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„Pure Impact“ (Belgien)
Aus der #14: Hallo Peter. Bitte erzähl meinen Lesern mal etwas über Dich und über Dein Label und Mailorder.
Da gibt es nicht viel zu sagen. Annähernd 40 Jahre alt, bin seit 1982 Skinhead und fing Ende 1995 mit dem Label und Vertrieb an.
Bevor wir zum Label kommen, möchte ich mit Dir über das Zine “Pure Impact” sprechen, welches Du ja von 1985-1995 raus gabst. Wie kamst Du dazu, ein Fanzine herauszugeben?
"Pure Impact", das Zine, wurde tatsächlich nicht von mir, sondern von einem Freund 1984 ins Leben gerufen. Er gab zuerst ein Zine unter dem Titel “Unite & win“ heraus. Das war noch ein Punk- und Skinzine, man erinnere sich, daß es 1983 war. Nach 4 Ausgaben begann er mit dem „Pure Impact“-Zine, welches dann ein reines Skinzine war. Nach 5 Ausgaben gab er es an mich weiter, da er aufgrund eines neuen Jobs zu wenig Zeit für das „Pure Impact“ hatte. Ich konnte zuvor schon einige Erfahrungen sammeln, indem ich Interviews fürs "Pure Impact" und das amerikanische Zine "Bulldog Breed" machte.
Welche Erinnerungen an diese Zeit sind in positiver Weise, und welche im schlechten Sinne hängen geblieben?
Das Zine brachte eine Menge Spaß und es war sehr aufregend, bekannte und großartige Bands von überall auf der Welt zu entdecken und darüber zu schreiben. Die Leute strengten sich im allgemeinen viel mehr an, etwas über Bands zu erfahren als heute. Man kaufte mehr Zines usw... Im allgemeinen war es aber auch nicht so einfach, an Informationen über Bands ran zu kommen, wie jetzt im Internetzeitalter. Man mußte sich wesentlich mehr bemühen, um etwas in Erfahrung zu bringen.
Kam das Aus für das Zine durch den Start des Labels und des Mailorders?
Ja, es war unmöglich beides fortzuführen und darüber hinaus noch in Vollzeit zu arbeiten. Es war an der Zeit, etwas anderes zu machen. Es gab auch nicht viele Labels 1995, aber einen Haufen an Scheißmusik. Und als Sammler wollte ich Bands produzieren, die ich selbst mag. Die Qualität sollte auch nicht zu kurz kommen, so sollten dicke Booklets selbstredend für eine Veröffentlichung sein. Also das Gegenteil von dem, was derzeit von den meisten Labels so auf dem Markt geschmissen wurde.
Wie kam die Idee ein Label und Mailorder ins Leben zu rufen? Welche Probleme gab es zu Beginn?
Was ausschlaggebend dafür war, dürfte die vorige Frage gut beantworten. Ich wollte ursprünglich, nur ein Label gründen, das Lustige daran ist, daß der Mailorder notwendig war, Geld für Veröffentlichungen rein zu bekommen. Es gab keine wirklichen Probleme zu Beginn, außer wenn man das große Geld machen wollte.
Ich denke, daß die Kontakte aus der Zinearbeit bei der Gründung von “Pure Impact” sehr hilfreich waren, stimmt das?
Unbedingt! Ich hatte all die Kontakte zu anderen Labels usw. ja schon, Leser des Zines waren die ersten Kunden usw.. Ohne das Zine, so denke ich, wäre das alles nicht möglich. Es gab hier nie eine große Szene wie beispielsweise in Deutschland, oder aber in anderen Ländern.
Arbeitest Du nur für das Label und den Versand, oder mußt Du noch zusätzlich einer Arbeit nachgehen?
Ich habe einen Vollzeitjob, "Pure Impact" ist immer noch etwas, was ich aus Liebe zur Musik und der Szene heraus mache. "Pure Impact" und die Arbeit nehmen etwa 16-18 Stunden des Tages in Anspruch, da bleibt nicht wirklich Zeit für etwas anderes. Das ist dann die schlechtere Seite an allem.
Bewältigst Du die Versandarbeit allein, oder hast Du Unterstützung?
Ich mache alles allein..
"Pure Impact" ist nicht nur ein Versand und Du produzierst auch Musik für die Szene. Welche Bands kommen für Dein Label in Frage und welche nicht?
Nur Bands, die ich mag, bekommen auch einen Vertrag; dabei interessiert mich aber nicht, ob sie sich gut oder schlecht verkaufen lassen, das sind keine ausschlaggebende Fakten. Ich möchte gute Musik veröffentlichen und das ist nunmal subjektiv...
Wie viel eigene Produkte erschienen bereits auf “Pure Impact”? Was waren die besten Sachen Deines Labels und was die weniger guten, wenn es sowas gibt?
Bisher kam ich auf 36 Veröffentlichungen, davon 33 CDs, zwei 7's und eine DVD. Ich mag jede Veröffentlichung, doch besonders stolz bin ich auf die Ultima Thule-DVD, das ist auch eine meiner Lieblingsbands seit Ewigkeiten. Retaliator war auch eine ziemlich große Entdeckung, eine authentische Skinheadband, und das aus England, was ja längst nicht mehr alle sind nach den 1980ern. Die schlechteste Veröffentlichung? Schwer zu sagen, es gibt bestimmt Bands, die musikalisch nicht so begabt wie andere waren, aber ich mochte dann trotzdem deren Elan. Alle Outputs bedeuten mir persönlich etwas.
Mit was für einer Auflage kommt eine Veröffentlichung bei Dir raus?
In der Regel mit 1000. “Pure Impact” ist ein sehr kleines Label, kein Vergleich zu den größeren deutschen Labels.
Erscheinen bei Dir auch Wiederveröffentlichungen?
Ich sorgte für zwei Wiederveröffentlichungen. Das sind die Youthful Offenders und Battle Cry, weil sie nur auf LP erschienen sind. Ich bin normalerweise nicht dafür, Wiederveröffentlichungen rauszubringen, da auch neue Bands es verdienen, gehört zu werden. Es gibt viele Labels, die nur Wiederveröffentlichungen produzieren, da das sehr billig ist. Laßt Euch nichts anderes erzählen!
Du vertreibst Musik von Streetpunk über Oi! Bis hin zu RAC, welche Musik läuft am besten?
Es ist wirklich gemischt, was die Leute bei „Pure Impact“ kaufen. Sie lieben Musik aller Art der verschiedensten musikalischen Genres die einen Skinheadbezug haben und bestellen diese. Dem komme ich nach. Es ist ja auch nicht so, daß man keine gute RAC-Band genießen kann, weil man apolitisch ist und umgekehrt.
Aus welchen Ländern kommen die Besteller am häufigsten?
Belgien, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland und Spanien.
Du opferst viel Zeit der Szenemusik. Was sind Deine privaten Favoriten?
Eigentlich dieselbe Musik, ein bißchen Indie, etwas Ska wie Madness, einige Cranberries-Sachen und einige andere Dinge. In der Hauptsache aber skinheadrelevante Musik.
Du bist bereits lange Zeit in der Szene. Geb doch mal eine Geschichte zum besten, die immer in Deinen Erinnerungen ist, egal wie gut oder schlecht sie ist...
Meine Reisen nach London in den frühen bzw. Mitte der 80er sind unvergeßlich. Dort fühltest du wirklich, daß du ein Teil von dem allen warst. Skinhead war ein wirklicher Straßenkult, ohne den ganzen Peace- und Liebesscheiß. Weder Spirit of '69, noch 28. Man hing mit Skinheads aus London, Hemel, ab, besuchte den „Last Resort“-Shop usw. Es war sehr aufregend zu der Zeit ein junger Bengel zu sein.
Jetzt ist Zeit für letzte Worte, Grüße, oder was Du sonst noch an die Leser richten möchtest.
Gut, ich bin nicht der große Redner, aber ich danke Dir, Meik, für das Gespräch. Viel Glück mit Deinem Zine und Gratulation zu den vielen Jahren, die Du das schon machst. Grüße an jeden dort draußen, „Pure Impact“ Fans und Besteller von früher, jetzt und auch der Zukunft.
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