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Jimmy Cliff (Jamaika/England)
Aus der #21: Jimmy Cliff wurde am 1. April 1948 unter dem Namen James Chambers auf Jamaika geboren. Er war ein Nachfahre geflüchteter Sklaven. Auch er war, wie viele andere, begeistert von den Soundsystems, die den Bewohnern die Musik auf die Straße brachten. Es war die Musik der Arbeiterklasse, denn Ausflüge in teure Tanztempel o.ä. war der reichen Mittel- und Oberschicht vorbehalten. Da die Eltern christlich geprägt waren und sie diese Musik nicht gerade für Gottes Segen hielten, stahl sich der junge Chambers oft davon, um der Musik der umherziehenden Soundsystems zu lauschen. So kam der Bengel Jimmy Cliff in Spe in den Genuß von Rumba, Rythm & Blues, Calypso, Merengay und anderen Stilen, die später mit im Ska aufgehen sollten.
Irgendwann gab es im Hause Chambers auch ein Radio und so konnte er nun auch abseits von Soundsystem-Veranstaltungen Musik hören und kam so auch in Berührung mit lokalen Größen wie Derrik Morgan oder Prince Buster.
Mit 13 verließ er die örtliche Schule und ging nach Kingston. Wäre es nach seinem Vater gegangen, hätte er dort eine weiterführende Schule besuchen sollen... Allerdings wußte Jimmy dort noch nicht unbedingt, wie es jetzt mit ihm weitergehen sollte... Arbeit auf den Bananenfeldern, oder etwa Zuckerrohr schneiden?!? Abendschule und dann eine Lehre?!? Cliff hatte vage ein Ziel vor Augen. Er wollte singen, so wie er es schon in der Schule gerne tat. Er änderte seinen Namen von Chambers in Cliff, der u.a. für seine hoch gesteckten Ziele stehen sollte. Der Start war alles andere als einfach für ihn. Er putzte Klinken bei Radio- und TV-Sendern, trat in Talentshows auf. Er gewann bei einigen, wurde aber auch oft genug um den Gewinn betrogen. Irgendwann traf er auf Leslie Kong und konnte ihn von einer Aufnahme überzeugen. Kong hatte anscheinend einen guten Tag und ließ es auf einen Versuch ankommen. So lebte Jimmy Cliff gerade mal ein Jahr in Kingston und hatte da bereits die erste Single unter dem Namen „Daisy got me crazy“ eingespielt.
Durch den Song „Hurricane Hattie“, welcher dann auch von Leslie Kong produziert wurde, erlangte der Musiker erste Bekanntheit. Seinem Produzenten Kong blieb er bis zu Kongs Tod treu. Das Lied kletterte in Jamaika bis auf Platz 1 der Chartpositionierungen. Auch wenn Cliff als Reggaekünstler bekannt wurde, so liegen seine ersten Gehversuche noch im Ska. „Daisy got me crazy“ und auch „Hurricane Hattie“ waren noch typische Skasongs. Wesentlich bekannter wurde Cliff allerdings mit seinen Reggaesongs und mit dem Song „Many Rivers To Cross“ des Soundtracks „The Harder They Come“ verhalf nicht zuletzt er dem Reggae zum weltweiten Durchbruch. Der Reggaefilm selbst war mit Cliff in der Hauptrolle besetzt, aber im Gegensatz zum Soundtrack brachte der Film nur geringen Erfolg, zumindest in der Mainstreammasse. Der Film handelte von einem jungen Mann, der eine Musiklaufbahn anstrebt, aber dann im kriminellen Sumpf des organisierten Verbrechens landet.
Auch spätere Lieder wie "King of kings" und "Pride and passion" erlangten außerhalb Jamaikas nur wenig Bekanntheit, wohingegen sie in Jamaika zu Hits wurden.
1964 wurde Cliff als einer der offiziellen Vertreter Jamaikas bei der Weltausstellung in New York gewählt. Daraufhin band er sich an das Label Island Records. Island war nicht nur ein guter Ansprechpartner in Sachen Ska und Early Reggae, sondern hatte es sich auch zur Aufgabe gemacht, den Reggae international bekannter zu machen. Somit war Cliff hier bestens aufgehoben. Der Wohnortwechsel von Jamaika nach Großbritannien wurde nicht zuletzt vom Label angeschoben. So zog der noch junge Musiker Mitte der 60er von Kingston nach London. Da in London viele westindische Einwanderer lebten und den Stolz ihrer Heimat im Herzen trugen, fiel Musik wie Ska und Early Reggae hier auf mehr als fruchtbaren Boden. Das wußte auch das Label und versuchte so, daraus Profit zu ziehen. Allerdings waren diese Zeiten nicht nur eitel Sonnenschein, denn überall wo verschiedene Kulturen aufeinander treffen, kommt es früher oder später zum Aufeinandertreffen der Kulturen und das ist selten harmonisch. So waren die westindischen Einwanderer oft Opfer rassischer Diskriminierung oder tätlicher Angriffe. Das machte auch vor Musikern nicht halt und so machte auch Cliff die Erfahrung rassischer Ausgrenzung. Cliff mußte sich behaupten und gegen den Rassismus immer wieder aufs Neue ankämpfen.
Die LP „Hard road to travel“ gilt als Cliffs internationales Debutalbum und er heimste sehr gute Kritiken dafür ein. Hier waren einige Eigeninterpretationen von Liedern anderer Musiker zu hören. Mit dem Hit „Waterfall“ von dem gerade erwähnten Album gewann er das „International Song Festival“ in Brasilien. Er tourte durch die südamerikanischen Länder und sah sich die Länder auch an. Dadurch wurde Cliff gerade in Süd-Amerika sehr populär und ist es bis heute. Es zog ihn dann eine Zeit lang wieder zurück in seine Heimat Jamaika. Nach „Waterfall“ folgten dann auch schon die recht bekannten Lieder „Wonderful world, beautiful people“ und das sehr politische „Vietnam“. Von dem der linke Rebell und Liedermacher Bob Dylan sagt, daß der Song einer der größten Protestsongs ist, die er jemals hörte. Gerade aus dem Munde Dylans dürfte dies eine Art Ritterschlag sein. Auf der LP „Wonderful world, beautiful people“ gibt es auch eine Coverversion des Cat Stevens Liedes „Wild world“, welches 1970 recht populär war. Auf Jamaika erschien das Album unter dem Namen „Jimmy Cliff“. Die LP selbst war nicht nur für Cliff ein Kassenschlager und brachte ihn den kommerziellen Durchbruch. Dies wurde gerade von den Verfechtern des ursprünglichen Reggae kritisch beäugt, da hier alles geglättet und auf Mainstreamniveau gebracht wurde und nicht mehr viel mit den Roots des Early Reggae zu tun hatte.
Das Album selbst zeigt aber, was für ein genialer Sänger und Songwriter Cliff ist bzw. war und wie eigenständig seine Interpretationen fremder Songs sind. Diese Eigenschaften zeigten sich immer wieder in den Songs von Jimmy Cliff. Er schrieb melancholische Liebeslieder, Lieder die über Höhen und Tiefen einzelner Menschen berichten und daß man den Mut haben muß, selbst etwas zu wollen, um etwas zu erreichen. Aber auch sozialkritische Aussagen, daß die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden, zeugen davon, daß Cliff mit offfenen Augen durch die Welt geht. Und auch vor politischen Liedern macht er nicht halt. War „Wonderful world“ noch recht simpel und einfach gestrickt, so ist der Song „Vietnam“ ein wahrer Diamant, was politische Songs betrifft. Der Song handelt von einem Brief eines Vietnamsoldaten, den der Soldat vor seinem Tod an seine Mutter schrieb. Cliff singt über das Sterben des Soldaten und die Proteste gegen den Krieg von Seiten der Mutter. Dieses Lied wird von vielen Seiten als fantastischer Protestsong gegen den unsinnigen Vietnamkrieg gelobt.
Seine Karriere konnte er bis Mitte der 70er stets ausbauen und galt weltweit zu den bekanntesten Musikern des Reggae-Genres.
Nach einigen Alben brauchte Jimmy Cliff erstmal eine Auszeit und bereiste Afrika, um sich mit dem muslimischen Glauben und den Wurzeln näher zu befassen. Er war inzwischen zum muslimischen Glauben konvertiert. Die Auszeit, sein Glaubenswechsel und andere Kleinigkeiten sorgten für einen Karriereknick. Der Umsatz seiner Platten ging in Groß Britannien, Nordamerika und auch auf Jamaika zurück. Gerade was den Rückgang seiner Popularität in seiner Heimat Jamaika betrifft, darf man davon ausgehen, daß es damit zusammen hing, daß er sich nicht der aufkeimenden Rastafari-Bewegung anschloß, sondern zum Islam übertrat. Das war für die Jamaikaner ein Verrat und er wurde während eines Konzerts 1975 in Kingston von Rastafaris sogar bespuckt.
Afrika hingegen war in weiten Teilen von islamischer Prägung. So ist es kaum verwunderlich, daß Cliff hier nicht Anhänger verlor, sondern welche dazu gewann. So wird er in Afrika sicher Die Reggae-Ikone schlechthin bleiben. Er selbst sah das Konvertieren nicht als Verrat, sondern eher als ein persönliches Zu-Den-Wurzeln-Finden, da er selbst ja afrikanische Wurzeln hat. Auch wollte er damit eine Verbindung zwischen Schwarzen und der westlichen Welt allgemein geltend machen. Und war der Ansicht, daß die Rastafari-Bewegung auch ihre Ursprünge in Afrika hat und somit das eine das andere nicht ausschließt.
Allerdings hielt es der Musiker Cliff nicht lange ohne Musik aus und arbeitete weiter an seiner Musik-History. Die 70er gingen zu Ende und die Rastafari-Bewegung bekam eine immer größere Anziehungskraft und das nicht nur bei den Hippies. Auch wenn Cliff politische Songs im Repertoire hatte, so war es doch Bob Marley, der zum Aushängeschild dieser Bewegung wurde. Beide wurden vom Label ohne Ende gepusht. Aber da Cliff nie ein Rastafari war und die Plattenfirma bei ihm wert auf glatte Produktionen legte, konnte Marley hier problemlos punkten. Cliff tourte jahrelang, wechselte zum Major EMI und nahm 1983 mit Kool & The Gang „The Power“ auf. In diese Zeit fiel auch der Mainstream-Klassiker „Reggae nights“. Dann folgte das Album „Cliff Hanger“, welches 1985 auch einen Grammy einbrachte und der letzte große Mainstreamerfolg des Musikers in Amerika war. In seiner Heimat Jamaika galt er auch weiterhin als begnadeter Künstler und im kleinen Umfang auch in seiner Wahlheimat England.
Mit „I Can See Clearly Now“ (ein Stück aus dem Soundtrack zu Cool Runnings) mußten auch die Kritiker klarer sehen und Cliff landete damit auch wieder in den US-Charts. Allerdings schaffte er es nicht mehr bis an die Spitze der Charts. Er arbeitete mit Künstlern wie beispielsweise Sting, Annie Lennox, Kool And The Gang, Joe Strummer und Wyclef Jean zusammen. Im Mainstream sollte er aber nie zu den ganz Großen zählen. Irgendwie erreichte Cliff nie den Ruhm der ganz Großen, obwohl er Leuten wie Bob Marley den Weg für eine Weltkarriere öffnete... Dennoch konnte er sich nach und nach den Ruf erarbeiten einer der ältesten Musiker im Bereich Reggae und auch Mitbegründer der Sparte zu sein.
Er arbeitet weiterhin an Film- und Musikprojekten und setzt sich gegen Unterdrückung aktiv ein.
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