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Buzzcocks (England)

Aus der #21: Ganz anders als ihre Vorbilder, die Sex Pistols, schmetterten die Buzzcocks nicht gegen die Queen und das Establishment, sondern sangen über Alltagsdinge und selbstironische Liebeslieder. Auch optisch hoben sie sich von vielen anderen Punkbands ab. Sie bohrten sich keine Sicherheitsnadeln durch die Ohren, oder wat weiß ich für Körperteile. Auch ihr Kleidungsstil war eher leger. Zwar trugen sie, wie auf einigen neuen und alten Fotos zu sehen ist, auch mal 'ne Lederjacke oder Dr. Martens, aber sie waren halt nicht komplett zerfetzt oder mit Ketten behängt.

Aber so weit sind wir noch lange nicht!! Gehen wir mal zurück ins Jahr 1975. So kam es, daß Howard Devoto, angekotzt von der Mainstream Musik, zuhause in Manchester saß und beschloss, daß es so nicht weiter gehen kann. Er musste was unternehmen!!! Aber er hatte weder Mitstreiter, noch hatte er jemals 'nen Song geschrieben. So kam es, daß Howard Devoto in Manchesters Musikläden Zettel aushängte, in denen er Leute für eine Band suchte. So kam dann auch der Kontakt zu Pete Shelly zustande. Kurz darauf bildeten Shelly und Devoto die Speerspitze der Buzzcocks. Quasi die erste Punkrock-Kapelle außerhalb Londons. Beide trafen sich mit vielen Musikern, um sie zu rekrutieren und spielten ihnen Platten der Stooges vor. Allerdings fanden sie nichts passendes. Das lag wohl zum Teil auch mit daran, daß sie selbst nicht so genau wussten, was sie machen wollen. Der Wendepunkt kam dann, als sie ein Review der Sex Pistols lasen, in dem sie mit den Stooges verglichen wurden. So kam es, daß Shelly und Devoto beeindruckt von der Aussage der Pistols: „We`re not really into Music, we`re into Chaos“ beinahe jeden der Pistols Gigs beiwohnten. Devoto entschloss sich nicht ganz uneigennützig Konzerte der Sex Pistols in Manchester zu veranstalten. Der Hintergedanke war, daß er mit den frisch gegründeten Buzzcocks als Vorband auftreten wollte. Daraus wurde aber erstmal nichts.

Devoto und Shelly verfolgten natürlich stets und ständig die aktuelle Entwicklung der Punkrock-Szene. Angetan von New Yorker Bands wie den Ramones, beschlossen sie was in diese Richtung zu machen.

Den ersten Gig spielten die Buzzcocks im April 1976 in Bolton in der Besetzung: Devoto Gesang, Shelly Gitarre, Garth Smith Bass und ein unbekannter am Schlagzeug. Nach nur einigen Liedern wurden die Buzzcocks von der Bühne gejagt. Vielleicht lag es ja daran, daß sie noch nie mit dem Drummer geprobt hatten.

Nach diesem Gig verschwand der namenlose Drummer für immer und Basser Smith für`s erste. Den neuen Mann am Bass, Steve Diggle, lernten sie auf einem Gig der Sex Pistols kennen. An den neuen Trommler, John Maher, gelangten sie über eine Anzeige im Melodie Maker. In dieser Besetzung spielten die Buzzcocks mit den Sex Pistols und Slaughter and the Dogs in Manchester. Nach diesem mehr als erfolgreichen Gig gab es eine regelrechte Punkrock-Welle in Manchester.

Im August spielten die Buzzcocks mit The Clash und den Pistols zusammen in der Punkrockmetropole London und nur ca. einen Monat später gaben sie einen Gig im legendären 100 Club in London zusammen mit den grandiosen Vibrators und The Damned. Nach diesem Konzert feierte die britische Musikpresse die Buzzcocks und lobte sie in den Himmel. Schon im Oktober nahmen die Buzzcocks ein Demo mit elf Titeln auf. Es hörte auf den Namen „Time is up.“ Das Demo erschien später noch als Bootleg.

Die Buzzcocks begleiteten die Sex Pistols noch auf einigen Gigs ihrer „Anarchy in the UK“-Tour, bevor sie ihre erste offizielle Veröffentlichung im Dezember in einem Studio in Manchester einspielten. Die vier Titel EP erschien im Januar 1977 und war wohl eine der ersten DIY-Veröffentlichungen im Punkrock. Um diese EP zu finanzieren, nahmen Devoto und Shelly einen Kredit von 500 Pfund auf.

Sechs Monate später verließ Devoto aus heiterem Himmel die Band. So kam es erstmal zum Bruch. Allerdings erholten sich die Buzzcocks relativ schnell wieder von diesem Schlag und formten die Band neu. Shelly übernahm zusätzlich zur Gitarre auch noch den Gesang. Steve Diggle schnallte den Bass ab und übergab ihn dem Ex-Basser Smith der somit wieder in der Band war. Diggle selbst ergriff die Gitarre und sang von nun an auch den ein oder anderen Song. John Maher blieb an der Schießbude. In dieser Besetzung begleiteten sie The Clash auf ihrer „White Riot“-Tour und unterzeichneten bei EMI ihren Major Deal. Im Oktober 1977 veröffentlichten sie die legendäre „Orgasm Addict“-EP.

Leider hielt dieses Lineup nicht all zu lange, da der neue und alte Basser Smith anscheinend nur besoffen war und er es mit der Zuverlässigkeit nicht mehr so genau nahm. Noch während der Tour wurde Smith gegen Steve Carvey ausgetauscht. Diese Besetzung blieb bis zum März 1981 bestehen. In dieser Zeit spielten die Buzzcocks einige Touren durch England und die USA. Außerdem waren die Buzzcocks ständig im Studio, probten und spielten diverse Sessions oder hatten Fototermine.

Die erste Veröffentlichung mit dem neuen Basser, Steve Carvey, nahmen sie im Februar 1978 auf und kletterten mit der EP direkt auf Platz 37 der Charts. Nur einen Monat später brachten die Buzzcocks ihr erstes Album mit dem Titel „Another Music in a Differet Kitchen“ auf den Markt. Die LP kletterte direkt auf den 15ten Platz der Charts und wurde von der Musikpresse und den Fans als Meilenstein des Punkrocks gefeiert. In dieser Zeit spielten die Buzzcocks ohne Ende Konzerte. Waren sie früher oft als Vorband unterwegs, waren sie jetzt in den meisten Fällen nur noch als Headliner zu sehen. Bis sie im September 1978 ihr zweites Album auf den Markt brachten, veröffentlichten sie immer wieder Singles, die allesamt in den Charts landeten. Das zweite Album hörte auf den Namen „Love Bites“ und erklomm Rang 13 in der Hitparade.

Ende 1979 erschien dann eine Single-Zusammenstellung mit dem Namen „Singles going steady!“ Auf dieser Scheibe befanden sich logischerweise nahezu alle Singles, die nicht auf den Alben zu finden waren. Es wird behauptet, daß die hohe Produktivität, vielen Konzerte und Alkoholexzesse dazu führten, daß es untereinander zu Reibungen in der Band kam. Zu allem Überfluss wollte nun auch noch das EMI-Management mehr Kontrolle über die Buzzcocks haben. Daß sich das negativ auf die Band auswirkt kann sich wohl jeder vorstellen. Die Buzzcocks arbeiteten 1981 inzwischen an ihrem 4ten Album, aber die EMI wollte, bevor dieses erschien, nochmals die Single-Collection wiederveröffentlichen. Das stieß aber bei den Buzzcocks auf taube Ohren. Das führte dazu, daß EMI den Geldhahn zudrehte, worauf Shelly die Band auflöste.

Nach Auflösung der Buzzcocks verfolgte der eine oder andere Soloprojekte, die hier aber nicht weiter erwähnenswert sind. 1989 beschlossen sich die Buzzcocks, sich wieder zusammen zu raufen und eine Reunion-Tour zu spielen. Nach der besagten Tour verließen Maher und Carvey die Band. Nach einigen Experimenten an der Schießbude übernahm Phil Barker den Hocker hinter dem Schlagzeug. Mit Toni Barber am Bass nahmen die Buzzcocks ihr 93er Album „Trade Test Transmission“ auf. Es folgten natürlich immer wieder Konzerte und kleinere Touren, bis sie im Jahr 1996 ihr 5tes Album „All Set“ veröffentlichten. Nach Konzerten aber auch Schaffenspausen erschien 1999 das Album „Modern“, bis im Jahr 2006 Schlagzeuger Phil Barker nach Veröffentlichung des Studioalbums „Flat Pack Philosophy“ das Handtuch schmiss. Er wurde dann durch Danny Farrant ersetzt.

Das Ende dieser Biographie liest sich wahrscheinlich dünn bzw. wie eine Auflistung. Das liegt vor allem daran, daß die Anfangszeit der Buzzcocks wesentlich interessanter ist. Außerdem würde es hier sonst den Rahmen sprengen.

Bis heute spielen die Buzzcocks so ziemlich auf der ganzen Welt Konzerte. Leider habe ich es bis heute nicht ein einziges Mal geschafft, einem ihrer Gigs beizuwohnen. Aber wenn man Konzertberichten Glauben schenken darf, dann liefern sie auch noch heute energiegeladene Livesets ab.

Dennis