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Heinz Erhardt (Deutschland)
Aus der #17:
Der Muselmann
Es war einmal ein Muselmann,
der trank sich einen Dusel an,
wann immer er nur kunnt.
Er rief stets das Muselweib,
wo es denn mit dem Fusel bleib,
denn Durst ist nicht gesund.
Und brachte sie die Pulle rein,
gefüllt mit süßem Muselwein,
dann trank er
und trank er,
hin sank er
als Kranker,
bis Gott sei Dank
er unterm Tische verschwund.
Von den heutigen Komödianten, neudeutsch Comedians, hat wohl nicht einer auch nur annähernd das Zeug in die Fußstapfen eines Heinz Erhardts zu treten und das ist auch gut so, da vieles heute sicher nicht mehr so gut rüberzubringen ist, wie noch zu Zeiten des Meisters selbst. Heinz Erhardt ging mit seinem Humor nie unter die Gürtellinie, beleidigte nicht und mußte auch nicht geschmacklos werden, um die Lacher auf seiner Seite zu haben. Heutiger „Humor“ findet meist auf Kosten anderer und auf niedrigstem Niveau statt. Nungut, auch hierzu gehören immer zwei, nämlich einer, der den Mist verzapft und einer, der über den Dummsinn lacht und die Rechnung geht leider auf.
Heinz Erhardt wird am 20. Februar 1909 in Riga geboren. Kurz nach der Geburt trennen sich seine Eltern. Seine Mutter zieht ins heutige St. Petersburg und der Vater geht nach Deutschland. Während der lüdde Heinz bei seinen Großeltern in Riga bleibt. Dadurch, daß seine Eltern danach häufiger die Lebenspartner wechselten, kam Heinz Erhardt mal zu der humorvollen Ansicht: „Nun, ich konnte mich nicht beklagen: Ich hatte so nach und nach drei Väter und ebenso viele Mütter“. Es ist halt immer sein Ding gewesen, alles mit Fassung, Humor und von der guten Seite zu sehen. Die Großeltern betrieben in Riga ein großes Musikgeschäft und so kam Erhardt schon im frühen Alter mit der Musik in Berührung. Allerdings versuchen die Eltern immer wieder, ihren Sohn zu sich zu holen und so lebt er auch zeitweise in Deutschland, oder bei seiner Mutter in Rußland. Häufige Schulwechsel sind so die Regel.
Bereits mit 4 Jahren kommt er in Form von Klavierunterricht mit diesem Tasteninstrument in Berührung. Und als Teenager komponiert er bereits eigene klassische Stücke.
Auf Wunsch seines Opas beginnt er in Leipzig ein Volontariat in einem Musikalienhandel. Gleichzeitig studiert er mit Eifer und Ehrgeiz Klavier und Komposition. Allerdings muß er nach zwei Jahren zurück nach Riga, um im großväterlichen Betrieb einzusteigen. Das ist aber ganz und gar nicht die Welt des Heinz Erhardts... „In Wirklichkeit ist es völlig wurst, ob man mit Käse handelt oder mit Musik: Immer kauft man billig ein, um teuer zu verkaufen“. Lustlos geht er diesem trostlosem Handel nach und lustvoll verdient er sich als Alleinunterhalter nicht nur etwas Geld dazu, sondern heimst auch erste Lorbeeren ein...;-) Es sind erste humorvolle Geschichten, Gedichte und Liedchen aus der Feder des angehenden Künstlers. Durch die frühe Schule kann er sich am Klavier bereits selbst begleiten. So ist es ein ewiges Hin und Her zwischen dem großväterlichem Betrieb und seinem Einmann-Unterhaltungsbetrieb. Die Geschichte besagt, daß er während einer Fahrstuhlfahrt seine spätere Frau Gilda kennenlernte. Er fragte sie allen ernstes, ob sie denn auch nach oben führe...;-) Man, wat war er für ein Schelm!!! Gilda Zanetti wurde nicht nur seine Frau, sondern auch Motor und gab den Anstoß, daß er es in Berlin versuchen solle.
So reist Heinz 1938 nach Berlin und wird bei einer Künstleragentur vorstellig. Des anderen Unglück wurde Erhardt zum Glück. Der Kabarettist Peter Igelhoff fiel wegen Krankheit aus und so durfte Heinz Erhardt als Austausch-Igelhoff loslegen. Er wurde nach Breslau geschickt, allerdings kam er beim Publikum nicht besonders gut an. Dies deprimiert das junge Talent derart, daß er sein Programm fortan mit bitterernster Miene und voller Traurigkeit vorträgt. Aber genau diese ernste, traurige und hilflose Art etwas Humorvolles vorzutragen, wurde derart gut vom Publikum aufgenommen, das Heinz Erhardt dies nun zum Programm machte. Als Erhardt zurück nach Berlin kommt, macht er sich dort im „Kabarett der Komiker“ einen Namen. 1939 kommen Tochter, Frau und Schwiegermutter zu ihm nach Berlin. An Seite der damals bekannten Tänzerin La Jana tourt Erhardt durch Deutschland.
Selbst stuft das Dickerchen sich als unpolitisch ein und vermeidet die große Thematisierung des III. Reiches in seinem Showprogramm. Auch versucht er sich weitestgehend dem Kriege zu entziehen. Das klappt vorerst recht gut, doch 1941 hilft es nichts und Heinz muß per Einberufung nach Stralsund zum Marine-Musikkorps. Aber auch an der Front ist Aufheiterung gefragt und so landet Erhardt auch dort zur Unterhaltung seiner Kameraden. Später bringt ihn eine Versetzung nach Kiel und seine Familie kann ganz in der Nähe auf einem Gutshof in Schleswig-Holstein unterkommen.
Der Mohr von Venedig
(Frei geräubert bei Schiller)
Unterm Einfluß eines Föhns
dichte ich jetzt mal was Schöns:
Es ist kürzer und auch stiller
und ganz anders als bei Schiller! -
Franz Mohr, bekannt als „die Kanaille“,
trug stets den Dolch an seiner Taille.
Doch einmal, ach, im grimmen Zorne
stach er von hinten zu und vorne,
worauf sich wund das Opfer wand
und Franz in dessen Blute stand!
Nach dieser unheilschwangern Tat
rief er: „Jetzt ham wir den Salat!
Mein Beinkleid ist vom Blut gerötet!
Den Leichnahm dort hab ich getötet!
Der Anblick ist nicht gerade schön!
Auf Wiedersehn! Der Mohr kann gehen!“
Und so geschahs, daß Franz entfloh
(über dieAlpen, übern Po
und weiter), bis er ungehemmt
zur Stadt kam, die stets überschwemmt.
Kurz nach Kriegsende erhielt der Komiker das Telegramm „Heinz Erhardt bitte sofort nach Hamburg kommen – stop – wichtige Inszenierung – stop.“ von Grete Weiser. Aus dem verheißungsvollem Telex wird nichts, jedoch kann Erhardt wichtige Kontakte zum damaligem NWDR aufbauen. Der erste Radiosender, der von den britischen Besatzern eine Lizenz zum Senden erhielt. Hier legt Heinz mit seinem Programm „So was Dummes“ als Moderator los und zieht die Zuhörer gleich in seinen Bann. Das Programm wird ein voller Erfolg und selbst die Briten hören interessiert zu. Eine Aussage Erhardt gegenüber war: „Sie sind der einzige Deutsche, über den wir lachen können, ohne daß wir ein Wort verstehen.“ Gerechtigkeit muß sein und die Briten gaben uns ja Jahre später in Mr. Bean ein geniales Pendant...;-)
1947 hatte Heinz Erhardt mit „Lieber reich, aber glücklich“ auch als Schauspieler seinen Durchbruch. Fortan ist er in Komödien und Lustspielen ein gefragter Schauspieler. Aber in Kabaretts und Varietés ist er weiterhin als Solokünstler gefragt und unterwegs.
1948 zieht er in ein kleines Haus nach Hamburg Wellingsbüttel. Privat sollte es die letzte Station sein, wo er ausstieg...
Wieso ich Dichter wurde
Als ich das Gaslicht der Welt erblickte, war ich noch verhältnismäßig jung.
Meine Eltern waren zwei Stück, und mein Vater war sehr reich:
Er hatte zwei Villen, einen guten und einen bösen.
Und eines Tages – es war sehr kalt, und ich fror vor mich hin,
denn nicht nur meine Mutter, auch der Ofen war ausgegangen -
teilte sich plötzlich die Wand, und eine wunderschöne Fee erschien!
Sie hatte ein faltenreiches Gewand und ein ebensolches Gesicht.
Sie schritt auf meine Lagerstatt zu und sprach also:
„Na, mein Junge, was willst du denn mal werden?“
Ich antwortete – im Hinblick auf meine ziemlich feuchten Windeln:
„Ach, gute Tante, vor allem möcht ich gern „dichter“ werden!“
Das hatte die Fee mißverstanden...
Obwohl er das Fernsehen für seine Kunst nie wirklich mochte, beginnt er nun ganz großes Kino in Form seiner Filme zu schaffen. 1957 hat Erhardt in „Der müde Theodor“ seine erste Hauptrolle. Komödien wie „Witwer mit 5 Töchtern“ und „Vater, Mutter und 9 Kinder“, in denen er den witzig-charmanten Schussel als Vater darstellt werden wahre Kassenschlager. In „Der Haustyrann“ wird auf sarkastische Weise auch Sozialkritik geübt, aber immer mit diesem für Erhardt typischen Augenzwinkern. Ein anderer hätte diese Rollen sicher nicht so verkörpern können! In den 60ern sind es dann drei Filme im Jahr, die er abdreht, ohne abzudrehen... Das ist schon ein ganz schönes Pensum und nebenher war Erhardt immer noch Solo unterwegs. Er war ein Workaholic in Sachen Humor. Die anfängliche Masche wurde sein Markenzeichen und immer wieder verkörperte er liebenswerte aber trottelige Charaktere, die mein einfach lieben mußte.
Im Familienleben der Erhardts sah es leider meist anders aus. Die Familie litt unter der Masse des Humors, was ja Erhardts Arbeit war und die war nunmal eine ernste Sache. Schließlich schreibt sich der erhardtsche Witz nicht in 5 Minuten auf dem Klo, wie es heutige Komödianten anscheinend halten, sondern er benötigte dafür viel Zeit und das ging zu ungunsten seiner Familie. Auch hatte Heinz Erhardt immer Angst, daß sein Stern sinken könnte. Vor Auftritten fragte er immer wieder nach, ob auch genug Karten verkauft wurden. Auch lugte er selbst durch den Vorhang und wenn nur zwei oder drei Plätze frei waren, fragte er seinen Manager, ob auch die Plätze besetzt sind. Auf Dauer konnte der Humor also der erhardtschen Gesundheit schaden...;-( Urlaub und Krankheit durfte es bei Erhardt nicht geben, er wollte nicht vergessen werden. Da wird der Dicke sich im Humoristenhimmel sicher freuen, daß sein Humor immer noch lebt und von vielen geliebt wird...;-)
Irgendwann war dann aber auch Schluß der gesundheitlichen Fahnenstange und der Körper des Komödianten wehrte sich. Leider zu Recht, denn Erhardt war mehr als rastlos. Anfangs ignoriert er gar erste Schmerzen und Erschöpfungserscheinungen. Es kommt, was kommen mußte. 1971 bekam der Große einen Schlaganfall. Er überlebt zwar, ist aber schwer gezeichnet und fortan an den Rollstuhl gebunden. In den nächsten Jahren lernt er wieder zu Laufen. Allerdings wurde beim Schlaganfall auch das Sprachzentrum des Gehirns in Mitleidenschaft gezogen. Das war immer Heinz Erhardts größte Angst, schließlich waren Stimme und Wortwitz sein täglich Brot. Erhardt ohne Wortwitz und Mimik ist schließlich nicht Erhardt. In einem Film, ich glaube es ist „Willi wird das Kind schon schaukeln“, mußte dann auch eine Szene nachvertont werden und man hört in der Szene deutlich, daß hier nicht der so beliebte Erhardt das Wort ergreift. 7 ½ Jahre muß er noch ohne Stimme dahin vegetieren und es war mit Sicherheit die Hölle für ihn.
Mit 70 verleiht man Erhardt das große Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste. Wenige Tage darauf verstirbt der große Heinz Erhardt am 5. Juni 1979. Er wird auf dem Friedhof in Hamburg Ohlsdorf beigesetzt. Ohne zu übertreiben, kann man wohl sagen, daß sein Tod der Anfang vom Ende des genialen deutschen Humors war, denn alles was danach kam, konnte nie nur annähernd den Witz Erhardts erreichen!
Aber Erhardt wär' nicht Erhardt, wenn er nicht selbst am Grabe nochmal zu Wort kommen durfte und so stammten die letzten Worte auch von ihm selbst. „Du warst ein Musiker und Dichter / ein Maler und Kaninchenzüchter / doch trotzdem war's dir nicht gegeben / den eignen Tod zu überleben.“ Aber sein Witz und Charme hat überlebt und der Trashcomedy wird er ewig trotzen!
Drei Bären
Ein Brombär, froh und heiter, schlich
durch einen Wald. Da traf es sich,
daß er ganz unerwartet, wies
so kommt, auf einen Himbär stieß.
Der Himbär rief – vor Schrecken rot - :
„Der grüne Stachelbär ist tot!
Am eignen Stachel starb er eben!“
„Ja“, sprach der Brombär, „das solls geben!“
und trottete – nun nicht mehr heiter -
weiter...
Doch als den „Toten“ er nach Stunden
gesund und munter vorgefunden,
kann man wohl zweifelsohne meinen:
Hier hat der andre Bär dem einen
'nen Bären aufgebunden!
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