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Judge Dread (England)
Aus der #14: Unter dem Namen Alexander Minto Hughes wurde Judge Dread am 2. Mai 1945 im britischen Kent geboren.
Er war der erste weiße Musiker, der auch in Jamaika Erfolg hatte und er war auch der erste Weiße, der beim “Trojan”-Label unter Vertrag kam. Um höhere Verkaufszahlen der Platte “Big Six” zu erreichen, wurde die Platte ohne Foto veröffentlicht. Guten Reggae traute man Weißen einfach nicht zu..., daß das ein großer Fehler war, sollte Judge Dread allen Zeigen!
Textlich ging es bei Judge Dread immer sehr derb und auch sexistisch zu, was aber eher spaßig und ironisch gemeint war. Das brachte Judge Dread auch einen Eintrag ins “Guinness Buch der Rekorde” ein.
Vor seiner Musikerkarriere war Mr. Dread als Profiringer, Roadie, Türsteher und Rausschmeißer in Clubs, Pubs und auch im Rotlichtmilieu unterwegs. Für Prince Buster und die Stones war er Leibwächter.
Zur Musik zog es ihn durch die in der Nachbarschaft wohnenden Rude Boys. Das waren schwarze Jugendliche, die sich in Gangs zusammenschlossen und deren Musik, Ska und Reggae, auch für weiße Jugendliche nicht ohne Wirkung war. Gerade für die in den '60er Jahren entstehende Skinheadbewegung war diese Art von Musik die gesuchte Abgrenzung zum gerade populären Hippiemusikzirkus. Auf einer Party in einem Keller hörte der junge Dread zum ersten Mal jamaikanische Musik und war begeistert davon. Judge Dread sollte nicht nur einer der bekanntesten, sondern auch einer der abstrusesten Musiker dieses Genres und der Skinheadszene werden.
Ende der '60er Jahre begann er dann als DJ zu arbeiten und trat als Sänger mit wechselndem Gefolge auf. Auch ein eigenes Soundsystem konnte er sein Eigen nennen bzw. betrieb ein solches. Der später überall bekannte Name “Judge Dread” stammte aus einem Prince Buster Stück. Er war bekannt dafür, daß er sich die Platten immer direkt an den Schiffen im Hafen besorgte, um diese als erster spielen zu können. Die Plattenlabel (Etiketten) wurden dann meist entfernt, oder unkenntlich gemacht, damit andere nicht sahen, was für eine Platte das jeweils war. Unter den Soundsystems und DJs herrschte damals erbitterte Konkurrenz.
Er veranstaltete Auftritte mit Reggaegrößen und brachte so schwarze Musiker in Gegenden, die zuvor noch kein Schwarzer betreten hatte. Das waren noch andere Zeiten...
Auch verdiente er etwas Geld als Schuldeneintreiber. Kurios hieran ist, daß Judge Dread auch Schulden für sein späteres Label “Trojan” eintrieb, welches ihm später, nach dem Konkurs, noch eine Menge Geld schuldig blieb... Für den Hausgebrauch machte er dort auch für wenig Geld eine Aufnahme, einer von ihm bei Auftritten immer wieder gespielten B-Seite, gepaart mit seinem Gesang. Das war der Durchbruch für ihn und der Rest ist Geschichte.
Waren seine schwarzen Vorgänger schon nicht prüde, was sexuelle Anspielungen in den Liedern betraf, so übertrumpfte der britische Reggaestar dies um ein weites. Meinte dies aber nie bös, oder gar all zu ernst. So wurden seine Stücke im Radio meistens boykottiert. Der Bekanntheit von Judge Dread stand dies aber nie im Wege. Er hatte insgesamt 16 Hit-Singles und verkaufte annähernd 20 Millionen Platten in der ganzen Welt. Wie oben schon erwähnt, schaffte Dread es so ins Buch der Rekorde. Judge Dread war auf dem Sender BBC der Künstler mit den meisten gesperrten Liedern aller Zeiten...;-)...;-( Aber gerade die mit britischen Humor dargebotenen Texte machten ihn zur Kultfigur und das vor allem in der Skinheadszene. Er distanzierte sich auch nie von seinem Skinheadpublikum, ganz im Gegenteil, er bekannte sich auch zu ihnen.
“Zum ersten Mal sah ich Skinheads zur Zeit der Mods. Daraus entwickelte sich die ganze Skinheadsache. Urplötzlich wurden einfach die Haare kürzer. Damals waren meine Haare natürlich auch kurzgeschoren, denn in meinen Job als Ringer mußte ich oft eine Maske tragen. Es war Mitte der '60er, als ich sie das erste Mal sah, so um 1966, aber erst 1968-69 wurde es richtig groß. Bank Holidays waren etwas großartiges – man mußte nur nach Margate fahren, um sie dort herumstolzieren zu sehen. Aber, um fair zu sein, wenn man über Randale redet... ich habe gesehen, wie die Presse sie den Strand hat auf und ab laufen lassen, um Fotos schießen zu können und gesagt hat, 'rennt hier lang, rennt dort lang'. Und drei Tage später prangte es dann von den Titelblättern der Zeitungen – 'Skinheads laufen Amok!'.”
Sein bekanntestes Lied war “Little Boy Blue”, besser bekannt unter “Big Six”. Das Lied schaffte es Anfang der '70er bis auf Platz 11 in den englischen Hitparaden. Da “Big Five” von Prince Buster eine große Nummer war, wurde das Stück einfach in “Big Six” umbenannt, um Erfolg zu garantieren. Stücke wie ”Big Seven” bis hin zu “Big Ten” folgten. Allerdings waren diese nicht so erfolgreich wie das “Little Boy Blue”.
1973 trat er zusammen mit Bob Marley und anderen Stars zugunsten der Äthopienhilfe auf und spielte auch eine Single dafür ein. Das Stück war ein Coversong und damit nicht anrüchig wie es die Songs von Judge Dread eigentlich waren. Den Radiosendern reichte allein der Interpret für einen Boykott aus. Aber so ist es ja auch heute, denn für vermeintliche gute Aktionen darf halt nicht jeder spielen...;-(
Mitte der '70er war dann die erste Hochzeit der Skinheads vorbei. Doch mit dem Aufkommen der neuen Skinheadwelle erinnerte sich auch The Judge an den Kult und veröffentlichte den Skinheads zu Ehren ein Album. Das Album ist das “Last of the Skinheads” und auch der Song “Bring back the Skins” sicherte Dread einen immer währenden Platz in den Herzen und Musiksammlungen vieler Skinheads.
In den '90ern veröffentlichte er zusammen mit den Mainstreammusikern von Dr. Ring Ding eine Re-Release von “Big Seven”, diese fand nochmal große Beachtung.
Mit 53 Jahren erlitt er 1998 auf einer Bühne in Canterbury einen Herzanfall und verstarb. Für den Musiker mit Herz am richtigen Fleck und großen Humor wohl ein würdiger Abschied.
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