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Laurel Aitken (Jamaika)

Aus der #18: Geboren wurde Laurel Aitken im Jahr 1927 auf Kuba und bis 1938 wuchs Laurel dort heran, dann wanderte seine Familie nach Kingston auf Jamaika aus. Hier trat er auch die ersten Male anläßlich von Bühnencontests auf. Erste Einflüsse war die new orleansche Boogiemusik. Aus dem Zusammengehen des Boogie und des jamaikanischen Calypso entwickelte sich dann nach und nach der Ska. Seine alten Werke sind auch noch sehr geprägt vom Rythm & Blues. Letzten Endes muß man Aitken als einen der Urväter des Ska bezeichnen.

Seinen ersten Erfolg konnte er 1957 verbuchen, als Aitken beim Gesangswettbewerb alle anderen Konkurrenten hinter sich ließ und mit dem Rythm- & Blues-Song „Pennies from heaven“ die Siegprämie von 2 Pfund einheimste. Sein Name war plötzlich in aller Munde und wenn er sich in seinen Schaffensjahren auch keine große Mainstreamfangemeinde zulegen konnte und auch nicht von millionenschweren Plattendeals erdrückt wurde, so bekam er jenseits des Glamours viel treuere Fans. Trotz des ersten Erfolgs arbeitete Laurel Aitken weiter im Hafen und sang für Touristen.

Er wollte aber nun auch eine eigene Single rausbringen und mit den Titeln „Little Sheila/Boogie in my Bones“ preschte er in die heimatlichen Hitparaden und blieb gut 10 Wochen an der Spitze. Spätestens jetzt konnte jeder Musikliebhaber auf Jamaika etwas mit dem Namen Laurel Aitken anfangen.

Bootlegs von Aitkens Songs waren bei den westindischen Einwanderern in England sehr populär und das bekam auch das Opfer der Piraterie mit und so wanderte Laurel Aitken Anfang der 60er nach Großbritannien aus, um dort seine Karriere fortzusetzen. Das gerade gegründete „Island“-Label und sein Gründer Chris Blackwell griffen Aitken nicht ganz uneigennützig unter die Arme. Aber auch für andere Labels wurde er aktiv. Zu der Zeit war es Standard, daß lediglich die Sänger ins Studio geholt wurden und sie dann zusammen mit professionellen Studiomusikern ihre Stücke einspielten. Hier gab es dann auch Parallelen zum Soullabel „Motown“, wo das auch zur Firmenpolitik gehörte. In Großbritannien war das in Sachen Ska meist die Gruppe The Skatalites.

Als aus Ska die Unterart Rocksteady wurde, war auch Aitken hieran nicht unbeteiligt und der populäre Mainstream-Rasta Bob Marley wurde von Laurel Aitken mit in die Spur gebracht. Zahlreiche Stücke von Aitken wurden bei „Pama“ veröffentlicht und das Lied „Landlords and tenats“ war Teil des Soundtracks zum Modfilm „Absolute Beginners“.

Wesentlicher war aber sein Einfluß auf die Skinheadszene zuerst durch Ska, Rocksteady und dann dem Skinhead Reggae. Immer wieder wurden Skinheads in Aitkens Songs thematisiert und er grenzte seine größte Fangemeinde nie aus und machte sich immer wieder stark für den Kult. So sagte er mal sinngemäß: „Ich mag es nicht, wenn Skinheads zu meinen Konzerten kommen. Ich liebe es!“ Auch bezeichnete er sich in Interviews immer wieder selbst als Teil dieser Subkultur. Untermauert wurde dies auch durch das Tragen von Perry-Polohemden und dem Pork Pie, beides längst auf ewig eingebranntes Bild in Zusammenhang mit Laurel Aitken.

Als die Skawelle etwas abklang, verdiente er sich etwas Geld, in dem er in Bars spanische Lieder zum Besten gab.

Zum Ende der 70er erwachte eine neue Skawelle und Gruppen wie Madness, The Specials, The Beat, Bad Manners und The Selecter weckten in den Hörern die Neugier auf die Urväter des Ska. So konnte Laurel Aitken 1980 mit „Rudi got married“ die britischen Charts erklimmen. Der Song ist eine Fortsetzung des Dandy Livingstone-Klassikers „A message to you Rudi“.

Allerdings war die neue Skawelle in ihren Texten teilweise auch sehr politisch und das sagte Aitken nie zu. Eine Einlassung von Laurel Aitken in einem Interview dazu: „Politische Bands, ob Ska oder nicht, mag ich nicht so gerne - das führt nur zu Prügeleien und Ärger bei den Konzerten. Vielleicht ein bißchen ... ich mag's nicht. Seinerzeit habe ich The Beat vorgezogen, aber die Specials und Madness mochte ich auch.“.

Das deutsche „Grover“-Label brachte seit Mitte der 90er etliche Platten des Meisters raus und kramte auch längst vergriffene Werke wieder aus. Mit „En Espanol“ spielte Aitken ein komplettes Album in spanischer Sprache, seiner Muttersprache, ein. 2001 erschien das erste Studioalbum seit 6 Jahren. Als Kombo für die musikalische Untermalung wurde eine deutsche Nachwuchshoffnung namens Court Jesters Crew genommen.

Selbst in hohem Alter von über 70 Jahren stand Laurel noch auf der Bühne und begeisterte Kritiker und Publikum zugleich.

Ende 2003 zog er sich eine schwere Lungenentzündung zu und mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden. Trotz anders lautender Meinung der Ärzte erholte sich Laurel Aitken wieder und erklomm abermals die Bühne. 2005 trat er anläßlich eines Tributkonzerts das letzte Mal vors Publikum. Im Sommer des Jahres erlitt er einen Herzanfall im Krankenhaus im englischen Leicester und verstarb daran.

Trotz seiner Erfolge ist er immer auf dem Boden der Tatsachen geblieben und eine Karriere im Mainstream war ihm nicht vergönnt, allerdings ist er der ungekrönte „Godfather of Ska“ und das ist schließlich mehr wert als Hitparadenerfolge und kreischende Teenies ohne Hirn.