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Anti Clockwise (Deutschland)

Aus der #21: Stellt Euch bitte mal vor und gebt uns eine kurze Bandvorstellung. Und klärt uns mal über Umbesetzungen innerhalb der Band, von der Gründung bis heute, auf, wenn es welche gab.

Sebastian: Hallo, wir sind AntiClockwise und kommen aus Magdeburg. 2006 haben wir (Marcel, Martin und Sebastian) angefangen Musik zu machen. Aber erst ab 2007 kann man von ACW als Band sprechen. Vorher haben wir lediglich Lieder, auf die wir Lust hatten, nachgespielt. Wir sind und waren zu dritt, hatten auch keine Besetzungswechsel und das wird hoffentlich auch so bleiben. Musikalisch orientieren wir uns an den typischen End 70er/Anfang 80er Oi!-Klassikern. Aber sagen das nicht alle Bands?! Wir haben jedenfalls keinen Bock auf Deutschrock und ähnliche Modegeschichten. Ende 2007 haben wir mal ein Demo in nem Jugendclub aufgenommen, das wir heute Scheiße finden. Ende 2009 haben wir dann wieder was aufgenommen. Leider waren einige unserer Texte und irgendwelche Internetgeschichten dem Mischer zuwider und deshalb verweigerte er das Abmischen. Wir bekamen die Spuren dennoch und suchten nach jemandem mit weniger Anstand ;-) . Das hat dann mit einiger Verspätung (fast 1,5 Jahre) auch geklappt. Deshalb gibt es seit März 11 ein weiteres Demo von uns. Konzerttechnisch sind wir hauptsächlich und regelmäßig in Magdeburg unterwegs. Wir hatten aber auch schon ein paar Außerhalb-Konzerte: 2008 hatten wir zusammen mit Rampage mehrere Konzerte in Wolfsburg. Das waren immer recht gemütliche kleine Veranstaltungen in ner Kneipe oder nem Strip-Club. Im selben Jahr haben wir, ebenfalls mit Rampage, in Eschwege bei einer Geburtstagsfeier gespielt. Der Kontakt kam damals über Eddy, einem Exil-Magdeburger, zustande. Und bei Uelzen haben wir auch gespielt, weiß man ja als MF-Leser. Das Außerhalbkonzert was uns am meisten Spaß gemacht hat, war letzten Mai in Hildesheim. Es war auch das einzige Konzert, bei dem der Kontakt nicht durch irgendwelche Bekannte zustande gekommen ist. Da nur wir spielten waren wir sozusagen Headliner J. Es fand in der Stammkneipe der örtlichen Bootboys statt und hatte einen sehr familiären Charakter. In Weimar hat es uns auch Spaß gemacht. Die Konzerte in Wegeleben, Haldensleben oder Schönebeck kann man zu den heimischen zählen, da sie unserer Meinung nach zum weiteren Umkreis von Magdeburg zählen.

Euch gibt es ja schon einige Jahre, aber besonders medienpräsent wart Ihr nicht gerade, oder habe ich einfach die falschen Zines gelesen? Gab es schon Interviews mit Euch und wo?

Sebastian: Das liegt daran, dass wir bisher keine Interviews gegeben haben. Wir hatten lediglich eine Bandvorstellung im Feindkontakt-Zine und ne Menge Demo-Verrisse. In dem ein oder anderen Zine (u.a. dem MF-Zine) gab es auch mal Konzertberichte.

Das Interesse an unserer Band war auch nicht besonders groß. Wir haben bisher keinen großen Wert auf ein ausschweifendes Marketing gelegt, wie es andere Bands praktizieren. Von uns gibt es nicht täglich 5 neue Bulletins auf Myspace etc. und wir drängeln uns auch niemandem auf. Ich finde, das Musik machen sollte im Vordergrund stehen. Das ganze Drumherum nervt mich ehrlich gesagt.

Du bist der erste der uns um ein Interview gebeten hat J.

(Haha, ich kenne da jemanden, der nach dem letzten Konzert auch die Idee hatte und mich jetzt sicher lynchen möchte, da ich den Worten gleich Taten folgen ließ...;-) Cheers Jan! -Meik)

Euer Bandname ist ja nicht gerade alltäglich, obwohl ich beim Recherchieren, über Euch, auf noch eine Band mit gleichen Namen stieß... Wie kamt Ihr auf den Namen und warum ein englischer Name, obwohl Ihr nur deutsche Texte habt?

Martin: Einen vernünftigen Namen zu finden, war nicht einfach. Unsere deutschen Namens-Einfälle haben sich unrund und prollig angehört, weshalb wir letztendlich bei Anti Clockwise (gegen den Uhrzeigersinn) stehen geblieben sind. Damit können wir uns identifizieren und der Name liegt gut im Mund! Das andere Kapellen sich mit diesen Namen schmücken, ist mir auch schon zu Ohren gekommen, aber nun bleibt er so! :-)

Ihr habt unlängst ein neues Demo veröffentlicht und es soll wohl noch ein altes Demo geben. Hat sich das alte Demo nicht an den Mann bringen lassen? War es einfach Zeit für ein neues Demo? Oder wollt Ihr mit dem neuen Demo nochmal neu auf Euer Können aufmerksam machen

Sebastian: Ja, wir haben Ende 2007 bereits ein Demo mit 6 Liedern in einem örtlichen Jugendclub aufgenommen. Aus heutiger Sicht ist es grottenschlecht. Damals fanden wir es recht passabel, so dass wir es an diverse Zines und Versände schickten. Im Nachhinein betrachtet ein Fehler. Das Demo wurde von den meisten Zines verrissen. Nur vom Zwergpirat kam eine eher positive Kritik. Danke nochmal an dieser Stelle an den Exil-Magdeburger Carsten. Wobei die negativen Besprechungen ja auch begründet waren. Aber die Verrisse hatten auch einige gute Seiten, denn man lernt aus seinen Fehlern und beim nächsten Mal waren wir eher zurückhaltender. Dass es diese schlechten Aufnahmen von uns heute noch zu kaufen gibt, ärgert uns.

Da sich musikalisch bei uns von 2007 zu 2009 einiges geändert hat, und immer wieder Nachfragen kamen, haben wir im November 2009 das „neue“ Demo aufgenommen, welches ab März 2011 zu haben ist. Die Gründe für die Verzögerung haben wir ja oben schon erläutert.

Vertreibt Ihr das Demo offiziell, oder verteilt Ihr es nur im Freundeskreis?

Sebastian: Das Demo bekommt man nur bei uns, auf Konzerten oder im Freundeskreis. Wir haben nicht vor es über Versände vertreiben zu lassen, zu großer Aufwand und zu wenig Übersicht. Bis jetzt haben wir die meisten Demos verschenkt, soweit ich weiß. Wer eins möchte, kann sich ja per Netz melden oder mal auf n Konzi nach MD kommen. Dieses Mal werden wir es auch nicht an jedes Zine schicken, eben nur an Leute die man mag und die es interessiert (MD-Punx, MF-Zine, Zwergpirat, Bomberpilot…).

Laut eines Liedtextes seht Ihr Euch in der Tradition der Skinheads der 80er. An welchen Bands orientiert Ihr Euch da bzw. welche Gruppen sind da besondere Vorbilder?

Martin: Du sprichst uns sicher auf die Textzeile: ,,Den 80er Jahre Skinheadsound, den hast du dir anvertraut'' an?

Also, dass wir nun in die Fussstapfen der 80er Skins treten, denke ich nicht. Wir leben in einer anderen Zeit und sehen uns somit als traditionelle Skinheads der heutigen Zeit. Ich glaube das kann man so sagen.

Wir mögen die alten Bands, ob die Alliierten, Böhse Onkels, Last Resort, Cockney Rejects usw., ein sehr guter Sound...

Auch singt Ihr da von Reggae und Ska als Wurzeln. Hört Ihr lieber die Klassiker, oder könnt Ihr auch mit neueren Reggae- und Skabands was anfangen und welche sind das?

Martin: Ich mag die Klassiker, sowie die neuen Bands, die den alten Sound spielen, aber auch wieder den Sound der 80er The Specials usw..Was ich nicht mag: Trompeten Ska-Punk.

Mit „Hier im Osten“ ist auch ein Lied vom alten Demo wieder mit an Bord. Warum gerade das Lied und nicht eins der anderen Lieder?

Sebastian: „Hier im Osten“ war eines unserer ersten Lieder. Die Musik und den Text finden wir immer noch ziemlich gut. Da das erste Demo ansonsten schlecht war und es zu schade darum war dieses Lied einfach in Vergessenheit zu lassen, haben wir es einfach nochmal neu aufgenommen. Inhaltlich ist es auch noch aktuell und wird es wahrscheinlich auch noch in ein paar Jahren sein. Auch wenn wir persönlich das Lied nicht mehr hören können, kommt es live immer recht gut an.

Textlich geht es eher ernst zur Sache und bierselige Texte sucht man, zumindest auf dem Demo, vergebens. Woran liegt das?

Sebastian: Ja, wir haben keine Lieder übers rumsaufen, kotzen und sich einpissen. Das liegt nicht daran, dass wir alle ziemliche Miesmuscheln und immer nüchtern sind, sondern dass es bedeutend wichtigere Themen für uns gibt. Wenn man sich viele Bands heutzutage anhört die sich Oi! schimpfen fällt einem auf, dass sich die Themenwahl kaum noch von den üblichen Ballerman-Hits unterscheidet. Ich denke dabei an Bands wie: Biertras; Bierpöbel; Bier Kampf; Bierficker, Thekenathleten, Thekenprominenz; Thekenkotzer, etc. Was für ne Scheisse…

Oi!-Musik sollte eine Aussage haben und nicht zur Verblödung aufrufen. Wenn mich etwas bewegt oder ich finde, dass sowas mal gesagt werden muss dann wird da irgendwann ein Text draus. Ich höre selbst am liebsten Lieder, die auch etwas aussagen. Es gibt doch schon so viele tausend Sauflieder und ich kann das nicht mehr hören und mich auch nicht großartig damit identifizieren. Allerdings finde ich, dass bestimmte „ernsthaftere“ Themen nicht oft genug angesprochen werden können. Wenn man krampfhaft versucht witzig zu sein ist das im Endeffekt oft peinlich. Ich hab auch Probleme damit solche Texte zu schreiben und überlasse es denen die es können, wie bspw. den Lokalmatadoren.

Erzählt den Lesern mal was über Eure Texte bzw. Eure Lieder.

Sebastian: Unsere meisten Texte sind eher kritischer Natur. Wie du bereits erwähntest, sucht man Sauflieder und geistreiche Ergüsse wie: „Bier, Schnaps, Ficken oioioi, wir bleiben der Dummheit treu“ vergebens. Am Anfang hatten wir auch mal ein paar Texte, bei denen der Inhalt etwas verschachtelt ausgedrückt wurde. „Es liegt an dir“ von unserem 2.Demo ist zum Beispiel eins davon. Da kann man ne Menge rein interpretieren und auslegen. Auf dem ersten Demo hatten wir ein Lied namens „Seuche“, bei dem diese als Metapher verwendet wurde. Aus heutiger Sicht ist mir das zu viel Geschwafel und im Endeffekt schnallt es eh keiner, also was solls… Bands mit tausend Floskeln wie: Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben und viel Palaber um nichts nerven doch nur noch. Jetzt versuchen wir unsere Texte direkter zu machen, aber ohne dabei stumpf zu wirken. Das ist nicht immer einfach. Die meisten Texte haben entweder Martin oder Sebastian geschrieben. Manche Texte sind auch zusammen entstanden, wobei da zuerst bestimmte Melodien standen und die Texte drauf geschrieben wurden. Aber bei den meisten Liedern stand erst der Text. Wenn mich was bewegt oder ich zu einem bestimmten Thema was sagen möchte, z.B. dem 17.Juni, dann entsteht daraus ein Text.

Musikalisch versuchen wir unsere Vorlieben unter einen Hut zu bringen, daraus hat sich nach und nach unser eigener Stil entwickelt. Maßgeblich beeinflussend für Martins Gitarre sind wohl die Templars. Ich versuche auch mal ein paar Bassläufe reinzubringen und Marcy kommt ab und an auch mal mit Ideen und Geschichten die er gerne umsetzen würde.

In Magdeburg hattet Ihr ja auch ein Lied zum 17. Juni mit am Start. Bei uns war der Tag bis zur „Wende“ unter der Bezeichnung „Tag der deutschen Einheit“ ein Feiertag. Heute dürfte mit dem Datum wohl kaum noch jemand etwas anfangen können. Das Thema ist ja leider fast vollständig aus den Köpfen verschwunden. Erzählt mal etwas zu dem Lied und wie Ihr darauf kamt, zu dem Thema ein Lied zu machen.

Sebastian: Auf das Thema bin ich gekommen weil wir zum Einem in MD einen Platz des 17.Juni haben, und das dadurch schon ein Begriff war. Zum Anderen, weil der 17. Juni über mehrere Jahre hinweg von der rechten Szene in MD für Profilierungen und Anbiederungen instrumentalisiert wurde. Als es dann damit losging, dass die „Autonomen Nationalisten“ hier an diesem Datum Veranstaltungen zu Erinnerung durchführten und die linken Autonomen natürlich Ihre ewigen Gegendemos hier abzogen, begann ich mich zu fragen ob man das Thema nicht auch mal aus neutraler Sicht behandeln könnte. Oft erscheinen historische Themen so weit weg. Auch in Magdeburg gab es den Aufstand und auch in Magdeburg gab es Tote. Wenn man sich näher mit dem Thema auseinandersetzt und insbesondere mit den Abläufen in Magdeburg, wird die Geschichte greifbar. Wenn man von den Straßen liest auf denen es zu Kämpfen zwischen Arbeitern und der Volkspolizei bzw. Roten Armee gekommen ist und somit die Schauplätze vor Augen hat, auf denen man schon so oft selber stand, wird aus etwas Abstrakten und etwas das weit weg ist, etwas Lebendiges. Das Thema ist sicherlich in der ehemaligen DDR präsenter als „drüben“. Das liegt unter anderem an diversen Mahnmalen, oder auch an Plätzen und Straßen die nach dem 17.6.1953 benannt sind.

In einem Lied hat man nur begrenzt Zeit ein Thema abzuhandeln. Gerade bei historischen Sachen ist das schwierig, denn schnell sind da ein paar Seiten zusammen geschrieben. Man muss versuchen sich auf das Wesentliche zu beschränken und oft fällt dann viel bei weg. Das Lied sollte man als Anregung nehmen um sich diesbezüglich mal etwas schlau zu machen.

Von der Zeit her, wäre es ja bald mal so weit, an eine offizielle Veröffentlichung zu denken. Wie seht Ihr das, ist da in näherer Zeit schon was geplant?

Sebastian: Auf langfristiger Sicht werden wir auf jeden Fall auch mal ein Album aufnehmen. Grob ins Auge gefasst ist der Anfang oder Sommer des nächsten Jahres. Das hängt natürlich von unserem Output an Liedern ab und wie oft wir zum Proben kommen. Leider schaffen wir es nicht, wie andere Bands, dass wir mehrmals pro Woche proben können und dadurch zieht sich das eben etwas hin. Im Moment proben wir noch nicht mal alle 2 Wochen. Leider.

Ein Album kommt aber auf jeden Fall. Ich freue mich schon den eigenen Tonträger in Händen zu halten, und wenn es geht sogar auf Vinyl. Wenn wir kein Label finden, bzw. kein Label das uns passt werden wir das Album in Eigenregie veröffentlichen. So ist man nirgendwo verpflichtet und man bekommt nicht das kalte Kotzen wenn es bspw. Bei PC-Rec. oder Front-Rec. auftaucht.

Live konnte ich Euch vor einigen Jahren mal mit Gerbenok und Lammkotze in der Sackfabrik sehen und dann auf einigen kleinen Konzis bei uns (in Lintzel) und in Magdeburg. Habt Ihr schon mehrmals außerhalb Magdeburgs gespielt? Was muß man Euch bieten, daß Ihr aus Magdeburg mal rauskommt?

Sebastian: Ja, wir haben schon mehrfach außerhalb unserer Stadt gespielt und haben uns dabei auch mal Tief in den Westen, unter anderem auch in die Nähe von Uelzen, getraut ;-) . Und wenn ich richtig gezählt hab ist das Verhältnis von Außerhalbkonzis zu den heimischen 6 zu 8.

Wie dem auch sei: Wir spielen für Spritgeld, eine Möglichkeit zum Übernachten wäre schön. Wenn was bei rausspringt stört es uns nicht. Das war´s. Auch wäre schön wenn die anderen Bands nicht die letzten Assischweine wären.

Gerade die kleineren Konzis bei Euch in Magdeburg sind sehr familiär und mir gefallen sie weitaus besser als die großen überlaufenen Veranstaltungen, zumal der Krakenanteil auch eingedämmt ist. Was ist Euch lieber, ein kleines und smartes Konzert, oder eine volle Halle?

Sebastian: Natürlich sind uns kleinere Konzerte lieber als irgendwelche großen Massenveranstaltungen. Als Band sowie als Besucher geht man bei größeren Konzerten, die oft sehr kommerziell geprägt sind, in der anonymen Masse unter. Dort kommt man sich vor wie bei einer Art Fließfertigung, bzw. eher Massenabfüllung um möglichst viel Geld in die Taschen dubioser Leute zu spülen. Die Musik verkommt zur Randerscheinung beim zudröhnen und T-Shirt kaufen.

Die meisten unserer Konzerte waren in einem kleinen Rahmen von bis zu 150 Leuten, wobei sich die meisten untereinander kannten. Einige Magdeburger haben uns bestimmt schon über 10 Mal gesehen. Aber wir spielen lieber das 10. Mal in ner kleinen Kneipe in Magdeburg vor unseren Kumpels als in bspw. In ner riesen Halle in Berlin die Vorband für irgendwelche Szenestars zu geben.

Zumindest Außenstehenden dürfte es so vorkommen, als wenn in Magdeburg die Welt noch in Dortmund ist...;-) Ihr habt mehrere Bands, neben dem MD Punx gibt es ja noch das Allright Fanzine, obwohl der Macher ja gerade keine kreative Phase zu haben scheint und dann gibbet ja auch noch den Bandworm-Shop. Wie ist es um den Zusammenhalt bestellt, oder macht jeder sein eigenes Ding?

Ja, auf Außenstehende mag das so wirken. Es gibt es in MD auch ziemliche viele Leute die auf Oi-Musik stehen. Magdeburg ist eher durch verschiedene Freundeskreise als durch eine gemeinsame Szene geprägt. Ich mache auch nicht gleich mit jedem Kurzhaarigen oder Punkrocker auf Kumpel. Oft hat man da schon in die Scheisse gegriffen.

Man kennt sich grob untereinander, aber sind die Interessenkonflikte doch zu stark um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Es gibt verschiedene Gruppen, die alle ihr eigenes Süppchen kochen. Innerhalb der einzelnen Freundeskreise wird schon zusammen gehalten. In der Vergangenheit gab es kleinere Rivalitäten und Meinungsverschiedenheiten. Im Endeffekt bloß Kinderscheiße.

Das MD-Punx-Zine ist gut und wird von uns allen gelesen.

Bandworm ist nicht mehr als ein Laden bei dem man gute Musik und Kleidung kaufen kann. In den letzten Jahren ist Bandworm Rec. ziemlich groß geworden und durch die freundliche Übernahme von KB-Rec. haben sie Ihr Standbein in der alternativen Musikszene noch weiter verfestigt. Aber von einem Szeneladen würde ich nicht sprechen, dafür ist das Spektrum was Bandworm abdeckt zu groß. Jede alternative Göre läuft hier mit nem Bandworm-Beutel rum, das sagt schon alles. Trotzdem find ich es gut, dass wir sowas hier haben. Shirts etc. kann man anprobieren und man muss nichts bestellen. Die Leute, die dort arbeiten sind auch recht locker drauf.

Apropo Bandworm, die veranstalten ja regelmäßig ihre großen Events, wo dann quer durch die Subkulturen alles zusammen gewürfelt wird, ob es paßt oder nicht und da rennen ja nicht gerade wenig H&M-Skins im Alter zwischen 16 und 18 rum und machen den Max. Was haltet Ihr von diesen Großveranstaltungen und dieses Zusammengewürfel aller möglichen Genres, nur um möglichst viele zahlende Kunden zu angeln?

Hierzu bekam ich leider keine Antwort... -Meik

Zumindest ein Bandmitglied von Euch ist ja noch bei anderen Bands aktiv. Hat jeder von Euch noch Sideprojekte und welche sind das?

Sebastian: Bis auf mir, Sebastian, spielt keiner von ACW in einer anderen Band. In Anbetracht, dass wir so schon selten zum Proben kommen, wäre dafür auch keine Zeit. Vor ACW haben wir alle schon mehr oder weniger ernsthaft mit anderen Leuten Musik gemacht. Aber diese Sachen sind Geschichte.

Was kotzt Euch in der Szene derzeit am meisten an und warum?

Sebastian: Bei dieser Frage könnte ich gewaltig ausholen. Die Szene besteht aus Menschen und niemand ist vollkommen. ABER: Was mich ankotzt ist die Charakterschwäche einiger Leute in Form von: -Unzuverlässigkeit

-Leute vollschleimen, nur weil sie in irgendwelchen verfickten Bands spielen

-Maßloses Rumgesaufe, bzw. das Bejubeln davon

-Den dicken NS-ler raushängen lassen um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, obwohl man von Politik keine Ahnung hat

-Egoismus, dazu zähle ich auch den „Freunden“ die Mädchen auszuspannen

-MySpace-/ jetzt Facebook-Selbstdarsteller

-Anscheißen

-Daran orientiert zu sein möglichst schnell zu Verblöden

-Noch vor 5 Jahren die letzte Zecke sein, aber nicht mal dazu stehen, jetzt Nazi-Transen den Arsch lecken und über böse PC-Spinner rum zu jammern

Ich könnte ewig so weitermachen. Klar, auch ich bin nicht der perfekte Mensch, keine Frage. In der Vergangenheit hab auch ich mich nicht immer nur mit Ruhm bekleckert… Die meisten, die mich kennen wissen das zur Genüge.

Allerdings sollten sich eine Menge Leute mal fragen, was sie bspw. auf einem Oi!-Konzert zu suchen haben. Ich habe zum Teil sehr hohe Ansprüche an mich als auch mein Umfeld. Ich suche mir meine Freunde aus. Das kann man gern als arrogant bezeichnen, aber letztendlich sind mir meine Freunde und mein direktes Umfeld sehr wichtig und da akzeptiere ich nicht jeden Vollassi. Leider ist die unpolitische Szene von eben diesen durchsetzt. Selbst Loikaemie, die diesen Trend ja maßgeblich beeinflusst haben, gaben auf ihrer DVD sinngemäß etwas wie: „Was mit Ficken-Oi! begann ist zu totalem Assitum verkommen“ an. Das lass ich mal so stehen. In letzter Zeit hab ich den Eindruck, dass z.B. der letzte Menschenmüll sich gerade von Oi!-Konzerten angezogen fühlt. Man will dazu gehören, dabei sein etc. Allerdings vergrault genau das die Leute für die diese Veranstaltungen gedacht sind. Einige Leute, sollten sich mal fragen, ob das der richtige Ort für sie ist und ob sie nicht bei der nächsten Ballermannparty oder Konzerten in besetzten Häusern besser aufgehoben wären.

ABER: auf der anderen Seite nervt mich auch die Arroganz einiger älterer Semester. Immer dieses Rumgeschwule weil einer n T-Shirt von der Band XY an hat und nicht n überteuertes Markenhemd. Letztendlich zählt der Charakter und ich scheiss drauf ob mein Kumpel nur n hässliches Flanellhemd an hat, weil er bspw. keine Kohle hat, ich mich aber zu 100% auf ihn verlassen kann. Auch wenn dieses Ost-West-Ding albern ist: aber gerade bei einigen West-Konzerten ist mir sowas aufgefallen. Hauptsache übertrieben smart aussehen, aber die letzte Weichflöte sein.

Naja, ist doch ganz schön ausgeartet. Ich könnte aber noch Etliches ergänzen.

Welche ´neue´ Band war für Euch in den letzten Jahren die Band schlechthin, wo Ihr gesagt habt, das ist der Hammer und warum?

Martin: Für mich, sind das die Templars. Sie spielen einen sehr guten Sound, der mich oft motiviert, die Gitarre in die Hand zu nehmen. Kann mich daran einfach nicht satt hören. Ich versuche mich etwas dran zu orientieren, so richtig klappt es meist nicht. Gerade das neue Demo hört sich etwas moderner an.

Okay, Zeit für abschließende Worte.

Danke für das Interview und das Interesse an der Band. Ich hoffe wir haben nicht die typischen 08/15-Antworten abgeliefert. Wir sehen uns bei dem nächsten kleinen Konzert hier in Magdeburg. Ihr seid immer willkommen, aber das wisst ihr ja.

Gruß und Oi!