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Slade (England)
Aus der #16: Slade gründeten sich bereits in den 60er Jahren als eine Coverband. Die ursprünglichen Mitglieder (Dave Hill und Don Powell) waren bereits vorher in einer Band namens The Vendors, aus denen erst die 'N Betweens und später dann die legendären Slade wurden. Der Mann mit der markanten Stimme, oder einfach Noddy Holder, kam von Steve Brett & The Mavericks dazu. Jim Lea vervollständigte die 'N Betweens dann.
In der Frühphase begleitete die Band zahlreiche bekannte Musiker und man coverte vorwiegend Stücke von Chuck Berry oder Motown-Lieder. Von April 1966 an übernahm dann Noddy Holder den Part des Gesangs und durch den unermüdlichen Einsatz der Band erlangten die Musiker innerhalb kurzer Zeit regionalen Kultstatus. Als erstes wurde Kim Fowley als Produzent auf die aufstrebende Band aufmerksam. Eine erste Coversingle unter dem Titel „You better run“ wurde veröffentlicht und gelangte in die Lokalcharts von Wolverhampton. Außerhalb ihrer Region wurde die Single kaum beachtet und eine für Amerika eingespielte Platte brachte auch nicht den erwünschten Erfolg. So verlor Fowley dann auch schnell das Interesse an der Band, da es finanziell nicht lohnenswert war.
Die 'N Betweens störte das nicht weiter und man unterschrieb einen Vertrag für eine Tour auf den Bahamas. Allerdings war das Hotel nur für zwei der acht Wochen bezahlt, denn der Besitzer hatte keinen Bock mehr auf das Hotel. Auch spielte die Band hier vorwiegend für den schwarzen Teil der Bevölkerung, was den Veranstalter wohl auch nicht paßte. Somit erhielten die 'N Betweens die Quittung bzw. Rechnung und diese hatte es in sich. Sie belief sich auf gut 35.000 US-Dollar. Geld, welches die Band natürlich nie verdient hatte und auch nicht auf der hohen Kante hatte. Aber man konnte sich mit dem Hotelmanagement gütlich einigen, da die musikalischen Darbietungen ja durchaus Publikum anzogen und die Band Können vorweisen konnte. So wurde ein neuer Vertrag unterschrieben und man konnte den angelaufenen Schuldenberg „abspielen“. Das Set wurde erweitert und die Band wurde in dieser Phase eng zusammengeschweißt. In dieser Zeit erfolgten auch erste Berührungspunkte zum Ska und frühen Reggae, da die Band mit Musikern dieser Genres zusammen auftrat. Die Jungs aus Wolverhamptom machten allerdings keinen Hehl daraus, daß sie nicht viel für diese Musik übrig hatten.
1969 war dann mehr oder minder auch die Geburtsstunde von Slade. Erst tauchten die 'N Betweens noch unter dem Namen Ambrose Slade auf, aus denen später Slade erwachsen sollte. Chas Chandler, der auch schon die Animals und Jimi Hendrix entdeckte, wurde auf Ambrose Slade im Londoner „Rasputin Club“aufmerksam. Diese hatten sich inzwischen zu einer schon recht bekannten Liveband gemausert. Chandler sorgte als Manager dafür, daß aus Ambrose Slade nur noch Slade wurde. 1969 war ja auch das Geburtsjahr der Skinheads und somit war es nur logisch, daß Slade vom Manager gedrängt wurden, auf diesen Zug aufzuspringen, um daraus Kapital zu schlagen. Erste Werbefotos, auf denen die Band noch mit langen Haaren zu sehen war, wurden von Chandler außer Verkehr gezogen und er sorgte dafür, daß diese Fotos niemals in die Öffentlichkeit gelangen. Man kleidete sich nun wie die Skinheads und die Haare wurden zum Crop geschnitten. So kann man dadurch zwar mit einiger Berechtigung behaupten, daß Slade „die erste Skinheadband“ waren, aber es steckte lediglich die Geldgeilheit von Chandler dahinter. Mit Skinheads hatten Slade nur das Äußerliche gemein, auch wenn es schade ist. Waren die Sex Pistols noch „The Great Rock'n'Roll Swindle“, so kann man sicher sagen, daß Slade „The Great Skinhead Swindle“ waren, ohne es bös' zu meinen. Slade hatte in Skinheadkreisen aber dennoch einen gewissen Kultstatus und Sänger Noddy Holder hatte auch Sympathien für die Skinheads, was sich in der Aussage: „Skins sind einfach nur Kids, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen und die wenigstens arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir tragen Boots und Hosenträger, weil wir das mögen.“ niederschlägt.
Allerdings brachte weder Slade noch dem Management das Skinheadoutfit den erhofften Ruhm, es gab Auftrittsverbote und Anfeindungen und man wandte sich von dem Rüpelimage ab. Versuchte Slade sich erst am Stil der biederen 40er, so wandelte man sich immer weiter, bis man im Jahr 1971 im Glam Rock landete und die Band hier eine Vorreiterrolle einnahm. Auch überzeugte Chandler die Band, verstärkt eigene Stücke zu komponieren, da mit Coverbands kein Blumentopf zu gewinnen ist. Textlich waren Holder und Lea immer die kreativen Köpfe und die anderen versuchten sich als Co-Autoren. Der erste Erfolg sollte sich dann auch erst 1971 einstellen. Mit der EP „Get down and get with it“ landeten sie erstmals in den britischen Charts. Der Erfolg kam nicht zuletzt durch unermüdliches Touren und Klinkenputzen bei etlichen Radiosendern. Mit der Folgesingle „Coz I luv you“ wurde dann auch Platz 1 der englischen Hitparade erreicht.
Die Band kreierte einen einmaligen Sound, der zwar aggressiv aber doch ruhig genug war, um es sich nicht mit den Medien zu verscherzen. Slades Musik glich dem Stampfen von Füßen eines gefüllten Stadions und der in vielen Liedern zu findende Backgroundgesang untermalt dieses Feeling noch. So hören sich viele Lieder wirklich nach Schlachtengesängen in den Stadien an. Sehr gut auf dem „Alive“-Album nachzuvollziehen.
Slade wurden ja nicht nur durch ihre Musik bekannt, sondern auch durch ihren eigensinnigen Schreibstil ihrer Titel. Hiermit wollte die Band ihren Lokalpatriotismus Luft machen und sich auch von ihren, nicht gerade geliebten, Nachbarn in Birmingham abgrenzen.
Nun sollte eine Karriere sondergleichen beginnen und was nicht einmal den Beatles vergönnt war, schafften die Arbeiterkids aus Wolverhamptom. Alle ihre Singles bis ins Jahr 1976 landeten immer unter den Top 20. In Deutschland schafften sie neun Platzierungen unter den ersten 10.
Das oben erwähnte „Alive“-Album war erst Slades dritte LP und es ist ja nicht gerade Usus, bereits das dritte Album als Liveplatte zu veröffentlichen. So kommt allerdings noch der schnörkellose ungeschliffene und frühe Sound von Slade zur Geltung, der ihnen gerade bei Skinheads und Hools zur Beliebtheit verhalf.
In den USA konnten die Musiker nie besonders punkten, aber Amis waren und sind ja schon immer anders gewesen. 1972 ging es für Slade dann auch in die USA. Wenn sie auch nicht von der Masse angenommen wurden, so hinterließen sie doch bleibenden Eindruck auf Gene Simmons und Paul Stanley, die wenig später Kiss aus der Taufe hoben. So machten Kiss nie einen Hehl daraus, daß sie die Art und Weise, wie die Band auf dem Album „Alive“ mit dem Publikum umging, später in die Kiss-Auftritte einfließen ließen.
1973 erschien „Cum on feel the noize“ und landete sofort auf Platz 1 der Charts. Aber auch „Skweeze me pleeze me“ und der Weihnachtskracher „Merry Xmas everybody“ landeten schnurstracks auf der 1. Letzteres wird jedes Jahr wieder aufs neue ein Rentier, ähem Renner...;-)
Mit „Far far away“ zeigten Slade, daß sie auch mit Balladen Erfolg haben können. Aber 1974 war auch ein schweres Jahr für die Band. Don Powell, der Schlagzeuger, fuhr unter Alkoholeinfluß noch Auto und hatte einen schweren Verkehrsunfall. Als Folge des Unfalls verlor er den Geschmackssinn und auch sein Gedächtnis. Seine Freundin, die mit im Wagen saß, verlor das Leben. Es sollte Jahre dauern, bis Powell wieder in der Band spielen konnte. Zur Single „My friend Stan“ saß er aber bereits wieder am Schlagzeug. Angeblich auf Anraten seiner Ärzte. Von August bis Oktober 1974 arbeiteten sie an dem Film „Slade in flame“.
1976 begann der Stern von Slade in Großbritannien zu sinken. Sie standen einfach zu wenig auf heimatlichen Bühnen. Slade versuchte krampfhaft in Amerika Fuß zu fassen und verloren so fast ihre Wurzeln und das warf sie erstmal aus der Bahn. Auch liefen ihre Plattenverträge mit „Polydor“ und „Warner“ aus. Man bemühte sich nicht, um eine Verlängerung. Chandler gründete jetzt selbst das Label „Barn Records“. Der immer mehr in den Mainstream drückende Punk und New Wave arbeitete zusätzlich gegen den Glamrock. Das Ende von Slade und „Barn“ schien nahe.
Die Hilfe nahte in Form eines anderen Labels, welches der Bruder Jim Leas ins Leben rief. „Cheapskate“ wurde gegründet und unter dem Bandprojekt The Dummies veröffentlichten die Brüder neue Versionen alter Slade-Kracher. Es brachte Slade zwar aus den roten Zahlen, aber die Band hatte ja nicht viel davon, da das Original anscheinend keiner wollte. Ende der 70er war dann auch wieder ein finanzielles Ende in Sicht und auch unter den Bandmitgliedern rauchte es gewaltig. Alle schrieben Slade bereits ab. Beruflich gingen die Mitglieder nun auch eigene Wege.
1980 wurde die Band allerdings für ein Comebackkonzert überredet. Sie sollten anstelle Ozzy Osbourne den Hauptact auf dem „Reading Festival“ übernehmen. Erst dachten die Organisatoren sich damit einen riesen Fauxpas geleistet zu haben, da die Band bereits nach den ersten Tönen ausgebuht wurde. Aber Slade sind nunmal Slade und rissen das Ruder noch rum. Alle Klassiker wurden runtergerotzt und es war nicht ein einziges Lied für eine Zugabe über, sodaß im sonnigen August vom Publikum lauthals „Merry Xmas everybody“ gefordert wurde und Slade spielten den Hit runter. Sie waren wieder da. Aber Manager sind nunmal meist miese geldgeile Typen und so wehrte Chandler sich nicht nur gegen eine Minigage, da Slade ja nicht auf der Liste standen, sondern behielt den Löwenanteil auch noch für sich. Weitere erfolgreiche Auftritte kurbelten aber die Plattenverkäufe wieder an und die Band war wieder im Geschäft.
1981 wurde bei einem neuen Label die LP „Til deaf do us part“ veröffentlicht und was komischerweise Vergleiche mit Iron Maiden einbrachte. Aber was soll's?!? Der Band konnte es nur recht sein. Slade wollten spielen und Platten verkaufen. Nachdem Quiet Riot den Klassiker „Cum on feel the noize“ coverten, wurde die Nachfrage in Amerika auch größer. Von dem Lied haben die 4 Skins übrigens auch ein geniales Coverstück abgeliefert. Lieder wie „My oh my“ und „Run runaway“ tauchten in den europäischen Charts auf und die Band erlebte ein Comeback. Musikalisch klang alles moderner und zeitgemäßer. Teilweise klang es auch nicht mehr nach Rockmusik sondern nach Metal. Auch wechselte man den Produzenten und konnte John Punter für den Job gewinnen, der bereits mit Queen arbeitete. Allerdings stieß dieser auch altbewährte Gewohnheiten Slades ab. Waren bisher immer alle Lieder als Liveaufnahme eingespielt, sollte jetzt jeder allein sein Set einspielen. Dadurch verlor Slade auch viel von ihrem musikalischen Charme, da alles zu glatt klang. An alte Erfolge konnten sie dann auch nicht mehr anknüpfen.
Es kam dann Mitte der 80er auch vorerst zu keinen weiteren Auftritten. Krankheiten und Ehekrisen fielen über die einzelnen Mitglieder wie Geier her. Auch war Holder nun gar nicht mehr begeistert von den alten Gassenhauern und bezeichnete die Songs teilweise als völlig blöd. 1987 gab Holder dann auch seinen Abschied aus der Band bekannt und arbeitete fortan als Radio-DJ, Komiker und Werbemodell.
In Urbesetzung trat man 1991 nochmal auf, um den Fans ein Lied zum Besten zu geben. In diesem Jahr erschien auch das Best of...-Album “Wall of hits“. 1992 kam es dann nochmal zu einem Auftritt in Originalbesetzung bei „Wetten dass...?“.
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