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Angelic Upstarts (England)
Aus der #21: 1977 gründeten sich in South Shields, im Nordosten Englands, die Angelic Upstarts unter Thomas Mensforth (Gesang), besser bekannt unter dem Spitznamen Mensi; Ray Cowie (Gitarre); Steve Forsten (Baß); und Decca Wade (Schlagzeug). „Oi! The book“ hat eine etwas andere Gründungsbesetzung zu bieten: Mensi, Ray Cowie, Steve Taylor und Keith Warrington. Die Upstarts hatten allerdings zeitlebens einen starken Mitgliederwechsel... Andere Mitglieder, die die Bandgeschichte prägten waren u.a. Max Splodge und Paul Thompson (letzterer war früher bei Roxy Music). Für das Album „Sons of Spartacus“ waren dann Musiker wie Tony van Frater von Red Alert, Gaz Stoker von Red London und Lainey von Leatherface zusammen mit Mensi am werkeln.
Beeinflußt wurden sie von The Clash, The Damned und den Sex Pistols, was zu der Zeit ja eigentlich auf viele Bands zutraf.
Ende der 70er erschien ihr Debut in Form der Single „Murder of Liddle Towers“. Bei Staat und Bullen machten sie sich dadurch nicht gerade beliebt, da sich das Lied mit der Polizeibrutalität im Allgemeinen befaßt und den Tod des Amateurboxtrainers Liddle Towers thematisiert. Der letzten Endes durch Mißhandlungen im Polizeigewahrsam gestorben ist. Auch andere Bands nahmen sich der Thematik an, so z.B. The Jam. Die B-Seite der Single war nicht minder provokativ, denn der Titel hieß „Police opression“. Von den Bobbies verhaßt und von Stadt und Gemeinde mit Auftrittsverboten belegt. Wenn das kein guter Start für eine Punkrockkarriere ist?!? 1980 siedelte die Band nach London über.
Jimmy Pursey, Freund und Musikerkollege, produzierte das erste Album der Upstarts. „Teenage warning“ und das Folgealbum „We gotta get out of this place“ brachten der Band erste Erfolge. Die LP „2.000.000 voices“ schaffte es 81 sogar in die Charts und rückte bis auf Platz 32 der Hitliste des Königreichs vor. Aber auch die Singles „England“, „Kids on the street“ und „Last night another soldier“ waren kommerziell einträgliche Platten. Schon 1981 brachten die Jungs um Mensi ein erstes Livealbum raus. Das Livewerk hielt sich 7 Wochen in den Rankinglisten kommerzieller Musik. Nach den Krawallen von Southall erschien „Different strokes“ als Lied und ließ ihr Major im Glauben, daß die AU mainstreamtauglich werden. Als die Band aber Lieder wie „Soldier“, „Wasted“, „Cry wolf“, sowie „Gonna be a star“ den EMI-Leuten zur Veröffentlichung vorstellten, lehnte das Label diese als „zu hart“ ab. So erschien unter Steve Levine, als neuer Produzent, das Album „Still from the heart“. Die LP scheiterte auf der ganzen Linie... Es waren Rocksongs und keine Streetpunkhymnen und die Musik wurde durch Keyboardunterstützung völlig aufgeweicht, auch wenn die Texte weiterhin kritisch waren. Etwas Gutes hatte das Desaster ja, man trennte sich von EMI. Mensi allerdings war auch höchst uneinsichtig und verteidigte das Experiment damit, so neues Publikum ansprechen zu können. Allerdings sind die Upstarts ja längst nicht die einzigen, die irgendwann nichts mehr mit den Roots zu tun haben wollen und den Mainstreamolymp erobern woll(t)en. 1983 erschien dann das Album „Reason why“, welches unter Kritikern als bestes der Band gilt. Mit „Angel dust“ erschien dann auch eine erste „Best of...“-Compilation. 1985 rechneten die Upstarts dann mit der Presse ab und zwar in Form der LP „Power of the press“. Hier fand sich auch das Lied „Soldier“ von der „Still from the heart“-Scheibe wieder. Mit der Platte ging es für die Band wieder zurück zu den Streetpunkwurzeln. Die „Brighton bomb“ Maxi wurde indiziert, da man die eiserne Lady, Maggy Thatcher, auf dem Cover mit abgehackten Gliedmaßen zeigte. 1987 war es dann Zeit für „Blood on the terraces“ und das Cover war gewohnt provokativ und gab den Medien einmal mehr Futter für schlechte Kritik über Mensi und Co. 1991 kam die „Bombed out“ LP, auf der Mensi und Band nochmal zu alter Größe wuchsen. Letzten Endes hatten sie 7 Singles in den Charts und vier LPs unter den Top 50, was für eine Band aus der Subkultur doch beachtlich ist.
Textlich legten sie immer wieder den Finger in offene Wunden. Politik und Polizeimethoden wurden kritisiert, auf das Leben der Arbeiterklasse hingewiesen und Partei für diese ergriffen. Die Upstarts hatten eine klare Antihaltung zu Rassismus, brachten aber auch patriotische Texte wie „England“ unter die Hörer. Und mit „Lonely man of Spandau“ thematisierten sie sogar die jahrzehnte andauernde Einzel- und Isolationshaft von Rudolf Heß. Auf der „Sons of Spartacus“ gab es nochmal einen zweiten Teil. Sicherlich nicht gerade aus denselben Beweggründen, aus denen es Bands wie Skrewdriver oder No Remorse später taten, aber dadurch zeigt sich, daß sie trotz roter Beeinflussung auch heiße Eisen aufgriffen. Mit „Guns for the afghan rebels“ zeigte man auf, daß sie für die Selbstbehauptung besetzter Länder standen und sich damit sogar gegen Rußland aussprachen... Und mit dem Clash-Cover „White riot“ wurde nicht einfach nur ein Clash-Song nachgespielt, sondern auch ein vom Text her aufrüttelnder Song. Mit der Platte „Anthems against scum“ war zumindest vom Cover her klar, daß die Upstarts nun voll in Richtung Kommunismus unterwegs waren. In den 90ern war Mensi dann einer der führenden Antifaprotagonisten der Insel und dürfte somit allen umherwabernden Gerüchten, er und die Upstarts wären rechts bzw. eine rechte Band, ein Ende bereitet haben. Obwohl sowas für oire szene und Co sicher immer noch nicht genug Gründe sind...
Wie es in der Frühphase des Streetpunks und Oi! so üblich war, waren auch Konzerte der Upstarts steter Austragungsort von Schlägereien zwischen verschiedenen Besucher- und Skinheadgruppen. Wie meist, war der ausschlaggebende Grund die Politik. Auch das anfängliche Kokettieren mit Nazisymbolika wurde oft mißverstanden, oder aber war Grund für Vereinnahmungsversuche seitens politischer Extremisten. Die Angelic Upstarts ließen sich aber nicht von der BNP kaufen, dafür ließen sie sich aber kurze Zeit später vom Stalin-Fanclub anheuern, denn unter solchen Bannern waren die Mannen dann fast ausschließlich unterwegs. Die Ausschreitungen von Southall und die Verdrehung der Tatsachen von Seiten der Medien bedeutete auch für die Angelic Upstarts nichts Gutes. EMI legte der Band nahe, eine musikalische Wandlung, sowie eine öffentliche Abwendung vom Skinheadpublikum zu vollziehen, um weiter kommerziell einträglich für das Majorlabel zu sein.
2006 verließ Mensi, inzwischen das letzte Mitglied aus der Urbesetzung, dann die Band und das Boot Angelic Upstarts war am sinken. Chris White übernahm fortan den Gesang und aus der Gründerzeit stieß Decca Wade als Schlagzeuger wieder zur Band. Allerdings waren die Upstarts immer auch Thomas Mensforth und so war an Erfolge nicht gerade zu denken. Inzwischen soll Mensi wieder an Bord sein, ob es den leckgeschlagenen Kahn noch retten kann, wage ich zu bezweifeln. Diese Band dürfte leider ihren Zenit überschritten haben...
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