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The Sweet (England)

Aus der #16: Darf man allgemein zugänglichen Quellen trauen, so waren The Sweet die erfolgreichste Glamtruppe der 70er. Dagegen spricht allerdings, daß Slade in Sachen Plattenverkäufen, zu Lebzeiten, erfolgreicher als die Beatles waren. Aber was soll's, hier soll es ja nicht um erfolgreich oder nicht erfolgreich; erfolgreich oder erfolgreicher gehen, sondern um die Band Sweet.

Gründungsmitglieder waren Brian Connolly – Gesang (bis 1979), Frank Torpey – Gitarre (bis1969), Mick Tucker – Schlagzeug (bis 1991) und Steve Priest – Baß (bis 1981). Zeitweilig gehörten folgende Musiker zu The Sweet: Malcolm McNulty – Baß und Gesang (1985 – 1988), Jeff Brown – Baß und Gesang (1988 – 2003), Mick Steward – Gitarre (1969) und Tony O'Hara – Gesang und Baß (2003 – 2006). Aktuell sind folgende Akteure an Bord: Peter Lincoln – Gesang und Baß (seit 2006), Steve Grant – Keyboard und Gitarre (seit 1991), Andy Scott – Gitarre (seit 1969) und Bruce Bislöand – Drums (seit 1991). Man sieht, daß sich das Besetzungskarussel einige Male gedreht hat und die heutigen Sweet mit dem Ursprung eigentlich nichts mehr gemein haben...

Gegründet wurden The Sweet unter den Namen Sweet Shop. Unter diesem Namen traten sie bis Anfang der '70er in Clubs und Discos auf und verbuchten da schon Auftritte in Italien und Skandinavien.

Allerdings waren die Jungs aus Middlesex anfangs nicht gerade sehr erfolgreich. Nachdem erste Aufnahmen nicht ankamen, verloren sie ihren Plattenvertrag und man versuchte mit der Band und schon vorgefertigten Songs auf Erfolgskurs zu kommen. Die Lieder von Mike Chapman und Nicky Chinn brachten der Truppe erste große Erfolge ein und der Weg für den späteren Ruhm war geebnet. Schon die zweite Single landete auf den ersten Platz der deutschen Hitparaden und in England konnte man einen 2. Platz erringen.

Waren die ersten Scheiben noch recht soft, so paßte man die Band an die Zeit an und sah zu, daß The Sweet „härter“ wurden. So sprangen The Sweet gerade rechtzeitig auf den anfahrenden Zug der Glamrock-Welle auf und landeten mit Krachern wie „Block buster“, „Hell raiser“, „Ballroom blitz“ und den Hammer „Teenage rampage“ weitere Erfolge. Diese teils zu Rockhymnen gewordenen Stücke plazierten sich alle in den Hitparaden. Der Band selbst überließ man kaum Eigeninitiative. Das fing bei den Texten an, ging über die Musik bis hin zu der Kleidung und den Haarschnitten.

Die Band bestand nun auch mehr darauf, eigene Ideen mit einzubringen, was den Managern nicht gerade paßte. Allerdings setzte sich die Band durch und auf LPs und den B-Seiten vieler Singles waren auch zunehmend eigene Sachen zu finden. Das „Fox on the run“ war so ein Titel und dieser, für damalige Verhältnisse, harte Song, wurde überarbeitet und dann als „gemäßigte“ Version unter die Hörer gebracht. Mit dieser Single wollte die Band sich von Fremdbestimmung lossagen und so war man auch mehr als gespannt, ob das gelingen wird. Aber alle Ängste waren unbegründet und man schloß an alte Erfolge an. Mit „Love is like oxygen“ ging es schnurstracks in die Top Ten Englands, Deutschlands und den USA. Insgesamt verbuchten The Sweet 16 Lieder in den deutschen Top Ten, darunter 8 x den ersten Platz. In England war nur „Block buster“ ein Nummer 1 Hit und 5 weitere kamen immerhin auf den 2. Platz. Ganz ließen sich die Manager das Zepter aber nicht aus der Hand nehmen, was für den Mainstreamerfolg der Band sicher von Vorteil war, und sorgten dafür, daß die Songs trotz zunehmender „Härte“ immer noch massentauglich waren. Den rüden Charme zugunsten der Massentauglichkeit büßten ja die Glambrüder von Slade auch schnell ein. Wenn man nur mal das kraftvolle „Alive“-Album mit späteren Platten vergleicht. Nun gut, bei The Sweet hatte das positive Auswirkungen, da Sweet so weiterhin radiotauglich blieben. Was Musikerkollegen wie T. Rex und dem später verurteilten Kinderschänder Garry Glitter nicht immer gelang.

Die Welt des Rock'n'Roll ist nunmal kein Ponyhof und wie bei vielen anderen Bands auch, war der Alkohol mit auschlaggebend für das Zerbrechen der klassischen Bandbesetzung. Sänger und Frontmann Connolly leistete ganze Arbeit, was den Raubbau am eigenen Körper betraf und so schied er 1979 gesundheitsbedingt aus der Gruppe aus. Der Rest veröffentlichte die LP „Cut above the rest“, es sollten noch zwei weitere Alben folgen. Das waren „Waters edge“ (die amerikanische Fassung hieß einfach „Six“) und „Identity crisis“ (diese erschien nur in Deutschland und Süd-Amerika).

Aber auch der ehemalige Sänger Brian Connolly war nicht aus der Welt. Allerdings waren seine Versuche, wieder Fuß in der Musikwelt zu fassen, mehr als erfolglos und alle drei Singles floppten. Ein erneuter Aufbäumungsversuch in den 80ern hatte das gleiche Ergebnis, denn auch diese veröffentlichte LP wurde nur mäßig von den Fans aufgenommen. Auch gründete er The New Sweet und ging damit auf Tournee, allerdings blieb auch hier der Erfolg aus. Bis zu seinem Tod, wegen Nierenversagens, war er gern gesehener Musiker auf Oldieshows. Seine Begleitband trat auch nach dem Tod Connollys unter BC Sweet auf.

Die Neubesetzung der „alten“ Sweet hatten es einfacher und konnten weiter in ausverkauften Hallen spielen. Mick Tucker verließ 1990 die Band und es erschien ein Interview auf CD, welches er kurz vor seinem Tod gab. Scott machte mit The Sweet weiter und war nebenher noch als Produzent unbekannter Musiker tätig.

2008 entstand in den USA eine neue Band der Sweet, in der Gründungsmitglied Steve Priest wieder den Baß zupft.