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Motown Records (Amerika)

Aus der #17: Die „Motown Record Company“ wurde 1959 noch unter dem Namen „Tamla Record Company“ in Detroit gegründet. Außerhalb der USA ist die Record Company teilweise auch unter „Tamla Motown“ bekannt. Vor allem durch Produktionen von Rhythm & Blues, Soul und später Popmusik. 1988 wurde das Traditionsunternehmen an „Universal“ verramscht und es diente nur noch der Vermarktung von Mainstreammusik. Der Firmensitz befindet sich nun in New York.

Der Name „Motown“ ist eine Ableitung von „Motor Town“, was sich auf die Autostadt Detroit bezieht.

Berry Gordy Jr. fing als Songschreiber für Jackie Wilson und The Matadors an, das war 1957. Durch den ersten Erfolg des Wilson-Songs „Lonely Teardrops“ leckte Gordy Blut und witterte das große Geld, wenn er fortan nicht nur Lieder für „seine“ Künstler schreibt, sondern diese auch vertraglich an sich bindet und die Produktion und den Vertrieb übernimmt. So wurde 1959 „Tamla Records“ gegründet. Sein Startkapital bestand aus 800 US-$, das Geld erhielt er von seiner Familie als Darlehen.

Die ersten Musiker, die er unter Vertrag nahm waren die Matadors, die sich später in The Miracles umbenannten. Smokey Robinson war nicht nur Sänger der Miracles, sondern wurde auch zum Vizepräsidenten des aufstrebenden Unternehmens. Aber auch Gordys Schwester und sein Vater wurden mitbestimmende Kräfte des Labels. Die erste Veröffentlichung im Gründungsjahr war Mary Johnsons „Come to me“. Der erste Hit des Labels sollte Barrett Strongs „Money“ werden. Dieser schaffte Platz 2 der amerikanischen Billboardcharts.

1960 wurde von Gordy ein Einfamilienhaus in Detroit gekauft, das Haus zierte ein Schild mit der Aufschrift „Hitsville USA“. Das einstige Fotolabor im Erdgeschoß wurde zum Aufnahmestudio umgebaut. Die Familie bewohnte den oberen Teil des Hauses. Das nun gegründete Sublabel „Motown Records“ wurde zum Namensgeber des Mutterlabels. Gordy kaufte binnen der nächsten Jahre immer weitere Häuser in der Nachbarschaft und baute diese zu Geschäftsräumen und Studios aus. Das Label wurde nach und nach zu einem Imperium. 1968 zog die Firma in die Stadt um, lediglich das erste Studio wurde weiter für Aufnahmen genutzt und es war rund um die Uhr besetzt.

„Shop around“ von den Miracles erreichte im Januar des Jahres 1961 den zweiten Platz der Hitparade. Es war die erste Scheibe „Motowns“, die sich mehr als eine Million Mal verkaufen sollte. Jetzt stießen auch Künstler wie die Supremes mit Diana Ross, der damals 11jährige Stevie Wonder und die Temptations, sowie Marvin Gaye zu dem erfolgreichem Label. Im Dezember des Jahres hatte „Motown“ mit „Please Mr. Postman“ von den Marvelettes den ersten Nummer 1-Hit. „Motowns“ Künstler sorgten in den 60er Jahren immer wieder für Charterfolge. Auch wurde die gesamte Musikszene durch den Stil des Labels dadurch mit beeinflußt.

Fünf Jahre nach dem ersten Nummer 1-Hit eröffnete Gordy auch in Hollywood ein Studio, um dort seine Künstler zu TV- und Filmstars zu machen und darüber hinaus für die Soundtracks zu sorgen. Kein Licht ohne Schatten und so mußte sich Gordy Anfeindungen gefallen lassen, nur Kohle im Kopf zu haben und alles kommerziell auszuschlachten.

1970 holte sich Gordy ein weiteres Zugpferd ins Boot. Mit den Jackson 5 und dem, damals noch schwarzen, 11jährigen Michael Jackson hatte „Motown“ den jüngsten Sänger überhaupt auf Platz 1 der Hitparade gebracht. Kein anderer Act brachte in den 70ern mehr Platten auf dem Markt und so wurden die Jackson 5 der erfolgreichste R&B-Act des Jahrzehnts.

In den 10 Jahren zwischen1961 und 1971 verbuchte das Label 110 Top 10-Hits.

Was aber machte den Erfolg der Künstler und des Labels aus? Es war mit Sicherheit nicht nur das musikalische Können. Den Musikern wurde eine Stange von Benimmregeln etc. auferlegt. In der von weißen dominierten Musikszene konnte es, nach „Motown“, ein schwarzer Musiker zu etwas bringen, wenn er tadellos in Auftreten und Aussehen ist. Letzten Endes wurde das Gentlemenlike-Auftreten der Künstler, neben der Musik, zum Aushängeschild des Labels.

Auch setzte das Label auf hochwertige Qualität der Produkte und es fanden wöchentliche Diskussionen zu den anstehenden Veröffentlichungen statt. Jede Veröffentlichung mußte kompatibel mit der Top5 der jeweiligen Veröffentlichungswoche sein.

Neben den guten Songschreibern verfügte „Motown“ mit den Funk Brothers über erstklassige Studiomusiker, die für die verschiedenen Stars jederzeit zur Verfügung standen.

Nachdem erfolgreiche Songwriter aufgrund von Differenzen bei „Motown“ ausstiegen, sank der aufstrebende Stern und darunter litt natürlich auch die Qualität der Musik. Auch die Chartplatzierungen gingen zurück. Dennoch fanden nach wie vor namhafte Musiker den Weg zu „Motown“, so u.a. Lionel Richie und die Commodores, Rick James, Teena Marie und De Barge.

1972 wurde dann der Hauptsitz nach LA verlegt. Wieder einmal, um mehr ins Filmgeschäft eingreifen zu können. Der Film „Lady sings the blues“ mit Diana Ross entstand unter Mitwirkung von „Motown“.

Ab Mitte der 80er fuhr das Label zunehmend Verluste ein. Gordy sah sich gezwungen das einstige Erfolgslabel für 61 Mio. US-$ an „MCA/Universal“ zu verkaufen. Nun wurden die getrennt funktionierenden Label „Motown“, „Tamla“ und “Gordy“ zu „Motown“.

In den 90ern schaffte es “Motown“ zwar mit zweifelhaften Popbands wie Boyz II Men wieder in die Charts, aber aus der Krise kam die Traditionsfirma nicht. So drehte sich das Karussel der Geschäftsführer schneller und schneller. Die Vermarktung wurde vernachlässigt und der einst stolze Dampfer „Motown“ wurde als abgetakelte Fregatte an „PolyGram“ veräußert.

1998 wurden weiterhin zweifelhafte Künstler für „Motown“verpflichtet, wahre Zugpferde wie Diana Ross (die Zähne deuten auf den Namen hin...) und Smokey Robinson verließen das sinkende Schiff. „Motown“ wurde nun durch „Universal Music Group“ übernommen und diese überlegten, ob es ein Aufgeben der Traditionsfirma ins Auge fassen sollte. Man wollte es mit einer Umstrukturierung des Unternehmens versuchen. Mit Stevie Wonder hatte das Unternehmen nur noch einen Künstler aus den Anfangstagen an Bord. Dies liegt vielleicht daran, daß er neue Angebote nicht annehmen kann, da er diese aufgrund seiner Blindheit nicht lesen kann, aber Spaß beiseite. Jetzt dümpelt „Motown“ mehr oder minder erfolglos dahin.

 

„And remember – the first Monday of the month is Motown Monday!“