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Cock SParrer (England)

Aus der #13: Die Sache bei Cock SParrer ist, daß sie nicht einfach nur eine Band sind... Die vier Originalmitglieder (Steve Bruce - Schlagzeug, Mick Beaufoy - Gitarre, Steve Burgess - Baß und Colin Mcfaull - Gesang) und ihr Tourmanager, Will Murray, kennen sich, seitdem sie elf waren. Sie wurden in Londons East End geboren und sind dort aufgewachsen. Sie wurden in einer Atmosphäre von Fußball und Rockmusik erwachsen und dadurch natürlich geprägt. Für die meisten, die sie kennen, sind sie immer feine Kumpels gewesen.

Sie besuchten alle dieselbe Schule und ließen Hausaufgaben öfter auch mal Hausaufgaben sein , um eine Band zu gründen und zu proben. Sie coverten Lieder der Small Faces, aber viel mehr auch nicht. Sie taten sich später mit Garrie Lammin zusammen, er war einer der ersten Rhytmusgitarristen. Garrie hatte vieles, was für ihn sprach: er besaß einen Marshallturm, hatte einen „spikey“ Haarschnitt und war Burgess Vetter. Dank Terry Murphy, der den „Bridgehouse“-Pub, in Canning Town, Ost-Londons angesagtester Gegend für Rock, führte, hatten es die Jungs nie schwer, irgendwo auftreten zu können. Selbst wenn es nur ein feuchtes Gelage in Terrys Pub mitten in der Woche vor den Mitarbeitern war.

SParrer begannen, ihre eigenen Lieder zu schreiben. Sie basierten auf dem Leben, das sie führten, und den Sachen, die man bei der Unterstützung ihres Fußballclubs, West Ham, Sonnabend Nachmittag erlebte. Der dadurch entstandene Sound war rauh und ehrlich und sprach vielen aus der Seele. Aus dem Grunde wurde die Band schnell sehr beliebt und bekam immer mehr Anhänger. Die Gigs im „Bridgehouse“ waren nun nicht mehr die einzigen und SParrer spielten auch im „Marquee“ im Westend von London.

Malcolm McLaren kam, um die Jungs in Augenschein zu nehmen und sah sie im „Roding“-Pub in East Ham. Er beschloß sie zu promoten und plante Großes. Die Band sollte ihr Outfit ändern und Bondagehosen, Sicherheitsnadeln und Doc Martens tragen. Er schien aber nicht echt zu sein. Malcolm forderte die Jungs auf, mit den neu geformten Sex Pistols in einem Stripklub in Soho zu spielen, aber seine Unfähigkeit, ihnen wenigstens ein Bier zu zahlen, beendete das Ganze, bevor es überhaupt zu einer Zusammenarbeit kam.

Später wurde die Musikszene durch die Veröffentlichung der „Anarchie in the UK“ für immer verändert. Plötzlich wollten alle Labels Musiker, die nicht klangen, wie die Rockurgesteine und suchten unkonventionelle Gruppen. Cock SParrer unterzeichneten dann bei „Decca“ in etwa zeitgleich mit Manchesters Slaughter And The Dogs. Die Zeit für eine Mainstreamkarriere war dahin, da McLaren in den Sex Pistols willige Marionetten für seinen „The great Rock and Roll Swindle“ gefunden hatte. Aber das hat auch sein Gutes, da dadurch Cock SParrer zu einer wirklichen und ehrlichen Streetpunkband geworden ist, die auch ohne die Unterstützung von Massenmedien und der Musikindustrie zu einer der beliebtesten Bands tausender Kids geworden ist!

„Decca-Records“ schickte die Jungs in ihr Studio, wo sie eine Single einspielen sollten (zu der Zeit war es auch das Studio der Rolling Stones). Ihnen wurde der beste Produzent des Labels an die Seite gestellt, es war Nick Tauber, der auch Thin Lizzy produzierte.

Einige Supportauftritte auf der Small Faces Tour in England wurden organisiert und die erste Single, „Runnin´ riot“, erschien 1977. Die Single erreichte das Ende der Charts in Britannien. SParrer fühlten sich von der Plattencompany, den Managern und der PR verarscht, da diese nur das nötigste für die Band taten. Zu dieser Zeit erschien die zweite Single „’We love you“/“Chip on my shoulder“, das war im November 1977. Jede kreative Idee zur Gestaltung des Covers wurde zurück gewiesen und das ist der Grund, warum das Cover leer war. Eine eigene Tour wurde durch „Decca“ organisiert.

Sie lebten alle in einem Haus in Dagenham, Essex. Wenn sie nicht tourten, dann verbrachten sie ihre Zeit in der Küche, spielten Fußball, oder waren im Pub einen Trinken. Auch hofften sie, durch Wetteinsätze bei Pferderennen genug Geld zu gewinnen, um die Miete zahlen zu können. Sie hatten mehrere Kartons mit den ersten beiden Singles erhalten und nutzten sie für Schießübungen im Garten, da nicht genug Abnehmer da waren. Heute macht es Cock SParrer krank, wenn sie sehen, zu was für Preisen die Platten heute gehandelt werden...

Diese Periode war die Inspiration für viele Lieder („Working“, „Last train to Dagenham“), die oft geschrieben wurden, als sie auf dem Weg zu Konzerten waren. Das Tourfahrzeug war ein ausgemusterter roter Postwagen, auf dessen geschlossener Ladefläche die Jungs reisten. Das Fahrzeug fuhr ein damaliger Roadie. Die größten Unterstützer der Band waren ein Haufen von Freunden aus dem East End, „The Poplar Boys“ genannt, die zu jedem Gig fuhren.

Mit dem Aufkommen des Punk glaubten SParrer naiv, daß ihre Musik hier ein natürliches zuhause gefunden hatte. Dem war allerdings nicht so. Ihre Mischung aus Aggression, welche den Ursprung in ihrer Herkunft und des Lebens im East End hatte gepaart mit Fußballschlachtgesängen kam bei den West-Londoner Möchtegernaussteigern nicht gerade an, welche aber in der Musikpresse dominierten. Die Kritiker versuchten verzweifelt, Punk zu einer „neuen Welle“ zu machen, um ihn respektabel zu machen. Vermeintliche Profimusiker tauchten plötzlich auf, die Sex Pistols gehörten zu dieser Welle. Diese zerstörten mit wenig Können und ihrem Gepose eine ernst gemeinte Bewegung.

Sie trennten sich nicht. Sie spielten aber für eine ganze Weile nicht. Die nächsten Jahre war es für die Jungs nicht unbedingt wichtig, auf die Straße zurückzukommen.

Der Journalist Garry Bushell, der auch im Fernsehen nicht unbekannt war, realisierte schnell, daß Punk eigentlich schon mit der Geburt tot war und so kam der Gedanke, etwas Neues auf die Beine zu stellen und brachte ein Album unter den Begriff Oi!-Musik heraus. Hierauf sollten auch SParrer mit dem Titel „Sunday stripper“ vertreten sein. Plötzlich waren Cock SParrer gefragter denn je.

Während eines zufälligen Telefonanrufs von einem alten Freund, der nun in einer Plattengesellschaft arbeitete, wurde erwähnt, daß das Lied „England belongs to me“ veröffentlicht werden soll. Der Deal klappte, allerdings hieß das Original „London belongs to me“, aber das wäre mit Sicherheit nicht so ein Erfolg geworden. Das Album „Shock troops“ folgte, aufgenommen wurde es in Chelseas „White House Studios“.

SParrer hatten die Freiheit, die Art von Dingen aufzunehmen, die sie wirklich wollten.. Sie reagierten auch ihren Frust gegen den Ausverkauf der Punkszene ab („Where are they now?“), aber auch Mißtrauen und Abneigung gegen politische Dinge („Watch your back“), die Verachtung von Terrorismus („Secret army“), die Abneigung gegen den Polizeiapparat („Riot squad“) und ihre Aversion gegen Konventionen („Out on an island“), ein Lied, das zeigt, daß sie mehr als eine Punkband sind.

Nachdem das Album fertig war, hatte Mickey für eine Weile genug. Den Kontakt zur Band verlor er jedoch zu keiner Zeit. Für Überraschungsgigs und ähnliches war er immer bereit, so auch für eine Geburtstagsparty von Bushell, die „Live & loud“-Aufnahmen und zwei Konzerte in Paris. Dennoch wurde ein neuer Gitarrist in die Band geholt, dies war der Brasilianer Chris Skepis. Shug O’Neill wurde ebenfalls engagiert. Auch wenn das Cover der „Shock troops“ nicht Mickey zeigte, so spielte dieser doch die meisten Lieder mit ein.

SParrer spielten in dieser Zeit viele Konzerte u.a. auch im ausverkauften „100 Club“ in der Neuformation mit Chris und Shug. Die neuen Mitglieder waren an der LP „Runnin’ riot in ‚84“ maßgebend mit beteiligt. Zahllose Liveaufnahmen und Stücke für Sampler wurden aufgenommen und veröffentlicht. Chris kehrte irgendwann nach Brasilien zurück und Shug verließ Cock SParrer, um seine eigene Band zu gründen. Wieder einmal waren SParrer vorübergehend von der Bildfläche verschwunden.

Die Jungs blieben immer Freunde und Steve wurde immer wieder gefragt, ob SParrer nicht wieder spielen wollen. Mickey war sofort einverstanden und nach einigem Hin und Her in Sachen Verhandlungen spielten sie mit dem neuen Gitarristen Daryl Smith in „The Astoria“. Die Mannen probten vor 100 Leuten, aber waren nicht annähernd auf das eingestellt, was kommen sollte... Aus ganz Europa reisten Fans an und sie kannten jede Textzeile ihrer Lieder. Die Band kann zu Recht sagen, daß sie eine gewichtige Rolle im Oi! spielt. Dies war der Beweis.

Mit den Alben „Guilty as charged“ und „Two monkeys“ kehrten Cock SParrer zu dem zurück, was sie am besten können: Das Schreiben von Hymnen für jeden Tag des Lebens und geniale Liveauftritte. Wo sie auch spielen, es ist eine Riesenparty und der Mob kennt jeden Song auswendig.

Cock SParrer waren, sind und werden immer sein: Colin McFaull - Gesang, Steve Burgess - Baßgitarre, Steve Bruce - Schlagzeug, Mickey Beaufoy - Gitarren, Will Murray – Roadmanager.

Fünf Kerle in einem Lokal, fünf Kerle, die ein Lachen haben, ...mehr als nur eine Band!!!. Das Ganze ergänzt ein neuer Kerl namens Daryl Smith (er ist erst seit 1992 in der Band).