ und mit dem Lied „Wir sind noch lange keine Opas“ setzten sie ein klares Zeichen gegen das Klischee, welches den Jungs anhaftet...;-)
1995 kehrte der langjährige Freund und Produzent, Joe Menke, der Countrymusik den Rücken und somit stand Truck Stop nun ohne Produzenten da. Als Berater wollte er seine Freunde aber auch in Zukunft nicht im Stich lassen. Truck Stop nutzten diesen Einschnitt auch als Chance und suchten sich auch für die Zukunft feste Zügel in Form des BMG Ariola-Labels. Das Majorlabel besaß das richtige Know-How, um die Band auch weiterhin Deutschlands Countryband Nr. 1 sein zu lassen und sie nicht aus dem Sattel zu hauen.
Der langjährige Toningenieur im Studio Maschen (ja, genau das aus dem Lied „Der wilde, wilde Westen“...), Volker Heintzen, trat die Nachfolge von Menke an. Das erste Album unter Heintzens Leitung, „No. 1“ wurde dann im Vox-Klangstudio eingespielt und Cisco sah dies dann auch als eine Art Neuanfang. Der Rest der Band dürfte es ähnlich gesehen haben. Die fruchtbare Verbindung hielt 7 Platten lang unter BMG Ariola.
2003 gab es dann bei den Hamburger Jungs die bisher letzte Umbesetzung und mit Dirk Schlag trat nicht nur der jüngste Cowboy ins Scheinwerferlicht von Truck Stop, sondern auch einer der besten Gitarristen Europas. Schlag griff schon für Claudia Jung, Howard Carpendale, Rolf Zukowski, Matthias Reim und Mark Medlock in die Saiten.
2008 wechselten sie dann zu Jack Whites Label Gloriella. Mit dem aktuellen Album erschienen dort bisher 4 Platten.
Nach wie vor sind Truck Stop die erfolgreichste Kombo in Sachen Country und das dauerhaft und ohne Skandale und viel Gedöns. Was bei 6 Musikern, die sich in einer Band zusammenfinden, ja mit Sicherheit nicht Usus ist. Worin mag der fortlaufende Erfolg begründet sein? Vielleicht ist es ja der Humor, der in den Liedern steckt, die durchaus ernste Hintergründe haben. Mit Sicherheit ist es aber auch der Spaß, den die Jungs an der Musik zu haben scheinen. Sicher aber auch, daß hier nicht nur dummes Zeug gesungen wird und alles auch noch in einfache Worte, gepaart mit eingängiger Musik, gepackt ist. Selbst nach über 35 Jahren gehen den Elbe-Cowboys die Ideen für humorvolle Texte mit ernsten Hintergedanken nicht aus und so wird es wohl locker noch ein paar Jahre weitergehen...;-)
2010 erschien dann mit „6 Richtige“ das 42. (!!!) Album der Jungs und in altbekannter Manier gibt es hier ernsthafte Lieder in Schmunzeltexte verpackt. Im schnelllebigen Musikgeschäft waren sich Truck Stop immer treu und das wurde stets von ihren Fans begrüßt.
Meik
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