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John Peel (England)
Aus der #18: Geboren wurde John Peel unter dem Namen John Robert Parker Ravenscroft in einem Dorf nahe Liverpool. Nach der Armee zog es ihn 1962 nach Amerika. Dort arbeitete er als Aushilfe bei einem Radiosender in Dallas. Die Amerikaner entdeckten gerade ihre Liebe zu den Beatles und somit war Ravenscroft mit seinem nordenglischen Akzent sehr beliebt und begehrt. Er avancierte zu einen Beatles-Experten mit eigener Radiosendung, obwohl es zum wahren Experten da noch nicht reichte. Aufgrund von Problemen mit Behörden in den USA kehrte Peel 1967 Amerika den Rücken und ging zurück nach Großbritannien.
Hier setzte er seine Radiokarriere bei einem Piratensender, auf einem Schiff vor der englischen Küste, fort. Hier soll Gerüchten zufolge auch das Pseudonym John Peel entstanden sein. Eine andere Geschichte besagt, daß ihm der Name von einer Sekretärin gegeben wurde. Da ein Piratensender nun nicht gerade legal ist, wurde dieser irgendwann verboten. Doch es war nicht das Aus für den umtriebigen Peel. Die BBC nahm ihn unter Vertrag und er erhielt Arbeit auf dem neugegründeten Popsender BBC Radio 1.
Das schien Peel nicht zu reichen und so gründete er 1969 sein eigenes Plattenlabel namens „Dandelion Records“. Hier sollte das Debut einer von ihm entdeckten Band erscheinen. Das Label existierte etwa drei Jahre und brachte es auf 27 Alben von 18 Bands und Künstlern. Auch Verhandlungen mit Black Sabbath standen ins Haus und wer weiß, wie es um die Musik von anderen Künstlern gestanden hätte, wenn John Peel sich nur noch um eine Band gekümmert bzw. keine Zeit mehr für seine Radiosendungen hätte...
Peel ließ sich in die Musikauswahl seiner Sendungen nie reinreden und es war immer auch sein eigener Geschmack, der durch die Sendungen widergespiegelt wurde. „In der ganzen Zeit, in der ich bei der BBC gearbeitet habe, haben sie nie versucht, in das Musikprogramm einzugreifen“, so Peel. Aber auch äußere Kritiken zu dieser oder jener Richtung ignorierte er und machte trotzig das Gegenteil vom Geforderten. So erhielt er in der Anfangsphase des Punx andauernd Briefe mit der Forderung mehr Punk und weniger Soul zu spielen, Peel ignorierte solche Briefe und erwiderte ein „Fuck you!“ und spielte nun gerade Soul.
Zeitlebens war er im Radio Vorreiter neuer Stile und er brachte die Musik zuerst unter breite Massen. Das galt für Reggae, Punk, aber auch für Hip Hop. Oft entstanden die Sendungen auch von seinem Wohnsitz aus bzw. wurden von dort übertragen. Zu den Bands machte er meist nur kurze Angaben, aber das wichtigste wurde gesagt. John Peels Sendungen waren immer eine wilde Stilmischung aus allem, was die Musikwelt vorrätig hielt. Er wollte laut Eigenaussage „...eine Balance zwischen Stücken, von denen man weiß, daß Leute sie mögen und aus Stücken, von denen man denkt, daß Leute sie mögen...“ herstellen. 85 % der von Peel gespielten Sachen war vorher noch nie im Radio zu hören und wäre vielleicht ohne Peel auch dort nie zu hören gewesen.
Am bekanntesten sind wohl die sog. „Peel Sessions“. Hier lud der Moderator Bands und Musiker zu sich ins Studio ein und es wurden Aufnahmen ohne großen Schabernack live binnen weniger Studen eingespielt. Viele erschienen dann auf Platte. Zu den ersten „Peel Sessions“ zählten u.a. The Damned und Pink Floyd. Für diese „Sessions“ wurde extra das Label „Strange Fruit Records“ gegründet. Ende eines jeden Jahres wurden dann noch die 50 besten Stücke gekürt, die sog. „Festive 50“.
Peel wollte aber nicht nur neue Musik in seiner Sendung unterbringen, sondern spielte immer wieder ältere Sachen, die ihm persönlich sehr zusagten, und sorgte dafür für die ein oder andere Wiederentdeckung und -veröffentlichung.
John Peel wurde durch seine Sendungen unpopulärer Musik weit über die Grenzen des Königreichs bekannt und so arbeitete er auch für zahlreiche ausländische Sender und machte Programme für diese, darunter Sender aus Holland, Österreich, Finnland und auch Deutschland. In den brd-Wendewirren nahm sich auch der ostdeutsche Sender DT64 Peel an. Dieser Sender dürften ja einigen noch bekannt sein, da er gerade am Schluß immer wieder Sendungen mit unkonventioneller Musik machte. Durch die immer wichtigere Bedeutung des Internets konnten nun auch Peels Sendungen weltweit verfolgt werden. Peel war mit Sicherheit einer der bekanntesten Moderatoren von Untergrundmusik und unpopulären Stilen weltweit.
Ende der 90er befaßte sich Peel auch mit einer Sendung, in der gesellschaftliche Themen aufgegriffen wurden. Nebenher arbeitete er an seiner Autobiografie, die 2005 erschien. Die Rechte daran wurden mit über 2 Millionen T€ gehandelt, was einmal mehr den Einfluß Peels auf die Musikkultur untermauert. In dieser Kategorie bewegten sich nur die Rechte an Biografien von Lady Thatcher und David Beckham. Die Veröffentlichung erlebte der Moderator nicht mehr.
John Peel erhielt für seine Arbeit diverse Auszeichnungen, darunter mehrere Ehrendoktortitel und scharrte in den Jahren seines Schaffens eine große Fangemeinde um sich.
Die künstliche Popwelt kritisierte er immer wieder. Aus eigenen Erfahrungen erlebte er, wie einstige Freunde dadurch zu Fremden wurden und das nicht durch Drogenexzesse o.ä., sondern weil diese sich nur noch von der wirklichen Welt abschotteten.
Am 25. Oktober 2004 erlitt Peel im Alter von 65 einen Herzinfarkt und verstarb daran. Er hinterließ Frau und vier Kinder. Auf Peels Grabstein sollte die Zeile „Teenage dreams, so hard to beat“ aus dem Song „Teenage kicks“ (Dieser Undertones-Song war sein immerwährendes Lieblingslied) und sein Name stehen. Dies sagte er in einem Interview dem „Guardian“. An der Trauerfeier nahmen mehrere tausend Gäste teil, darunter etliche Musiker und Kollegen.
Mitte Dezember 2004 würdigte die BBC Peel in einer 6 Stunden langen Tributsendung. Die Sendung wurde europaweit von mehreren Radiostationen übertragen. Peels Sendung wurde erst von seiner Urlaubsvertretung übernommen, aber das Erbe Peels konnte er und andere nicht antreten, dazu war Peel einfach zu einzigartig. Ein Jahr später rief die BBC zum „John Peel Day“ auf und wollte das jedes Jahr Fans Gedenkveranstaltungen ins Leben riefen, um Peel zu würdigen. Dieser soll jedes Jahr am zweiten Donnerstag im Oktober stattfinden, um an Peels letzte Sendung, den 14. Oktober 2004, zu erinnern.
Nachfolgend nun eine Liste von Musikern und Bands, denen Peel eine Chance gab. Aus der ewig langen Liste habe ich etliche Musiker und Bands nehmen müssen, da das den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde. Ich habe aber zugesehen, daß hier in etwa ein Gleichgewicht von (inzwischen) bekannten Bands und Untergrundbands entsteht, damit durch die Aufzählung der immense Einfluß John Peels auf die Musikszene deutlich wird:
4 Skins, 999, AC/DC, Adam and the Ants (später unter Adam Ant bekannt), The Adicts, The Adverts, Laurel Aitken, Alien Sex Fiend, Angelic Upstarts, Attila the Stockbroker, Bad Religion, Barcley James Harvest, Black Sabbath, Blur, Bolt Thrower, The Boomtown Rats (einstige Band von Bob Geldof), David Bowie, Buzzcocks, Nick Cave and the Bad Seeds, The Clash, Cockney Rejects, Joe Cocker, Leonard Cohen, Crass, The Cranberries, The Cure, The Damned, Dead or Alive, Deep Purple, Depeche Mode, Einstürzende Neubauten, Fleetwood Mac, The Flying Pickets, Frankie goes to Hollywood, The Fugees, Generation X (hier startete Billy Idol als Sänger seine Karriere), Genesis, Jimi Hendrix, The Housemartins, Jesus and the Mary Chain, Jethro Tull, Elton John, Joy Division, The Kinks, Laibach, Led Zeppelin, The Lurkers, Madness, Manfred Mann, Bob Marley, The Merton Parkas, The Meteors, Motörhead, Napalm Death, Nazareth, New Model Army, New Order, Nirvana, Offspring, OMD, The Pogues, Police, Queen, REM, Redskins, The Selecter, Sham 69, Simple Minds, Siouxsie & the Banshees, Sisters of Mercy, Skrewdriver, Splodgenessabounds, Cat Stevens, Stiff Little Fingers, The Stranglers, Supertramp, T. Rex, Tears for Fears, Thin Lizzy, Die Toten Hosen, UB 40, UK Subs, Ultravox, The Undertones, The Vibrators, Wasps, X-Ray Spex.
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