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Jan-Peter (Deutschland)

Interview: Rotz

Aus der #20: Moin Jan-Peter. Erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten. Für den Anfang bitte ich um eine kurze Vorstellung von dir und deinem musikalischen Schaffen.

Hallo. Vorab erstmal besten Dank für Dein Interesse und den mir gebotenen Platz, Standpunkte zu beziehen!

Zur Vorstellung: Ich beschreite derzeit mein 27stes Erdenjahr und habe vor circa 10 Jahren begonnen, mir das Gitarrenspiel im Eigenstudium anzueignen. Nach einem mehr oder weniger dilettantischen Start kann ich nun sagen, seit einiger Zeit meine musikalische gefunden zu haben, ohne behaupten zu wollen, „ausgelernt“ zu haben. Meine Aktivitäten im Musiksektor beschränken sich mittlerweile ausschließlich auf die Band Projekt Vril, mein Solo-Zeug und ein Projekt mit dem Polen von Invasion, namens G.P.I.!

Deine bisherigen Veröffentlichungen sind sehr vielseitig; von Balladen über "normale" Rockmusik bis hin zu sehr metallischen Klängen mit Projekt Vril. Woher kommen deine Haupteinflüsse und in welchem musikalischen Bereich fühlst du dich am meisten „zu Hause“?

Am meisten “zu Hause“ fühle ich mich eigentlich bei stinknormaler Rockmusik mit einem Schuß Punk. Und das ist genau das, was ich nun mit Invasion versuche zu verwirklichen. Natürlich bin ich für balladeske Klänge, für einigen Metalkram, sowie für eine Fülle an weiteren Musikstilen ebenfalls sehr zu begeistern, sodaß es mir nicht leicht fällt, meine Haupteinflüsse anhand einiger Beispiele festzumachen. Ich mag Johnny Cash ebenso wie Madball, Bathory wie Meteors, Prinz Pi wie Andre Lüders, Hassgesang wie traditionellen, europäischen Folk aus aller Herren Länder…

Auf der "Lethargie absolut" CD singst du ein Stück von Konkwista auf polnisch, außerdem hast du zusammen mit Kuba die Split-Single "German-Polish Invasion" eingespielt. Was verbindet dich speziell mit unseren östlichen Nachbarn?

Die Intention, das Konwista-Lied nachzuinterpretieren, war schlicht und einfach die, daß es seit langem zu meinen Lieblingsstücken zählt. Gleichsam beinhaltet die Umsetzung dessen natürlich auch die Tatsache, dem Chauvinismus in „unseren Reihen“ auf die scheiß Füße zu treten!! Ich will hier nun gewiß nicht über Grenzkonflikte debattieren, denn was Recht ist, muß Recht bleiben. Keine Frage! Mich stört bloß gehörig dieses dumme Gebrabbel vom „slawischen Untermenschen“! Das ist kontraproduktive, dogmenverseuchte Propaganda! Ich sehe die Polen (sowie generell die slawischen Menschen) als ein artverwandtes Brudervolk an. Daher möchte ich gar nicht unbedingt von einer „speziellen Verbindung“ sprechen, sondern vielmehr davon, daß es endlich an der Zeit ist, gemeinsam an dem zu arbeiten, woran wir arbeiten müssen! Selbstverständlich macht die musikalische „Arbeit“ hierbei den allerkleinsten Teil aus…

In dem Stück "Schablonenkrieg" auf der "1984" CD von Projekt Vril singst du unter anderem davon, dass systematisch Links und Rechts gegeneinander ausgespielt werden, um diese zu schwächen. Wie denkst du allgemein zu "Querfront Strategien"?

Wer könnte behaupten, ausschließlich in „unseren Reihen“ befände sich das Potenzial für einen Umsturz? Man schaue sich bloß mal die Mehrheit derer an, die sich hier tummeln. Ein großer Haufen von ahnungslosen, parolen-dreschenden Subjekten, denen eigentlich nichts am Herzen liegt, außer Provokation, Suff und Belustigung. Ich bin der festen Überzeugung, daß das wichtigste Potenzial nur „grenzüberschreitend“ zu finden ist! Klar, niemand benötigt die Antifa-Gutmenschen-Multikulti-Trottel. Genauso wenig, wie die eben genannten Versager. Notwendig und essentiell ist, die Menschen, die systemkritisch leben und sich selbst aufzuopfern bereit sind, davon zu überzeugen, daß es nur einen Weg gibt, die Welt, die Natur und somit auch unsere Heimat zu retten! Der Drang nach Freiheit sollte keine „Grenzen“ kennen. Er sollte - nein, er MUSS - autonom sein!! Daß ich hiermit eventuell in utopische Träumerei abdrifte ist mir durchaus bewusst, denn wie schwer es fallen dürfte, Menschen zu vereinen, die sich seit Jahrzehnten in zwei verfeindeten „Gruppierungen“ gegenüberstehen, während sich Hintermänner, Staat und überstaatliche Obrigkeit die scheiß Hände reiben, benötigt kaum einer Erwähnung. Aussichtslosigkeit kann aber auch trügerisch sein und somit sollten wir beginnen, die verhärteten Standpunkte zu überdenken und schlussendlich abzulegen!!!

In "Alea icata est" kritisierst du die Ausbeutung der Natur durch die Menschheit. Ein Thema, dass, wie ich finde, recht selten besungen wird. Wie schätzt du den heutigen Stellenwert von Umweltschutz ein?

Von etablierter Seite aus als ungeheuerliche Farce! Zu allem, was „direkter“ vonstatten geht, möchte ich mich aus verständlichen Gründen lieber nicht äußern…

Viele deiner Texte zeichnen ein sehr düsteres Bild unserer Gesellschaft und dies wohl leider zu recht. Siehst du noch eine Chance auf Besserung, oder ist die allgemeine Verdummung und Verrohung vielleicht schon zu weit fortgeschritten? Resignation und ein gewisses "Außenvorsein" in einer sinnentleerten Welt sind häufige Themen in deinen Texten. Wie schwer fällt es dir, dich aufzuraffen und nicht der Passivität zu verfallen?

Resigniert habe ich noch nicht, auch wenn ich Dir Recht damit gebe, daß viele meiner Texte ein solches Bild zu zeichnen scheinen! Für mich beinhaltet das alles jedoch eine Anklage, keine Resignation! Das Sich-fremd-fühlen und „Außenvorsein“ entsteht durch die Angewidertheit in einer Welt voller nichtdenkender Menschen, die sich dem hingeben, was der Feind sich hat einfallen lassen, um sich die Menschheit untertan zu machen. Der Passivität verfalle ich nur dann, wenn es darum geht, soziale Kontakte mit Subjekten zu unterhalten, die sich in das ebengenannte Bild widerspruchslos einfügen, voller Naivität glauben, frei zu sein und zudem zur Sparte der Schauspieler zählen, die sich durch ekelhaftes und übertriebenes Gebaren und Gequatsche in Szene setzen. Wahrscheinlich ist es erneut eine Frage des Potenzials. Ich lerne im Alltag nämlich bisweilen gleichsam Menschen kennen, bei denen ich das Gefühl habe, sie besäßen die Auffassungsgabe, Zusammenhänge zu durchschauen und zu begreifen. Dann macht eine Konversation Sinn! Es gibt Sachverhalte, die man schildern kann, ohne als etwas abgestempelt zu werden, was man nicht ist! Erzähl den Menschen von den Hintergründen des 11. Septembers und den damit einhergehenden Angriffskriegen… Vom Kosovo… Zieh Verbindungen! Das erachte ich mittlerweile als eine der wichtigsten Ebenen, auf denen man konstruktiv sein kann! Auf die Menschen zugehen… Wie weit Verdummung und Verrohung fortgeschritten sind, können wir alle jeden Tag sehen und - ohne Schwarzmalerei betreiben zu wollen - wenn unsere Generation es nicht schafft, all das Unrecht dieser Welt zu besiegen, wird es zu spät sein…

Der Text zu "Unerschütterlich" ist extrem persönlich. Fiel es dir schwer, ein solches Lied zu veröffentlichen?

Dieses Lied ist ein Stück Aufarbeitung einer der tragischsten Momente meines gesamten Lebens… Nein, es fiel mir nicht schwer, das Lied zu veröffentlichen. Die Tatsache, es zu schreiben fiel mir jedoch umso schwerer… Denn natürlich wünsche ich mir noch heute, es hätte niemals geschrieben werden müssen!

Die Rockversion von "Schachmatt" auf der Split-Single mit Kuba gefiel mir ausgesprochen gut. Ist in Zukunft eventuell ähnliches Material von dir zu erwarten?

Danke für die Blumen! Freut mich! Wie bereits erwähnt, ist eine weitere Zusammenarbeit mit Kuba geplant und darüber hinaus werde ich auf dem nächsten Solo-Album ebenfalls mit Rock-Elementen arbeiten…

Deine Texte stechen in ihrer Qualität meiner Meinung nach ziemlich aus der breiten Masse heraus. Gibt es hierbei - vor allem stilistisch - irgendwelche speziellen Einflüsse?

Vielen Dank für Deine Beschreibung zu meinem lyrischen Inhalt!!! Hm… Nein, beim Verfassen der Texte habe ich keine speziellen Einflüsse. Stilistisch betrachtet ebenfalls nicht. Das ist alles eher ein Zusammenspiel von Inspiration, Konzept und natürlich zuweilen auch Zeit und Lust…

Zum Schluss kannst du noch loswerden, was dir eventuell auf der Seele brennt oder aus irgendwelchen anderen Gründen unbedingt noch gesagt werden sollte.

Ich danke Dir erneut vielmals für Dein Interesse und weiterhin für die niveauvollen Fragen!

Alles Gute für Dich und Dein Heft!!

JP