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Boykott Deutschland)

Interview: Nicki

Aus der #20: Ihr seid 5 Jungs aus Schwedt (Oder), wie habt ihr zusammen gefunden? Das ist ja nicht mehr die Erstbesetzung, mit der ihr jetzt spielt. Wie lange spielt ihr schon mit der aktuellen Kombo?

In der jetzigen Formation spielen wir seit Mitte 2009. Wir wollen aus den stetigen Umbesetzungen, die uns die letzten 10 Jahre begleitet haben aber kein großes Thema machen, schließlich definiert sich diese Band durch ihre Musik und den spezifischen Charakter, der von den unterschiedlichen Bandmitgliedern über die vielen Jahre mitgetragen und nicht durch den Einzelnen geprägt wurde. Sicherlich spielt es dennoch eine wichtige Rolle, dass Hendrik und ich Gründer dieser Band und nach wie vor mit Leib und Seele dabei sind. Ein roter Faden ist also immer vorhanden gewesen. Um uns herum sammelten wir Wegbegleiter aus dem engeren Umfeld, oder durch andere Bands bekannt. Wir waren und sind (Schul)Freunde, Wegbegleiter, bekannte Anonyme und Musikerkollegen gewesen und geblieben. Es kam immer eins zu dem anderen, oder besser gesagt einer zu den anderen oder umgekehrt. Das gemeinsame Interesse an handgemachter und ehrlicher Musik hat uns jedoch immer alle verbunden - bis heute. Man kann man es nicht mehr pauschalisieren woher wir kommen. Mittlerweile ist Schwedt nur noch durch einen Bruchteil der Band in Beschlag genommen. Wir sind eine Band aus Berlin und Brandenburg.

Ihr habt die ersten Jahre queerbeet gespielt. Wie kam es dazu, dass ihr euch schliesslich auf Deutschrock spezialisiert habt?

Nun ja, wir hatten damals eben noch viel subkulturellen Einfluss erfahren und auch gelebt. Irgendwie war es aber immer schwierig, unseren Stil zu beschreiben. Es gab Phasen, wo wir ihn passend mit "Non-Style-MischMasch-RubbeldieGurke-Gitarrenmusik" beschrieben haben ^^ Demnach und wie du im Eröffnungstext schon erwähnt hast, wollten wir eine klarere Linie, die wir schließlich dem Deutschrock zugeschrieben haben, sodass jeder weiß, wo er Boykott einordnen soll. Nach wie vor sind Einflüsse aus anderen Musikstilen vorhanden und hörbar. Wir können und wollen uns technisch nicht irgendwie beschränken lassen, nur weil irgendwer irgendwann mal versuchte Kreativität (also Musik) zu definieren und in Stile zu verpacken.

Eure Alben sind ja alle sehr abwechslungsreich. Wie kommt das und wer inspiriert euch?

Woher das kommt, erklärt im Großen und Ganzen schon die vorherige Antwort. Wir waren immer schon unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Geschmäckern und musikalischen Vorlieben. Wir wollen das jeder sich einbringt und das kommt eben dabei raus. Dabei werden wir alle natürlich auch unterschiedlich inspiriert. Jeder hat seine eigenen Vorbilder und Erfahrungen, die ihn prägen und dadurch wird auch jeder unserer Musiker der Band Boykott seinen eigenen Stempel aufgedrückt haben und auch in Zukunft aufdrücken; lyrisch und musikalisch versteht sich.

Hendrik und Du schreiben ja hauptsächlich die Texte. Worüber schreibst du, singst du am liebsten? Was wird uns inhaltlich auf dem nächsten Album erwarten?

Man kann nicht wirklich pauschalisieren, wer die Texte zum größten Teil schreibt. Es ist eher eine Frage, welche von den Vorliegenden der Band zur Verfügung gestellt werden und welche es im Endeffekt auf ein Album schaffen. Wer weiß, was die anderen noch alles im Petto haben. Jedenfalls arbeiten wir in der Endphase eines Songs alle am finalen Text, weil er z.B. angepasst werden muss. Das war auch nicht immer so ^^ Ich persönlich nehme mir die Absurdität des Alltags als Vorlage. Dinge aus dem Leben und natürlich persönliche Erfahrungen, die verarbeitet müssen. Ich habe keine favorisierten Themen, mir ist eher die Art und Weise wichtig, wie ich den Inhalt rüber bringe. Und da nehmen wir uns alle nichts und das zeichnet Boykott seit eh und eh aus. Das nächste Album wird wieder sehr abwechslungsreich sein. Im Vordergrund steht, Dinge zu nennen, über die sich viele keine Gedanken machen. Fern ab von den typischen Floskeln und dem 08/15-Deutschrock-Sauf-Sex-Gewalt-und-Fussball-Themen, die viele andere Bands bedienen. Uns wird sowieso der Vorwurf gemacht wir seien zu ernst, aber daran haben wir nun mal Spaß

Wo wir grade von euren Alben sprechen. Anfang nächstes Jahr soll ja ein neues Album raus kommen. Wird das ein Album zum 10 jährigem Bestehen, oder wäre so oder so ein neues erschienen?

Ein Neues war sowieso geplant. Wir hatten nie sowas wie einen 4-Jahresplan, sondern haben nach Lust, Laune und Mitteln Alben produziert. Nach der Umbesetzung im letzten Jahr und den neuen Einflüssen die kamen, ist das letzte Studioalbum "Blut an eurer Hand" einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Außerdem hat sich seitdem ein bestimmtes Sortiment an neuen Ideen angesammelt und irgendwann müssen die eben verwirklicht werden. Unser 10jähriges Bestehen ist in diesem Zusammenhang reiner Zufall.

Was wird uns denn erwarten? Lüfte doch mal ein paar Geheimnisse.

Wenn ich das könnte ^^ So ein Album ist bei Boykott immer ziemlich spannend in der Herstellung. Wir haben kein großartiges Konzept, dem wir nachgehen. Die Produktion umfasst ja mehrere Monate und auch Jahre, wenn man von den Ideen ausgeht. Diese werden im Laufe der Aufnahmen eigentlich immer auch aktualisiert. Das nächste Album wird auch für mich ein großes Überraschungspaket. Ich kann nur sagen, dass wir versuchen werden, zugänglicher zu werden, ohne aber unseren Charme zu verlieren. Auf eine gewisse Art und Weise werden wir uns auch den genretypischen Standards anpassen, da kann man sagen was man will, aber ich kann versprechen, dass bisher kein Song dem anderen gleicht. In guter alter Boykott-Tradition eben. Es ist eben kompliziert, einfach zu sein ^^

Wie siehst du die Entwicklung der Band und wie sehen eure Zukunftspläne aus? Professionell aber nicht kommerziell, lieg ich da richtig?

Ich muss ja gestehen, dass Boykott schon immer nur eine Randerscheinung gewesen ist. Andere Bands haben in dieser Hinsicht und über so viele Jahre vielleicht mehr erreicht. Es gibt aber eben auch genug Bands, die 10 Jahre noch nicht mal ansatzweise schaffen. Was uns seit jeher auszeichnet, ist unsere stetige Motivation trotz diverser Rückschläge (eben diesen vielen Umbesetzungen und die Probleme die sich dadurch ergeben) und vor allem, dass wir uns treu geblieben sind. Uns, unseren Fans und unter einander. Vor allem aber die Erfolge der letzten zwei Jahre in diversen Contests zu gewinnen, den Ralf vom BOSC als Booker gewonnen zu haben und den Vertrieb unserer aktuellen CD über KB Records gesichert zu wissen , ebnen uns so langsam aber sicher einen Weg, der gefällt. Wir sind zwar nicht allgegenwärtig, aber einzigartig. Auf unsere Art und Weise und darauf sind wir stolz. Wir wollen nach wie vor niemanden kopieren und es ist eben schwer aus der Versenkung heraus ohne Bezüge aufzuerstehen. In diesem Zusammenhang muss man sich dann auch die Frage gefallen lassen, wann beginnt Professionalität und Kommerz? Wir haben schon unsere erste Demo anno 2001 gewinnbringend verkaufen können. Professionell waren wir damals aber definitiv noch nicht. Mittlerweile produzieren Wir selbst und sehr gut, spielen auf vereinzelnd großen Bühnen und in angesagten Clubs, oder verschiedenen Großveranstaltungen in ganz Deutschland, aber uns fehlt eine Fanbase außerhalb unserer Region. Es ist schon etwas kurios, wie sich das bei uns entwickelt. Ziel gibt es eigentlich nur eines, welches man klar formulieren kann: Boykott solle vielleicht nicht nur ein Hobby bleiben.                                      

Ihr durftet ja schon so einige Bands kennen lernen. Mit wem war's am interessantesten und mit wem würdet ihr gerne mal zusammen spielen? Gibt's speziell für dich einen Favoriten?

Irgendwie war es immer interessanter mit Bands, die wir im Support hatten. Speziell den Bands, denen wir in der Vergangenheit die Möglichkeit geboten haben, ihre ersten Konzerte zu spielen, konnte man noch eine Menge abgewinnen. In erster Linie Charisma, angeregte Kommunikation und sicherlich auch mal den einen oder anderen Drink zuviel. Im Gegenzug hatte es zwar immer einen recht angenehmen Touch, sich mit "bekannten" Bands auf dem Flyer rühmen zu können, aber hinten raus hat es sich meistens als relativ unspektakulär heraus gestellt. Aus den verschiedensten Gründen: Kein Interesse, keine Zeit, scheiß Management usw. Hervorheben kann man eigentlich nur unseren kleinen gemeinsamen Gig mit Frei.Wild im Jahr 2003. Die Jungs waren damals von ihren heutigen Erfolg und Bekanntheitsgrad noch weit entfernt und wenn man das heute so betrachtet, ist es schon komisch, wie sich die Dinge so entwickelt haben. Mehr kann ich dazu an dieser Stelle nicht sagen ... Ich hab aber das getauschte und durchgeschwitzte Frei.Wild-T-Shirt vom Phillip noch immer in meinem Schrank zu liegen - allerdings in den Tüten für die Altkleidersammlung ^^ Demnach würde ich mir persönlich vielleicht ein erneutes Zusammentreffen wünschen, damit ich mein Boykott-T-Shirt irgendwann wieder bekomme... lol

Ich danke dir für deine Zeit und wünsche euch alles Gute, auf das noch einige Jahre boykottiert wird! Das Letzte Wort gehört dir!

Du bist doch aber die Frau! ^^ Ich lege allen unsere Website und unsere Profile bei Facebook, Myspace ans Herz. Videos und Mucke vom Feinsten. Und sagt es weiter ...