MFgrau

logoschwarz

Diether Krebs (Deutschland)

Aus der #19: Im Sommer 1947 wurde Diether Krebs in Essen geboren und war somit ein echter Junge aus dem Pott. Schon zu Schulzeiten sammelte er erste Erfahrungen an Schauspielkunst. Später machte er eine Ausbildung zum Schauspieler an der etablierten Folkwangschule in Essen. Sein erstes Engagement sollte er in Oberhausen am dortigen Theater bekommen. Und auch die ersten kleinen Filmrollen wurden mit Krebs besetzt. Darunter war eine Rolle im Film „Zoff“, wo auch Jürgen Prochnow und Claus Theo Gärtner mitwirkten. Prochnow wurde später bekannt als „KaLeu“ in „Das Boot“ und landete später in Hollywood, während Gärtner immer noch als rauer und genialer Privatdetektiv Matula in „Ein Fall für zwei“ unterwegs ist und inzwischen selbst bei der Rolle mitredet.

Erste wirkliche Berühmtheit erlangte Krebs allerdings erst 1973 in der Rolle des resoluten Schwiegersohns Michael Graf in der erfolgreichen Serie „Ein Herz und eine Seele“ mit Heinz Schubert in der Rolle des Alfred Tetzlaff. Diese Rolle hatte Diether Krebs seiner damaligen Freundin Hildegard Krekel zu verdanken, die in der Serie seine Frau spielte. Als das Konzept der Serie entschärft werden sollte, stieg Krebs gemeinsam mit Elisabeth Wiedemann, die Alfreds Frau spielte, aus der Serie 1974 aus. Für Krebs stellte die Erfolgsserie dann nicht mehr das dar, was sie war.

Nun folgten Rolle auf Rolle fürs Fernsehen. Die Engagements reichten von leichter Unterhaltungskost bis hin zu anspruchsvollen Rollen. 1978 wurde er dann fürs Krimifach entdeckt und spielte von 1978 bis 1986 an der Seite von Werner Kreindl und Bernd Herzsprung den Kommissar Dieter Herle in der Erfolgskrimireihe „Soko 5113“. Als „Tatort“-Kommissar durfte Krebs hingegen nur einmal glänzen. Im „Tatort“ selbst hingegen war er als Schauspieler öfter zu sehen, ebenso in der Schwestersendung „Polizeiruf 110“ und „Der Alte“. Hier wurden die Rollen auch immer wieder an sein humoristisches Können angepaßt, jedoch ohne Übertreibung. Auch in einigen Vorabendsendungen der 80er war Krebs immer wieder zu sehen.

Weitaus erfolgreicher sollte Diether Krebs allerdings als Komödiant bzw. Comedian werden und das als von der heutigen Comedy noch nüscht zu sehen war... Rudi Carell entdeckte früh sein Talent in Sachen Humor und so kam er schnell zur Stammbesatzung in „Rudis Tagesshow“. Für die damalige Zeit war dieses Sendeformat doch ziemlich provokativ, in der heutigen Zeit dürfte „Rudis Tagesshow“ von der jetzigen Generation eher als Langweiler angesehen werden. Da es zu Unstimmigkeiten zwischen dem Sender und Krebs kam, endete die Zusammenarbeit aber auch bald wieder.

Zu ganzer Größe wuchs Diether Krebs dann aber durch die Comedy-Sendung „Sketchup“, die seinerzeit ihresgleichen suchte und noch heute von vielen Schmieren-Comedystars zum Abkupfern genutzt wird. Zuerst stand Beatrice Richter an der Seite von Krebs und später konnte er Iris Berben davon überzeugen, als Partner an der Seite von Krebs in der Sendung aufzutreten und zu glänzen. Beatrice Richter lernte er zu den Drehs von „Rudis Tagesshow“ kennen und die Berben mußte er lange beknien, bis sie zusagte.

Nach „Sketchup“ trafen Richter und Krebs nur noch einmal aufeinander und es war auch keine lange Begegnung, das dürften die Nachwirkungen des Grolls gewesen sein, weil Beatrice Richter Krebs hängen ließ. Iris Berben war zu „Sketchup“-Zeiten noch ein ungeschliffener Diamant und wurde von Krebs geschliffen.

Auch das Format von „Sketchup“ war für die damalige Zeit ziemlich gewagt, da der Humor oft auch aus Sketchen bestand, die Erotik oder Sex zum Inhalt hatten, zu der Zeit ein absolutes Tabuthema. Das Format war allerdings ein absoluter Kassenschlager und konnte sich selbst in Belgien durchsetzen. 1990 folgte dann die Sendung „Voll daneben“ es wurden Sendungen wie „Knastmusik“ und „Lauter nette Nachbarn“ mit Diether Krebs ausgestrahlt und so festigte er seinen Ruf als Komödiant. Aber auch das Charakterfach war Krebs nie fern und er glänzte in vielen tollen Rollen.

Und auch als Sänger versuchte sich der Star höchst erfolgreich. So landete er als freakiger Öko Martin im Norwegerpullover und dem Lied „Ich bin der Martin, ne“ einen Hit, der durch alle Generationen begeisterte. Weiter war Diether als Moderator und Bühnenkomödiant äußerst erfolgreich und beliebt. So durfte er einige große Shows moderieren.

Die letzten Jahre von Diether Krebs waren dann leider nur ein Versuch an frühe Erfolge anzuknüpfen und seine stets verheimlichte Krebserkrankung machte das alles nicht einfacher. Für RTL versuchte er es u.a. mit der „Diether Krebs Show“, wo er in drei Rollen gleichzeitig schlüpfte und Sat 1 brachte „Der Dicke und der Belgier“ zusammen mit dem Belgier Carry Goossens, aber aufgrund schlechter Quote wurde die Reihe schnell wieder eingestellt.

Er mußte sich zu dieser Zeit einer Lungen-OP unterziehen. Krebs wäre aber nicht Krebs, wenn er hier aufgeben würde und so entwickelte er die Spießerfigur Herr Krups mit „Mutti Hildegard Krebs“. Hier glänzte er mit Hut, schiefen Zähnen und Hornbrille und erinnert schon stark an den heutigen Horst Schlämmer. 1998 ging Krebs damit auch auf Tour. Hier glänzte er mit einem Lied zur Currywurst, das durch Grönemeyer später einigermaßen bekannt wurde.

1999 sollte Krebs dann seine letzte Rolle in „Bang Boom Bang – ein todsicheres Ding“ spielen. Hier verkörperte er den zwielichtigen Spediteur Kampmann und glänzte an der Seite von Ralf Richter nochmal vollends und lief zu Hochtouren auf. Kritiker reden gar von der besten Rolle in seiner Laufbahn. Dies hätte ein dritter Neustart seiner Karriere werden können, wäre da nicht die lebensbedrohliche Krankheit... Vor und nach den Dreharbeiten unterzog er sich nun Behandlungen, die aber nichts brachten. Seine Krankheit verneinte er bis zum Schluß und wollte es wohl selbst nicht ganz wahr haben und plante eine weitere Tournee. Bereits 1996 wirkte Krebs in einem Kurzfilm mit, für dessen Langversion er auch wieder als Hauptdarsteller fungieren sollte, doch acht Monate vor Drehbeginn verstarb Krebs an einem Lungenkrebsleiden in Hamburg. Als Ehrerweisung wurde Krebs in einer Fotomontage in den Film eingeblendet.

War er vor der Kamera ganz Profi und vollends Perfektionist, so sah es im Privatleben gar nicht so rosig aus, wenn er auch eine intakte Ehe führte. Er verbrachte den Feierabend doch mehr als oft und meist allein in Kneipen und Bars und genoß nicht nur das Leben in vollen Zügen... Der Tresen war dann mehr oder minder das stete Daheim von Krebs, wenn er beruflich nicht zuhause sein konnte. Die Nächte nahmen dann auch kein Ende und auf gutes Zureden reagierte Krebs meist unwirsch und warf seinem Gegenüber vor, daß er nichts vom Leben verstünde. Vor der Kamera hingegen war er dann wieder perfekt und diese Eigenschaft teilte Diether Krebs ja nicht gerade mit wenigen Kollegen. Seine Frau ließ Krebs stets gewähren und Iris Berben sagte dazu einmal, daß es vielleicht der beste Beweis ihrer Liebe war.

Körperlich legte Krebs in den 90ern kräftig zu und das kommentierte er in einem Interview auf ernsthaft humoristische Weise mit den Worten „Ich habe die Kilos ja nicht vom Essen, sondern von 1 ½ Flaschen Sambuca, 32 Espressi und an guten Tagen noch drei Flaschen Wodka.“ Na dann prost!Von 1979 an war Krebs mit Bettina Freifrau von Leoprechting-Krebs verheiratet. Diese verstarb im April 2006. Außerdem hinterließ er die Söhne Moritz und Till. Die Familie war Krebs stets heilig und seine Villa in Hamburg war eine stete Zufluchtstätte für ihn. Auch stand sein Haus allen Freunden immer offen. Hier wurde musiziert, gelacht und diskutiert. Zur Erziehung der beiden Söhne und Ziehtochter Lisbeth sagte er mal „Mir ist es wichtig, daß meine Kinder keine Arschlöcher werden, als daß sie wissen, wie groß die Fläche unter der Parabel ist.“, übrigens einer seiner Lieblingssätze.

Seine letzte Ruhestätte fand Krebs auf dem Ostfriedhof in Essen. Die Grabstätte dort war sein letzter Wunsch.

Inzwischen werden Stimmen laut, daß Diether Krebs nun in Essen eine Straße oder einen Platz bekommen soll, die/der nach ihm benannt wird. Diese Stimmen kommen selbst aus der Politik.